Lizenzhandel soll an Bedeutung gewinnen
Gatrixx will mit Rumpfgeschäft die Flaute aussitzen

Der Einbruch im Online-Werbemarkt hat auch bei Gatrixx Spuren hinterlassen. In den vergangenen Monaten wurden daher Internetangebote zusammengefasst, Projekte wie Web-TV aufgegeben und zahlreiche Mitarbeiter entlassen. Gleichzeitig verstärkte der Anbieter von Finanzinformationen im Internet seine Anstrengungen im Lizenzhandel. Gatrixx tritt damit auch mit diesem Geschäftszweig noch stärker in Konkurrenz zu Onvista.

jgo DÜSSELDORF. "Das Anzeigengeschäft ist sehr hart geworden", sagt Technik- und Vertriebsvorstand Uwe Frers im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Wenn der Markt weiter so stagniert, werden wir einen Einbruch in den Bilanzen verkraften müssen." Im abgelaufenen Geschäftsjahr machten die Werbe-Einnahmen mehr als die Hälfte des Umsatzes aus. In diesem Jahr soll sich der Anteil unter der Voraussetzung, dass sich die Lage im dritten Quartal bessert, um 40 Prozent bewegen. Denn auch teurere Werbeformen wie Permission Marketing, das auf dem Einverständnis der Nutzer beruht, werden nach Auffassung von Frers die Verluste nur zu einem Teil ausgleichen können.

Um die Abhängigkeit von der unsicheren Einnahmequelle zu reduzieren, hat Gatrixx sich in den vergangenen Monaten personell im Lizenzgeschäft verstärkt und in anderen Bereichen die Ausgaben stark zurückgefahren. Umsätze im siebenstelligen Bereich erwartet das Unternehmen aus neuen Vereinbarungen, die Unternehmensangaben zufolge mit der BHF-Bank, Living Net Media und dem Portal Nexgo erzielt werden konnten. Bestehende Vereinbarungen mit den Direktbrokern Consors und Pulsiv seien zudem ausgeweitet worden. Frers rechnet damit, dass der Lizenzhandel im laufenden Geschäftsjahr bereits 40 Prozent der Erlöse ausmachen wird. 20 Prozent der Einnahmen sollen durch E-Commerce erwirtschaftet werden. Zum Umsatz macht das nicht börsennotierte Unternehmen keine genauen Angaben. Laut Frers wird er "sicherlich im zweistelligen Millionenbereich" liegen.

Was vom Angebot übrig blieb

In den vergangenen Monaten hat Gatrixx sein Internetangebot radikal zusammengestrichen. Die zuvor selbstständigen Internetangebote Gatrixx, Instock und Finanztreff firmieren mittlerweile unter einer Adresse, im Januar wurde der Web-TV-Tochter Gatrixx Internet Television der Geldhahn abgedreht. Neben Gatrixx-Finanztreff blieben nur noch Internet.com und die Frauenfinanzseite im Angebot. "Die Restrukturierung ist abgeschlossen", sagt Frers. "Unser Businessplan ist jetzt realistisch; die ersten drei Monate lagen komplett im Plan. "

25 Redakteure arbeiten nach Unternehmensangaben inzwischen noch für das 1998 in Berlin gegründete Unternehmen und erstellen ein Kernangebot, das aus zwei Tagesmeldungen, Marktberichten, Analysen und Kommentaren besteht. Die Nachrichten lässt Gatrixx mittlerweile ungefiltert und unbearbeitet direkt von Agenturen auf die Seite fließen. "An das klassische News-Geschäft sind wir nicht heran gekommen, und wir haben festgestellt, dass wir unsere eigenen Inhalte gut weiter vermarkten können", erklärt Frers.

Auch das Service-Angebot wurde ausgedünnt. Die Abfrage kostenloser Real-Time-Kurse, die Finanztreff zum Start hohe Aufmerksamkeit gesichert hatten, wurde auf 1000 pro Tag begrenzt. Frers schätzt den daraus resultierenden Reichweitenverlust des Portals auf 5 Prozent.

Wettkampf der Portale

In den kommenden Monaten habe Gatrixx gute Chancen, mit seinem Portal die Marktführerschaft zurückzuerobern, glaubt Frers. "Mein Ziel ist es, die Reichweitenführung zu erlangen und an Onvista vorbeizuziehen."
Im März kam Gatrixx auf insgesamt 53,1 Millionen Abfragen; Onvista verbuchte 60,7 Millionen.

Im Lizenzhandel liege Onvista dagegen noch weit in Führung. "Wir haben sicherlich noch nicht eine Stellung wie Onvista im B2B-Geschäft erreicht", urteilt Frers. Schnell ändern wird sich an der Rangordnung auch nichts, denn laut Frers zeige die Erfahrung, "dass zwischen Kundenanbahnung und Projektabschluss 3 bis 6 Monate vergehen".

In den nächsten Monaten werde es zu einer Marktbereinigung kommen. Vor allem kleinere Unternehmen ohne starken Partner oder ohne starke Marke im Hintergrund würden aus dem Markt gedrängt, prognostiziert Frers.

Die schlechte Verfassung der Märkte hat einen Börsengang von Gatrixx in weite Ferne gerückt. Das Unternehmen, an dem die Internetholding United Internet mit 26,13 Prozent beteiligt ist, habe "aktuell keine Börsenpläne", versichert Frers, sei aber auch nicht auf einen IPO angewiesen. "Wir sind bis zum Break-even, den wir im ersten Halbjahr 2002 erreichen werden, durchfinanziert."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%