Lizenz-Ängste des 1. FC Kaiserslautern
Das große Leiden in der Pfalz

Erwin Saile liebt seine Heimat. Die Wälder um Kaiserslautern, die kulinarischen Errungenschaften der Pfalz und natürlich den Fußball des Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern. Von seinem Arbeitsplatz im Rathaus aus hat der Geschäftsführer der Stadion GmbH und WM-Koordinator der Stadt alles im Blick. Der FCK ist für Saile so etwas wie eine Versicherung, dass das Leben in der Westpfalz weitergeht. Derzeit aber muss Saile schwer leiden.

KAISERSLAUTERN. "Für die Stadt und die Region wäre der Abstieg eine Katastrophe, da hängen viele Arbeitsplätze dran", sagt er. Nicht nur, weil die Stadt, die für 48,3 Millionen Euro dem maroden Klub das Fritz-Walter-Stadion abkaufte, dann um die jährliche Stadionmiete von 3,2 Millionen Euro fürchten müsste.

Kaiserslautern wartet auf Post der Deutschen Fußball-Liga (DFL) mit den Lizenzunterlagen für die nächste Saison. In der Pfalz hat das große Zittern eingesetzt. Für die Erste Liga wäre die Lizenz laut Klubchef René C. Jäggi wegen der höheren Fernsehgelder gesichert. Mindestens 13,5 Millionen Euro müsste der derzeitige Tabellen-15. einsparen, um für die Zweite Liga eine Lizenz zu bekommen. Mit mehr als acht Millionen Euro Verlust rechnet Jäggi für die laufende Spielzeit und sagt: "Sollten wir absteigen, ist die Lizenz in Gefahr." Ob der Schweizer nur Drohungen ausspricht, um neue Kräfte frei zu machen, oder ob er die Wahrheit verkündet, weiß keiner. Jäggi arbeitet gerne mit Horrorszenarien, um sich später als Retter feiern zu lassen. Einen Zwangsabstieg jedenfalls in die Regionalliga würde der Klub kaum überstehen.

Auch im schlimmsten Fall, das hat der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck signalisiert, werde er den WM-Spielort Kaiserslautern sichern. "Es wäre enorm wichtig, dass der FCK bis zur WM in der Bundesliga spielt", sagt Koordinator Saile. "Über den FCK läuft die Identifikation mit der WM."

Vermutlich wird die DFL grundlegende Nachbesserungen verlangen und dann doch die Lizenz erteilen. Der Klub allerdings wäre zu einem Verlustgeschäft gezwungen. Die Verträge von acht Spielern müssten aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt werden. Profis wie Tim Wiese, Christian Timm und Ciriaco Sforza könnten ablösefrei gehen. "Die Gehälter sind für den Klub in der Zweiten Liga nicht mehr zu bezahlen", sagt Jäggi und schiebt die Verantwortung der ehemaligen Führung um Jürgen Friedrich zu. Der stattete die Profis mit überzogenen Verträgen aus. Allein Timm kassierte seit 2002 fast vier Millionen Euro.

Für Jäggi selbst wird die Situation immer schwieriger. Er hat zusammen mit dem ehemaligen Trainer Erik Gerets zahlreiche Fehleinkäufe zu verantworten. Im Sommer will er gehen. Dann soll sich ein anderer um die vielen ungelösten Probleme kümmern.

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