Liquiditäts-getriebener Börsenanstieg möglich
Die Finanzmärkte schwimmen in Liquidität

Die Finanzmärkte schwimmen in Liquidität. Doch Anleger lenken ihre Barreserven bislang eher in Geldmarktfonds und Anleihen als in Aktien. Das dürfte sich ändern, sobald die Börsen einen Boden finden. Dann könnte ein plötzlicher Kursanstieg einsetzen, meinen Experten. Unklar sind aber Zeitpunkt und Ausgangsbasis einer solchen Rally.

DÜSSELDORF. Positive Argumente für die Entwicklung der Börsen zu finden, fällt derzeit schwer. Die Unternehmensgewinne brechen weiter ein, die politischen und konjunkturellen Risiken scheinen so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Doch ein Faktor spricht trotz allem für die Aktienmärkte: die historisch hohe Liquidität des weltweiten Finanzsystems.

"Die enorm steigende Liqudität allein wird zwar kaum eine Kurserholung auslösen, aber sie verringert zumindest die Gefahr weiterer Verluste", meint Matthew Merritt, Chefstratege der Investmentbank Salomon Smith Barney (SSB), in seiner jüngsten Studie. Bislang parken viele Investoren überschüssiges Geld zwar lieber in Geldmarktfonds und Anleihen statt in Aktien. Doch die kräftigen Kursanstiege der vergangenen Tage könnten anzeigen, dass manche Anleger bereits wieder an die Börsen zurückkehren.

Liquidität - das ist, grob gesagt, Geld, das kurzfristig verfügbar ist und nicht sofort für den Kauf und Verkauf von Gütern gebraucht wird. Diese überschüssigen Reserven müssen irgendwo "zwischengelagert" werden. In der Vergangenheit haben Anleger dazu häufig den Aktienmarkt angesteuert. Ein starkes Liquiditätswachstum ging daher oft - aber leider nicht immer - einher mit einer Kursrally an den Börsen, wie eine Auswertung des Salomon-Strategieteams ergab.

Hinter dem aktuellen 20-Jahres- Hoch beim Anstieg der weltweiten Barreserven steckt die gelockerte Geldpolitik der Notenbanken. So senkte das US- amerikanische Fed bereits neunmal die Zinsen, auch die Bank of Japan pumpt kräftig frisches Geld in die Finanzmärkte, und die Europäische Zentralbank (EZB) kappte nach den US-Terroranschlägen ebenfalls ihre Geldsätze. Gleichzeitig blieb die Inflation bislang niedrig, so dass das Geldmengenwachstum nicht durch Preissteigerungen wieder aufgefressen wird. Und schließlich bewirkt die weltweite Konjunkturschwäche, dass weniger Geld für den realen Güteraustausch gebraucht wird - auch das treibt die überschüssige Liquidität nach oben.

Derzeit meiden allerdings viele Anleger die Aktienmärkte weil die Kurse schon seit anderthalb Jahren abwärts trudeln. Doch sobald sich ein Ende der Baisse abzeichnet, stehen enorme Mittel zur Verfügung, die schnell wieder an die Aktienmärkte fließen könnten.

Experten rechnen mit Kurssprung

"Das würde massive Kursbewegungen auslösen", sagt Fondsmanager Johannes Day vom DIT, der Fondsgesellschaft der Dresdner Bank. Peter Oppenheimer, Chefstratege des britisch-asiatischen Bankriesen HSBC, erwartet einen Kurssprung um 30 %.

Ein liquiditäts-getriebener Börsenanstieg dürfte abrupt und heftig ausfallen. So war es bereits Anfang des Jahres, als US-Notenbankchef Alan Greenspan überraschend die Zinsen senkte: Anleger, die zuvor die Börse gemieden oder gar auf fallende Kurse spekuliert hatten, wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Sie kauften massiv Aktien, um den Aufschwung nicht zu verpassen und bescherten den Börsen einen Monat lang kräftige Zuwächse.

Ungeklärt bleiben jedoch zwei heikle Fragen: Wann beginnt die Rally, und auf welchem Niveau startet sie? So erwartet HSBC-Stratege Oppenheimer, dass die Börsen in Europa und den USA zunächst noch einmal zurückfallen, bevor sie in der ersten Hälfte 2002 zu einer Erholung ansetzen.

"Letztlich stellt die günstige Liquiditätslage nur einen von vielen Faktoren dar, welche die Aktienkurse beeinflussen", betont Khuram Chaudhry, Europastratege der Investmentbank Merrill Lynch, "man sollte die fundamentalen Daten nicht ignorieren". Auch im Januar stoppten schlechte Konjunkturmeldungen und stark fallende Unternehmensgewinne die Zwischenrally.

Merrill-Experte Chaudhry beobachtet mehrere Stimmungs-Indikatoren, die Aussagen zur künftigen Börsenentwicklung liefern, darunter auch die durchschnittliche Cashquote europäischer Fondsmanager. "Eine steigende Cashquote bei den Fonds geht oft mit steigenden Kursen einher", sagt Chaudhry. Denn je höher die Barbestände der Aktienprofis sind, desto mehr Geld steht ihnen für Aktienkäufe zur Verfügung. Im September sind die Cashquoten europäischer Fondsmanager gestiegen - allerdings von einem niedrigen Niveau aus. Chaudhry wertet dies als leicht positives Zeichen für die kurzfristige Börsentendenz.

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