Lobbyarbeit der Deutscher Telekom im US-Kongress zahlt sich aus
US-Gesetz gegen Voicestream-Kauf vor dem Fall

Der Gesetzesentwurf eines US-Senators, der den Kauf der US-Mobilfunkfirma Voicestream Wireless durch die Deutsche Telekom AG behindern würde, wird voraussichtlich bereits diese Woche scheitern. Kongress-Insider und Investoren an der Wall Street gehen davon aus, dass die Gesetzesinitiative keine Chance mehr hat, nachdem es der Telekom durch intensive Lobbyarbeit gelungen ist, neben der US-Regierung auch einflussreiche Senatoren sowie Gewerkschaften zu gewinnen. Damit wäre die wichtigste Hürde für die 50-Milliarden-Dollar-Akquisition beseitigt.

fas/nks/cn WASHINGTON/ NEW YORK. Am Freitag sprachen sich der US-Gewerkschaftsverband AFL-CIO und die Telekommunikations-Gewerkschaft CWA gemeinsam mit der US-Handelskammer für die Übernahme von Voicestream durch die Telekom aus. "Eine derartige Allianz zwischen Gewerkschaften und Handelskammer hat es noch nie gegeben", sagte Telekom-Lobbyist William Lake von der Anwaltskanzlei Wilmer, Cutler & Pickering dem Handelsblatt. "Das ist ein sehr großer Schritt vorwärts." Lake zeigte sich "sehr optimistisch", dass der Gesetzesvorschlag von Senator Ernest Hollings scheitern wird.

Hollings will verhindern, dass Telekommunikationsfirmen in den USA von ausländischen Unternehmen gekauft werden, die zu mehr als 25 % in Staatsbesitz sind. Er befürchtet eine Beeinträchtigung des Wettbewerbs, weil die Telekom noch zu 58 % dem Bund gehört.

Insider gehen aber davon aus, dass der Zeitdruck des Kongresses vor den US-Wahlen im November und die gewachsene Unterstützung für die Telekom zum Scheitern der Hollings-Initiative führen wird. Hollings hat seinen Gesetzesvorschlag an ein allgemeines Haushaltsgesetz angehängt, gegen das Präsident Clinton bereits sein Veto angekündigt hat. Deswegen müssen Kongress und Regierung in dieser Woche in einem Vermittlungsverfahren einen Kompromiss suchen. Die Zeit drängt. Denn bevor die Kongress-Sitzungsperiode am Freitag endet, müssen noch insgesamt elf Haushaltsgesetze verabschiedet sein.

Die Hektik könnte sich zum Vorteil der Telekom auswirken. Denn: "Im Vermittlungsausschuss werden üblicherweise als erstes alle Zusätze gestrichen, die nicht in den Gesetzesentwürfen beider Parlamentskammern enthalten sind", sagte ein langjähriger Kongressbeobachter. Hollings' Zusatz steht nur im Haushaltsentwurf des Senats, nicht aber im Vorschlag des Repräsentantenhauses. Zudem steht die Schlüsselfigur im Vermittlungsausschuss, Trent Lott, seit zwei Wochen auf Seite der Telekom. Lott ist Mehrheitsführer der Republikaner im Senat.

Bei Hollings macht sich deswegen Frustration breit. Sprecher Andy Davis räumt ein, dass "die Erfolgsaussichten für unsere Initiative begrenzt sind". Hollings kritisierte die Allianz von Gewerkschaften und Handelskammer: "Die sollten sich schämen. Wir haben den Telekommunikationsmarkt nicht dereguliert, um ihn unter die Kontrolle der deutschen Regierung zu stellen."

Auch an der Wall Street gilt Hollings' Initiative als so gut wie gescheitert. "Wir glauben nicht, dass er überhaupt zur Abstimmung kommen wird", sagt Chris Avery, Analyst bei der Investmentbank Deutsche Bank Alex. Brown. Die Unterstützung der Gewerkschaften sieht Avery als Versuch, bei der Telekom gute Stimmung zu machen. Denn Avery hat keinen Zweifel, dass die "Gewerkschaft versuchen wird, bei Voicestream hereinzukommen". Bisher gibt in der US-Mobilfunkbranche keine Gewerkschaften.

Die größere Zuversicht der Anleger drückt sich auch im geringer gewordenen Abstand zwischen dem Voicestream-Aktienkurs und dem angebotenen Kaufpreis der Telekom aus. Der Abstand betrug gegen Ende der Woche nur noch rund 16 %. Vor einigen Wochen hatte er noch fast 30% betragen.

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