LKA: Keine heiße Spur
Bekennerschreiben zu Dresdner Kofferbombe

In einem Bekennerschreiben hat eine bislang unbekannte kaukasische Organisation die Verantwortung für die am 6. Juni im Dresdner Hauptbahnhof noch rechtzeitig entdeckte Kofferbombe übernommen.

dpa DRESDEN. Wie das sächsische Landeskriminalamt (LKA) am Samstag mitteilte, ging am Freitag beim Axel-Springer-Verlag in Hamburg ein Selbstbezichtigungsschreiben einer "Kaukasischen Befreiungsfront Abu Achikoba" zu dem geplanten Sprengstoffanschlag ein. Die Polizei bewertete den mit niederländischem Poststempel versehenen Brief am Sonntag noch nicht als heiße Spur.

"Es ist nur ein Hinweis unter vielen, denen wir nachgehen", sagte der Sprecher des LKA Sachsen, Lothar Hofner, der dpa in Dresden. "Über diese Organisation ist bislang nichts bekannt, wir können nur mutmaßen." Erst müsse herausgefunden werden, ob die Gruppe überhaupt existiert. "Erst dann können wir über eventuelle Querverbindungen der potenziellen Attentäter nach Tschetschenien oder anderswohin diskutieren", sagte Hofner.

Unter anderem der Tschetschenien-Konflikt hat im Kaukasus in den vergangenen Jahren zur Bildung von Rebellengruppen geführt, die im Frühjahr teilweise in die US-Liste terroristischer Organisationen aufgenommen wurden.

Mit der vor rund zwei Wochen auf dem Dresdner Hauptbahnhof deponierten Kofferbombe war nach Erkenntnissen der Ermittler tatsächlich ein Anschlag geplant. Der Koffer enthielt 1,6 Kilogramm Sprengstoff auf TNT-Basis und einen Schnellkochtopf sowie Schottersteine zur Erhöhung der Splitterwirkung der Bombe. Nach dem Vorfall hatte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) eine verschärfte Video-Überwachung auf Bahnhöfen veranlasst.

Das Bekennerschreiben ging nach ersten Informationen der "Bild"- Chefredaktion am Freitag bei der Zeitung ein und wurde beim Leserservice in Hamburg geöffnet. Ein Mitarbeiter habe es direkt an die Polizei weitergleitet, sagte "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann.

Auch zu Zeiten der deutschen RAF seien Bekennerschreiben häufig dem Springer-Verlag zugespielt worden, meinte LKA-Sprecher Hofner. Die Beamten schließen nach wie vor weder einen verwirrten Einzeltäter noch eine politisch motivierte Gruppe als Drahtzieher aus.

"Inhaltlich und kriminaltechnisch wird der Brief in Dresden untersucht", sagte Hofner. Das LKA arbeite darüber hinaus mit dem Bundeskriminalamt in Wiesbaden und Interpol zusammen. Das Sendedatum des Briefes werde sich rekonstruieren lassen, sagte er. Über den Umfang des Schreibens wollte Hofner keine Angaben machen.

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