Liquidität sei weiterhin gesund
Daimler stellt sich Bedenken über Liquidität entgegen

Daimler-Chrysler hat nach Angaben von Analysten Bedenken von Branchenexperten im Zusammenhang mit einer sinkenden Liquidität des Konzerns zurückgewiesen. Finanzvorstand Manfred Gentz sagte am Mittwochabend in Detroit auf einer Analystenkonferenz nach Angaben von Teilnehmern, die Liquidität von Daimler-Chrysler sei "sehr stark und sehr gesund".

Reuters DETROIT. Trotz der großen Investitionen sei die Nettoliquidität im Industriebereich immer noch ausgeglichen. Es gebe keinen Grund, wesentliche Investitionen zu verschieben. Daimler-Chrysler habe auch keine Probleme, seine Dividende zu finanzieren, sagte Gentz den Analystenäußerungen zufolge. Der Konzern will heute nach Händlerangaben Anleihen über etwa sieben Mrd. $ begeben.

Daimler-Chrysler - Intraday-Chart

Über die Höhe der Ausschüttung an die Aktionäre wollte sich Gentz gegenüber den Analysten nicht konkret äußern. Er verwies nur auf die Gepflogenheit einer "stabilen Dividendenpolitik" bei DaimlerChrysler. Für 1999 hatte Daimler 2,35 Euro je Aktie an die Aktionäre gezahlt. Vorher hatte der Finanzchef eingeräumt, dass die Nettoliquidität im Industriebereich des Autokonzerns seit September auf Null von zuvor sechs Mrd. Euro gefallen ist. Die Bruttoliquidität sei auf zwölf von 14,8 Mrd. Euro zurückgegangen. Daimler-Chrysler rechnet wegen der Verluste bei Chrysler nach früheren Angaben für das vergangene Jahr in etwa mit einer Halbierung des Betriebsgewinns auf fünf bis 5,5 Mrd. Euro. Daimler hatte 2000 unter anderem einen 34-Prozent-Anteil an dem japanischen Autohersteller Mitsubishi Motors gekauft.



Mittelfristige Sanierung

Zur Sanierung der US-Tochter Chrysler sagte deren neuer Chef Dieter Zetsche, diese sei mittelfristig ausgelegt. Nach Angaben von Analysten sagte Zetsche, der Restrukturierungsplan, der wohl am 26. Februar präsentiert werden soll, habe eine "langfristige Perspektive". Einige Analysten sagten, sie hielten dies für eine Warnung, dass es mehrere Jahre dauern werde, bis Chrysler wieder in die Gewinnzone zurückkehren könne. Allein im vierten Quartal wird bei Chrysler mit einem Verlust von 1,25 Mrd. $ gerechnet, doppelt so viel wie im dritten Quartal.

Analysten äußerten nach der Konferenz mit Zetsche die Ansicht, Chrysler werde dem Plan zufolge möglicherweise enger mit Mitsubishi zusammen arbeiten. Der neue Chrysler-Chef habe eine Reise nach Tokio für kommende Woche in Aussicht gestellt. Dort sollten mögliche Projekte besprochen werden. Teilnehmer sagte, sie hätten den Eindruck gewonnen, Zetsche habe bereits konkrete Vorstellungen über eine Kooperation, wolle darüber aber noch nicht sprechen. Daimler-Chrysler hatte bereits angekündigt, über einen Austausch von Komponenten, gemeinsame Vermarktung und sogar gemeinsame Plattformen mit Mitsubishi nachzudenken. Einer Aufgabe der Pkw-Produktion bei Chrysler habe Zetsche erneut eine Absage erteilt, hieß es.



Zetsche gegen "Defensivstrategie"

Branchenexperten hatten vorgeschlagen, Chrysler solle sich auf die Produktion von Geländewagen ("Jeep") beschränken. Dies wäre eine Defensivstrategie, habe Zetsche gesagt. Das neue Werk in Toledo im US-Bundesstaat Ohio, in dem der neue "Jeep Liberty" produziert werden soll, wird Chrysler-Vertretern zufolge unter anderem durch den Einsatz von Mercedes-Technik um 25 % effizienter fertigen als das benachbarte, bestehende Werk für den Vorgänger "Cherokee". Vor allem die Flexibilität des neuen Werkes, in das Daimler eine Milliarde $ investiert hat und in dem pro Jahr bis zu 210 000 Fahrzeuge im Zweischicht-Betrieb vom Band laufen, sei deutlich höher.

Nach Angaben von Anleihenhändlern wird Daimler-Chrysler noch am Donnerstag in den USA Dollar- und Euro-Anleihen über etwa sieben Mrd. $ (14 Mrd. Euro) begeben. Dies sei die größte Unternehmensanleihe, seit British Telecom Anfang Dezember Anleihen über zehn Mrd. $ begeben hatte. Das Volumen sei um drei Mrd. $ größer als ursprünglich geplant, sagten Händler in New York. Daimler-Chrysler wird nach Einschätzung von Analysten für die Notes wahrscheinlich Zinsen zahlen müssen, die um etwa einen halben Prozentpunkt über den Zinsen der in der vergangenen Woche ausgegebenen Anleihen von GM lägen. An Markt werde die Kreditqualität von Daimler offenbar geringer eingeschätzt als der anderer Autokonzerne, obwohl der Konzern die gleichen Kreditratings besitzt, sagte Analyst Marvin Behm von der Ratingagentur Fitch.

Die Aktie von Daimler-Chrysler erholte sich am Donnerstag leicht und notierte in Frankfurt mit 45,00 Euro um 0,8 % über dem Vortagsniveau. Am Mittwoch war die Aktie um rund 4,4 % auf 44,64 Euro eingebrochen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%