LKW-Hersteller Hino verhandelt mit Scania
Euro-asiatische Allianz der Schwerlaster

Eine Kooperation des größten japanischen Lkw-Herstellers Hino Motors mit Scania könnte nach Einschätzung von Analysten die festgefahrene Situation bei den Anteilseignern des schwedischen Lkw-Bauers auflösen und dem Unternehmen zugleich neue Perspektiven eröffnen.

Reuters TOKIO/FRANKFURT. Am Montag befragte Branchenexperten vertraten die Ansicht, die von der Toyota-Tochter angekündigte Zusammenarbeit mit Scania könnte sowohl eine Übernahme einleiten als auch Signal für eine Allianz unter Einschluss von Volkswagen sein. Toyota wäre finanziell ohne weiteres dazu in der Lage, die bei Scania bis Ende 2003 freiwerdenden Anteile des schwedischen Konkurrenten Volvo zu übernehmen. Auch zum Kauf des gesamten Unternehmens hätte Hino mit Toyota im Rücken die nötigen Mittel.

Die zu 50 Prozent zu Toyota gehörende Hino hatte zuvor mitgeteilt, sie wolle Scania mit Lastwagen und Motoren versorgen. Im Gegenzug solle Scania Schwerlaster liefern und sich an den Entwicklungskosten unter anderem bei umweltfreundlichen Technologien beteiligen.

Zweite europäisch-asiatische Allianz bei Nutzfahrzeugen

Der Zusammenschluss wäre die zweite europäisch-asiatische Allianz im Nutzfahrzeugbereich, nachdem Daimler-Chrysler im vergangenen Jahr seine Verbindung zu Mitsubishi Motors vertieft hat. Scania-Großaktionär Volvo muss sich bis Ende 2003 aus wettbewerbsrechtlichen Gründen von seiner Kapital-Beteiligung über 45 Prozent und seinem Stimmrechtsanteil von rund 30 Prozent bei Scania trennen. Die Europäische Kommission hatte Volvo vor zwei Jahren eine Übernahme von Scania untersagt. Nachdem die Schweden durch den Kauf der Nutzfahrzeugsparte von Renault zur Nummer zwei der Branche aufgestiegen war, fürchteten die Wettbewerbshüter die geballte Markmacht des schwedischen Lkw-Bauers. Seither wird über Volkswagen als möglichem Käufer der Volvo-Anteile spekuliert.

VW ist mit 18,7 Prozent Kapitalanteil und 34 Prozent der Stimmrechte einflussreichster Scania-Aktionär und hält sich ein stärkeres Engagement im Lkw-Geschäft offen. Allerdings schließen die Wolfsburger auch den Verkauf ihrer Scania-Anteile nicht aus. Hinzu kommt, dass für den drittgrößten Scania-Aktionär, die Familie Wallenberg, Ende März eine Verkaufssperre ausläuft.

Analysten: Neue Option für Volkswagen

Erik Burgold von der BHF-Bank sagte, für VW ergebe sich eine neue Option dadurch, dass Hino als potenzieller Käufer in Frage komme. Bisher sei Toyota allerdings nicht als entschiedener Akquisiteur aufgetreten, sondern denke bei seinen Kooperationen in längeren Zeithorizonten. Dabei komme es dem Unternehmen oft zunächst auf eine Annäherung der Kulturen an.

Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sagte, die von Hino angekündigte Zusammenarbeit könne im Extremfall zur Übernahme von Scania führen. Allerdings sei auch eine ganz normale Kooperation möglich. Für die festgefahrene Situation bei Scania wäre ein stärkeres Engagement von Hino ein willkommener Ausweg. Pieper sagte, weiterhin denkbar sei auch eine Allianz von Scania, VW und dem deutschen Lkw-Hersteller MAN , über die seit einigen Wochen spekuliert wird. Hino könnte in dieses Bündnis als Scania-Aktionär eingebunden werden. Sowohl Burgold als auch Pieper beurteilten eine Zusammenarbeit von Scania und Hino positiv. "Hino ist der beste Lkw-Hersteller, den es gibt", sagte Pieper.

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