Liquiditätsengpass soll abgewendet werden
Bemühungen zur Rettung von Mobilcom laufen auf Hochtouren

Einen Tag vor Auslaufen einer Zahlungsfrist über 4,7 Milliarden Euro UMTS-Schulden sind am Mittwoch die Bemühungen zur Rettung des Mobilfunkanbieters Mobilcom in eine entscheidende Phase gegangen.

Reuters BERLIN. In Berlin trat der Aufsichtsrat zusammen, um sich nach Angaben aus Unternehmenskreisen über den Stand der Verhandlungen mit Noch-Großaktionär France Telecom informieren zu lassen. Parallel dazu liefen bei der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und im Kieler Wirtschaftsministerium Verhandlungen zur Abwendung der Zahlungsunfähigkeit von Mobilcom. Zudem seien am Rande des Aufsichtsratstreffens noch Beratungen mit der Bundesregierung geplant, verlautete aus Unternehmenskreisen.

Die "Financial Times Deutschland" berichtete darüber hinaus am Mittwoch, Mobilcom werde in Kürze zur Abwendung der Zahlungsunfähigkeit 100 Mill. Euro von einem Bankenkonsortium erhalten. Zu diesem gehörten neben der KfW die Landesbank Kiel sowie die beiden Mobilcom-Hausbanken Deutsche Bank und Dresdner Bank. Weder Mobilcom noch die KfW wollten sich dazu nicht detailliert äußern. An der Börse legten die Mobilcom-Aktien rund 4,7 Prozent auf 5,20 Euro zu.

Kreise: FT macht Lösung von "deutschem Beitrag" abhängig

Aus Unternehmenskreisen verlautete zum Auftakt der Aufsichtsratssitzung, Thema des Treffens sei die Abwendung eines kurzfristigen Liquiditätsengpasses. Es würden jedoch noch keine Entscheidungen erwartet, sagte ein Aufsichtsratsmitglied zu Reuters. Aufsichtsrat Dieter Vogel hatte in den vergangenen Wochen mit France Telecom über eine Übernahme der Mobilcom-Schulden von 5,8 Mrd. Euro verhandelt, wozu sich die Franzosen bereits im Grundsatz bereit erklärt haben. Dem Vernehmen nach macht France Telecom die zugesicherte Übernahme der fälligen Schulden für den UMTS-Mobilfunk von Mobilcom jedoch davon abhängig, dass die Banken und der deutsche Staat einen Beitrag zur Abwendung einer Insolvenz von Mobilcom leisten.

Bei der KfW und im Kieler Wirtschaftsministerium hieß dazu, es liefen Verhandlungen und man sei zuversichtlich, eine Lösung herbeizuführen. Die LB Kiel hat bereits ihre Bereitschaft erklärt, ein Viertel der auf die Landesbank im Rahmen des von der Bundesregierung vermittelten Kreditpakets entfallenden 80 Millionen Euro in Form einer Bürgschaft vorzuziehen.

Kreise: Auch Treffen mit Tacke geplant

Informationen aus Unternehmenskreisen zufolge waren in Berlin auch Beratungen mit Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke (SPD) geplant, die am Rande der Aufsichtsratssitzung geführt werden könnten. Unter Vermittlung des damaligen Wirtschaftsministers Werner Müller (parteilos) war Mobilcom im September unmittelbar vor der Bundestagswahl eine Finanzhilfe durch die KfW und die LB Kiel über insgesamt 400 Mill. Euro zur Abwendung der damals schon drohenden Insolvenz zugesagt worden. Davon hat die staatliche Förderbank KfW 50 Mill. Euro als Soforthilfe bereits überwiesen. Vor Auszahlung der restlichen Summe sollte das Sanierungskonzept der Firma jedoch auf seine Tragfähigheit geprüft werden.

Mobilcom-Analyst Robert Vinall von der DZ Bank rechnet indes damit, dass die am 31. Oktober endende Rückzahlungsfrist für die Milliarden-Verbindlichkeiten erneut verschoben wird. Es gebe weiterhin Probleme mit der geplanten Treuhänderschaft des Aktienpakets von Mobilcom-Großaktionär und Firmengründer Gerhard Schmid. Zudem habe Mobilcom Verbindlichkeiten bei E-Plus, die sich Branchenangaben zufolge auf rund 600 Mill. Euro summieren. Dadurch werde eine Lösung der Schuldenfrage verhindert, was am Markt mit Enttäuschung aufgefasst werde, erklärte der Analyst.

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