Liquiditätsprobleme sind überwunden
Adva erwartet dieses Jahr schwarze Zahlen

Der Telekom-Ausrüster Adva AG Optical Networking will selbst bei mäßig steigenden Umsätzen im laufenden Jahr operativ wieder schwarze Zahlen schreiben.

Reuters MARTINSRIED. Bei einem Umsatz von 92 bis 96 (Vorjahr 90,0) Millionen Euro könne der Spezialist für Unternehmens- und Stadt-Glasfasernetze ein ausgeglichenes Pro-forma-Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) schaffen, sagte Vorstandschef Brian Protiva am Mittwoch in Martinsried bei München.

Netzbetreiber und Unternehmen würden 2002 wohl erneut weniger in Telekommunikation investieren. Eine exakte Umsatzprognose wollte Protiva nicht wagen. Dreistellige Millionen-Abschreibungen auf Firmenwerte drückten Adva im vergangenen Jahr noch tiefer in die Verlustzone. "Unser Fehler war, dass wir zu viel investiert und die zu erwartenden Umsätze überschätzt haben", räumte Protiva ein. Existenzsorgen habe das im Auswahlindex Nemax 50 des Neuen Marktes gelistete Unternehmen indes nicht mehr.

Werksschließung in England belastet Ergebnis

Der nach US-Bilanzierungsregeln ausgewiesene Fehlbetrag sei im vergangenen Jahr auf 116,4 (92,4) Millionen Euro gestiegen, teilte Adva mit. 81 Millionen Euro davon entfielen auf das im September geschlossene Werk im englischen Cambridge, das ein Jahr zuvor mit Area Storage Networks übernommen worden war. Area Storage sei der einzige Fehler unter den vier Akquisitionen seit dem Börsengang gewesen, sagte Protiva. Sie hätten auf Basis des derzeitigen Aktienkurses nur zwölf Millionen Euro gekostet.

56,5 Millionen Euro schrieb Adva im vergangenen Jahr zusätzlich auf die Firmenwerte und den Goodwill der vier Firmen ab. Nach den neuen US-GAAP-Regeln fielen die Abschreibungen 2002 aber bis auf acht Millionen Euro weg, sagte Finanzchef Andreas Rutsch. Der operative Verlust ohne Sonderfaktoren sank auf 5,6 (8,7) Millionen Euro. Im vierten Quartal habe Adva auf dieser Basis 200.000 (11,4 Millionen) Euro Verlust hinnehmen müssen.

Großaktionär JDS will aussteigen

Die Liquiditätssorgen, die Mitte 2001 bestanden, seien nun kein Thema mehr, sagte Finanzchef Rutsch. Bis auf 2,4 Millionen Euro waren die flüssigen Mittel damals aufgebraucht, ehe Großaktionär Egora sieben Millionen Euro frisches Kapital zuführte. Seit Ende 2001 seien die flüssigen Mittel auf 12,8 von 7,4 Millionen Euro aus dem laufenden Geschäft gewachsen. "Wir sind kerngesund", so Protiva. Eine weitere Kapitalerhöhung sei möglich, aber nicht kurzfristig. "Wir haben keinen Druck", fügte der Adva-Chef an. Egora habe seine Beteiligung an Adva zuletzt auf 29,6 von 31,7 Prozent abgebaut. Der zweite Großaktionär JDS Uniphase werde in den kommenden zwei bis drei Jahren wohl aussteigen, wolle aber erst auf höhere Kurse warten, sagte Rutsch.

Adva habe seinen Umsatz 2001 um 51 Prozent erhöht, obwohl Netzbetreiber und Unternehmen in der Flaute ihre Investitionen gekürzt hätten, sagte Protiva. Mit 90,0 Millionen Euro verfehlte Adva seine ursprünglichen Erwartungen von 110 bis 120 Millionen Euro deutlich. Für das erste Quartal 2002 rechnet der Adva-Chef mit 20 bis 25 (2001: 18,1) Millionen Euro. 69 Prozent der Umsätze kamen 2001 aus Europa, ein Jahr zuvor waren noch 60 Prozent in die USA gegangen. Am rund 800 Millionen Dollar schweren Markt für Glasfasernetze habe Adva neun Prozent Anteil. "Im direkten Wettbewerb mit Nortel gewinnen wir fast jedes Projekt", sagte Protiva weiter. Früchte trage auch die Partnerschaft mit Siemens.

Die im Auswahlindex Nemax50 notierte Aktie gab bis zum Nachmittag am Neuen Markt um 3,8 Prozent auf 3,85 Euro nach.

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