Liquidationskosten beträchtlich höher
Bank Vontobel feuert Manager nach E-Bank-Fehlschlag

Die renommierte Zürcher Vermögensverwaltungsbank Vontobel hat im Zusammenhang mit dem missglückten Aufbau einer Internet-Bank drei Top-Manager entlassen.

Reuters ZÜRICH. Die Bank teilte am Donnerstag mit, Verwaltungsratschef Jörg Fischer sei ebenso wie Finanzchef Walter Kaeser seinen Kontrollaufgaben nicht nachgekommen und werde entlassen. Das Internet-Projekt y-o-u, das die Bank bis zu 250 Mill. sfr kosten dürfte, wurde bereits Ende Februar abgebrochen. Doch nun wurde klar, dass die Liquidationskosten beträchtlich höher ausfallen dürften als erwartet. Die Bank sah sich sogar veranlasst, eine angekündigte Dividendenerhöhung zurückzunehmen. An der Börse verlor die Aktie bis Nachmittag rund zehn Prozent.

Bereits im Februar hatte Vontobel erklärt, das Projekt habe die Rechnung 2000 mit rund 150 Mill. sfr belastet. Nun hiess es weiter, die Liquidationskosten würden sich insgesamt noch nicht genau beziffern lassen; vorsorglich sei aber in der Rechnung 2000 nachträglich und zusätzlich ein Sonderaufwand von 100 Mill. sfr verbucht worden. Der Konzerngewinn für 2000 reduzierte sich daher entsprechend um diesen Betrag auf noch 241,6 (Vorjahr 243,4) Mill. sfr.

Projekt der Internet-Bank läuft schief

Der Verwaltungsrat der Bank merkte nach den Worten des Präsidenten Hans-Dieter Vontobel in den letzten Wochen, dass das Projekt der Internet-Bank schief lief. Das Projekt sei konzeptionell wie finanziell völlig aus dem Ruder gelaufen, sagte Vontobel. Die Ausgaben seien masslos unterschätzt worden. Vontobel nannte das Projekt "blauäugig, geboren aus der Mentalität eines masters of the universe und einer Euphorie über die new economy im Investment Banking wie sie im letzten Jahr ihren Höhepunkt erreicht hat". Dem Verwaltungsrat sei das Projekt "mit völlig falschen Vorzeichen" und "falschen Preisetiketten" präsentiert worden. Die Liquidation von y-o-u werde langwierig und schwierig.

Neben Fischer und Kaeser wurde auch Hans-Peter Bachmann, Chef des Investmentbanking, entlassen, dem die Bank Unregelmässigkeiten wie Kompetenzüberschreitungen und Verletzung der Buchführungspflichten vorwarf. Das gelte nicht allein für das Internet-Projekt sondern auch für andere Bereiche.

Dass es Unregelmässigkeiten bei Börsengängen am Frankfurter Neuen Markt und am Schweizer New Market gegeben habe, sei aber ausgeschlossen. Die Prüfungen der von Vontobel organisierten Börsengänge der letzten zwei Jahre habe keine Hinweise auf Probleme oder Auffälligkeiten erbracht. "Wir haben keine Leichen im Keller", so Vontobel. Es gebe keine Hinweise auf strafrechtlich relevante Vorgänge. Wer gegen die Gesetze verstossen habe, werde aber angezeigt.

Die Entlassungen führen zu Umbesetzungen in der Geschäftsleitung von Vontobel. Hans-Dieter Vontobel übernimmt das Amt des Verwaltungsrats-Präsidenten der Bank Vontobel, Urs Ernst wird neuer Finanzchef und Beat Nägeli wird neuer Leiter Corporate Finance und Brokerage bei Vontobel, wie es weiter hieß.

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