Liquidität mittelfristig nicht gesichert
Advanced Medien verfehlt revidierte Planzahlen

Der Filmlizenzhändler steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Am Nachmittag wurde der Handel mit Advanced-Aktien vorübergehend ausgesetzt.

dpa/rtr OBERHACHING. Der Filmlizenzhändler Advanced Medien steckt in finanziellen Schwierigkeiten. "Wir sind aber nicht pleite, wir können unsere Rechnungen bezahlen", sagte der Vorstandsvorsitzende Christophe Montague. Mittelfristig sei die Liquidität aber nicht gesichert. Es sei ungewiss, ob das Unternehmen eigenständig überleben könne. Derzeit stehe man in Verhandlungen mit Finanzinvestoren, um sich Liquidität zu beschaffen.

Im Jahr 2000 verfehlte das Unternehmen selbst die bereits drastisch nach unten korrigierte Umsatzprognose. Statt des erwarteten Gewinns sei außerdem voraussichtlich ein Jahresfehlbetrag in zweistelliger Millionenhöhe erzielt worden, hieß es. Der Handel mit Advanced-Aktien wurde am Freitagnachmittag vorübergehend ausgesetzt.

Einige Abnehmer seien in Liquiditätsschwierigkeiten geraten, daher seien Zahlungen ausgeblieben, sagte Montague. Wegen der angespannten Lage auf dem Lizenzmarkt habe man Preisnachlässe gewähren und Stornierungen hinnehmen müssen. Der Jahresumsatz 2000 liege daher voraussichtlich unter dem Umsatz, der offiziell in den ersten neun Monaten (55,1 Mill. DM) erzielt worden war, hieß es. Ursprünglich hatte das Unternehmen für 2000 Erlöse in Höhe von 129 Mill. DM prognostiziert. Ende November wurde das Ziel dann auf nur noch 70 Mill. DM gesenkt. Dieser Wert wurde nun ebenso deutlich verfehlt wie der Umsatz aus dem Jahr 1999 (65,7 Mio DM). Endgültige Zahlen könnten erst Ende März bekannt gegeben werden, hieß es.

Verkaufsprobleme im TV-Lizenzhandel

Der Konzern begründete die Schwierigkeiten vor allem mit Verkaufsproblemen im TV-Lizenzhandel im deutschsprachigen Raum. Diese seien auf den Konzentrationsprozess in der deutschen Fernsehlandschaft sowie die Dominanz neuer TV-Formate wie beispielsweise Quiz-Shows zurückzuführen. Rückblickend hätten sich einige Preise, die Advanced für Lizenzen gezahlt habe, auch wegen der Dollar-Entwicklung als zu hoch erwiesen, räumte Montague ein.

Ende 2000 hatte sich die Dortmunder e-m-s New Media AG mit 24,7 % an Advanced Medien beteiligt. Eine Aufstockung ist geplant. Daran ändere sich auch angesichts der jüngsten Entwicklung nichts, sagte eine Advanced-Sprecherin.

Montague kündigte weiter an, dass die Gesellschaft ihre Planzahlen für das laufende Geschäftsjahr 2001 revidieren werde. Nähere Angaben wollte er dazu nicht machen. Er sagte lediglich, Advanced Medien habe für das laufende Jahr eigentlich einen Umsatz von 198 Millionen DM und "gute Gewinne" erwartet.

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