Lizenzen sollen zurückgegeben werden
Arthur Andersen am Ende

Mit einem Schuldspruch endet die nahezu 90-jährige Geschichte der Arthur Andersen LLP. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft teilte direkt nach Verkündung des Schuldspruches mit, sie werde voraussichtlich bis zum 31. August ihre verbliebenen Kunden auf andere Prüfungsgesellschaften übertragen.

vwd CHICAGO. Danach sollen die Lizenzen von Arthur Andersen zurück gegeben werden, hieß es weiter. Am Samstag war das Unternehmen von einem Geschworenengericht in Houston für schuldig befunden worden, staatsanwaltliche Untersuchungen im Zusammenhang mit der Enron Corp, Houston, behindert zu haben.

Damit wurde erstmals in der US-Geschichte ein komplettes Unternehmen für schuldig befunden. Zugleich machten die Geschworenen deutlich, dass Arthur Andersen damit seine langjährige Reputation als solide Prüfungsgesellschaft verloren habe. "Andersen galt auf dem Gebiet der Wirtschaftsprüfung als Bastion amerikanischer Integrität", kommentierte der Jury-Vorsitzende Oscar Criner. Es gebe daher keinen Grund zum Jubilieren. Die Jury hatte es für erwiesen gehalten, dass Andersen der Justiz Unterlagen zum Fall der insolventen Enron vorenthalten habe. Dabei seien auch Dokumente vernichtet worden.

Das Strafmaß soll am 11. Oktober verkündet werden. Es droht Andersen eine Strafe von bis zu 500 000 $. Die zwölfköpfige Jury fällte ihr Urteil nach zehntägigen Beratungen einstimmig. Der Anwalt von Andersen, Rusty Hardin, hat unterdessen Rechtsmittel gegen das Urteil angekündigt. Die Geschworenen hätten nicht "die ganze Wahrheit" der Ereignissse des vergangenen Herbstes zur Kenntnis nehmen können, da noch während des Verfahrens Untersuchungen des Justizministeriums liefen. Eine lückenlose Verteidigung sei daher unmöglich gewesen. Arthur Andersen kritisierte zudem die Entscheidung der US-Regierung, juristisch gegen Andersen vorzugehen. Andersen beschuldigte die US-Regierung, sie habe ihrer moralischen Verpflichtung nicht genügt, indem sie mit dem Unternehmen Arthur Andersen zugleich dessen 26 000 Mitarbeiter vor Gericht gebracht habe. Das Unternehmen habe mit den Regierungsbehörden stets vollständig und freiwillig kooperiert. Eine außergerichtliche Einigung zwischen Arthur Andersen und dem US-Justizministerium als oberster Strafverfolgungsbehörde war zuvor gescheitert, da die Gesellschaft sich geweigert hatte, ein schuldhaftes Vorgehen einzugestehen. Die Gesellschaft fürchtete, durch ein solches Eingeständnis ihre Chancen in zwei anhängigen Zivilverfahren zu mindern. Bis zur Affäre um Rechnungslegungspraktiken beim US-Energierhändler Enron zählte Andersen zu den fünf größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt. In Folge des Skandals um Enron und deren Insolvenz hat Andersen rund 700 Kunden seiner insgesamt 2 300 Klienten verloren. Auch der größte der Teil des Auslandsgeschäftes musste aufgegeben wurden - die meisten Auslandsgesellschaften wurden vom Wettbewerber KPMG übernommen.

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