Lob für Schiedsrichter Meier
Mitleid mit Ballack

"Er tat mir schon ein wenig leid", kommentiert Urs Meier, Schiedsrichter des Halbfinalspiels der deutschen Elf gegen Südkorea, in einem Interview mit der "Basler Zeitung" die Gelbe Karte gegen Michael Ballack. "Aber die Schuld liegt eher nicht bei mir, sondern bei ihm."

dpa SEOUL/BASEL. Fifa-Präsident Joseph Blatter atmet nach den hitzigen Schiedsrichter-Diskussionen bei der 17. Fußball- Weltmeisterschaft erst einmal auf. "Urs Meier hat ausgezeichnet gepfiffen", lobte er seinen Schweizer Landsmann nach dessen korrekten Pfiffen im WM-Halbfinale Deutschland - Südkorea (1:0) in Seoul. Davor hatte Blatter die teils krassen Fehlleistungen der Unparteiischen und Linienrichter noch an den Pranger gestellt und Besserung gefordert. "Er hat seine Sache gut gemacht. Das wurde aber auch Zeit", meinte auch Nationaltorwart Oliver Kahn. Schließlich gab es Bedenken im Kreis des DFB-Teams, nachdem Südkorea von einigen Referee- Entscheidungen besonders in den Spielen gegen Italien und Spanien profitiert hatte.

"Eine saubere Schiedsrichterleistung, und schon scheidet Südkorea aus. Das koreanische Lügengebäude bricht mit der tadellosen Partie von Meier zusammen", kommentierte die spanische Sportzeitung "As" nicht ohne Häme. "Schiedsrichter Meier macht keinen Fehler: Deutschland rächt Italien und Spanien", freute sich das italienische Blatt "Il Messaggero". Und der "Corriere della Sera" stellte fest: "Mit einem Schiedsrichter wie Meier wären vermutlich Portugal, Italien und Spanien nicht von Korea eliminiert worden."

Urs Meier wird das allseitige Lob gern gehört haben. Den Schweizer überkam allerdings nach der Partie das Mitleid: Mit einer Gelben Karte hatte er Michael Ballack die Teilnahme am Endspiel verwehrt. "Sicher, er tat mir schon ein wenig leid", sagte Meier in einem Interview mit der "Basler Zeitung" (Mittwochausgabe). Er gönne es jedem Spieler, an einem WM-Endspiel teilnehmen zu können. "Ich sah ihm die Enttäuschung an, als ich die Gelbe Karte zückte. Aber die Schuld liegt eher nicht bei mir, sondern bei ihm", sagte Meier.

Der Schiedsrichter wusste nicht, dass Ballack bereits mit Gelb vorbelastet war. "Ich habe vor dem Spiel bewusst darauf verzichtet, mich zu informieren, wer bereits einmal verwarnt worden war. Sonst hätte ich womöglich meine Linie verlassen", sagte er. Ballack habe ihm zunächst gesagt, es sei nur ein Foul gewesen. In einer zweiten Reaktion habe er ihn dann auf die Folgen für ihn aufmerksam gemacht. "Ich konnte in dieser Situation nicht anders entscheiden, der gegnerische Spieler wäre ohne Foul in den Strafraum eingedrungen. Also war Gelb angemessen", betonte Meier.

Der Mann mit dem guten Pfiff hat das angekratzte Image seiner Zunft bei der WM aufpoliert, doch die Diskussion um eine Reform des Schiedsrichterwesens geht weiter. Einen neuen Lösungsvorschlag für mehr Gerechtigkeit auf dem Rasen hat nun die Europäische Fußball- Union (UEFA) auf den Tisch gebracht: den Einsatz von zwei Referees im Spiel. "Es muss ein Vorteil sein, weil der einzelne Schiedsrichter weniger müde wäre und dichter an den Aktionen dran sein könnte", erklärte Uefa-Generalsekretär Gerhard Aigner in einem Interview mit der Website uefa.com. "Damit wäre die Chance größer, besser zu jurieren zum Beispiel in Abseits-Situationen. Wir sollten uns diese Möglichkeit genauer anschauen."

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