Liste der Interessenten ist offenbar lang
Rennstall zu verkaufen

Vielleicht bleibt Jaguar unter anderem Namen doch in der Formel 1 - es gibt offenbar Interessenten, die das Team übernehmen wollen.

BERLIN. Ralf Schumacher schwante schon Böses. "Dann stehen ja im nächsten Jahr drei Ferrari-Piloten auf dem Siegerpodest." Nachdem bekannt wurde, dass Jaguar aus der Formel 1 aussteigt, wurde viel darüber spekuliert, wie die Rennserie im kommenden Jahr aussehen könnte. Durch den Ausstieg des hinter Jaguar stehenden Ford-Konzerns wäre nämlich eine Voraussetzung des Vertrags zwischen den Teams und dem Automobil-Weltverband (Fia) nicht mehr erfüllt: Es müssen mindestens 20 Autos an den Start gehen. Ohne die grünen Wagen wären es aber nur noch 18. Eine Lösung wäre, dass die großen Rennställe wie Ferrari künftig drei statt zwei Autos ins Rennen schicken. Noch aber muss der künftige Toyota-Pilot Ralf Schumacher seine Hoffnungen auf Podiumsplätze nicht aufgeben.

Denn es gibt potenzielle Käufer für das Jaguar-Team. Red Bull, die Bank HBSC, der koreanische LG-Konzern, General Motors, kanadische Stahl-Industrielle - die Liste ist lang. Zumindest, wenn man den Gerüchten glaubt, die in der Formel 1 nicht einfach von den ernsthaften Informationen zu unterscheiden sind. Dabei rät etwa Niki Lauda davon ab, dem Ford-Konzern den Rennstall abzunehmen, bei dem er vor gut zwei Jahren noch in der Führungsspitze vertreten war. "Ich würde ihn nicht kaufen", sagt der frühere Formel-1-Weltmeister. "Neben dem Kaufpreis müssten da pro Jahr mindestens 100 Millionen Dollar investiert werden - und das für hintere Mittelfeldplätze. Außerdem laufen da schon die Mitarbeiter davon." Jaguar-Pilot Mark Webber streitet das ab. "Alle wollen gerade jetzt zeigen, was in der Truppe steckt", sagt er. "Aber natürlich müssen sich die Leute orientieren, was es für Möglichkeiten gäbe, wenn hier es tatsächlich nicht weitergeht. Wenn sich ein Käufer findet, würden die allermeisten sicherlich bleiben."

Als Favorit im Poker um den Rennstall gilt der österreichische Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz. Angeblich wird er dabei vom General-Motors-Konzern unterstützt. Mateschitz träumt seit Jahren von einem "All American Team". Da Formel-1-Chef Bernie Ecclestone ein reges Interesse daran hat, sein Produkt in den USA besser zu etablieren, kommt ihm dieses Vorhaben gerade recht. Er soll bereits den Kontakt zum amerikanischen Automobilgiganten General Motors hergestellt haben, auch wenn dies der stellvertretende GM-Vorstandschef Bob Lutz noch dementiert. Aber Mateschitz hat noch eine andere, durchaus realistische Möglichkeit. Er könnte sich mit Christian Horner, dem Chef des Formel-3000-Teams Arden, zusammentun. Auch der will schon seit einiger Zeit in die Formel 1.

Dagegen ist eine Übernahme Jaguars durch das italienische Team Dallara wohl endgültig vom Tisch. Der Rennstall mit Formel-1-Tradition will seinen geplanten Wiedereinstieg in die höchste Rennklasse anscheinend doch alleine durchziehen. Die Gerüchte mehren sich, dass demnächst das Team für 2006 schon jetzt am Wochenende beim Grand Prix von Japan vorgestellt werden soll. Dann wären es doch 20 Autos, und Ralf Schumacher könnte wieder ruhig schlafen.

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