Lobbyreise mit führenden Verbandsvertretern
Clement will in USA gute Stimmung machen

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) will an der Spitze einer deutschen Wirtschaftsdelegation in den USA für Vertrauen und Kontinuität in den deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen werben.

Reuters BERLIN. Eine Sprecherin des Ministers bestätigte am Montag, dass Clement die Einladung führender Wirtschaftsverbände angenommen habe, vom 19. bis zum 23. Mai mit führenden Verbandsvertretern in die USA zu reisen. Angesichts ihrer Sorge, der Streit zwischen Deutschland und den USA über die Irak-Politik könne deutsche Unternehmen wirtschaftlich schaden, will die deutsche Wirtschaft mit der Reise ihr enges Verhältnis zur US-Wirtschaft dokumentieren und Irritationen beseitigen.

Gravierende wirtschaftliche Folgen für die deutsche Wirtschaft hatte der deutsch-amerikanische Streit nach Angaben der Bundesregierung und auch des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) bislang noch nicht. "Solche konkreten Erkenntnisse (zu Beeinträchtigungen) liegen uns nicht vor", äußerte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Ein DIHK-Vertreter sagte: "Abgesehen von ganz wenigen Einzelfällen gibt es solche Beeinträchtigungen noch nicht". Er schränkte aber ein: "Insgesamt ist die Lage aber schwieriger geworden in den Gesprächen mit unseren amerikanischen Kunden."

Auch EU-Handelskommissar Pascal Lamy kann bislang keine Störungen der transatlantischen Handelsbeziehungen als Folge des Streits zwischen wichtigen EU-Ländern und den USA erkennen.

USA sind für Deutschland ein wichtiger Handelspartner

Die USA sind für Deutschland der zweitwichtigste Handelspartner weltweit. Rund zehn Prozent des deutschen Außenhandels, dem wichtigsten Wachstumsmotor der letzten Monate, wird mit den USA abgewickelt. Für die EU insgesamt sind die USA der wichtigste Handelspartner überhaupt.

Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte, zwar wisse sein Ministeriums nichts von konkreten Problemen in deutsch- amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen. Es sei aber für das Ministerium auch schwierig, von solchen Störungen zwischen privaten deutschen Unternehmen und US-Geschäftspartnern etwas zu erfahren. Ein DIHK-Vertreter erklärte, die Bedingungen für deutsche Unternehmen bei Gesprächen mit US-Kunden gestalteten sich inzwischen schwieriger.

Lamy: Boykottforderungen bislang ohne Folgen

Aktuell seien trotz Boykottdrohungen von einzelnen US-Politikern gegen EU-Produkte keine negativen Auswirkungen des Streits um die Irak-Politik auf den transatlantischen Handel feststellbar, sagte EU-Handelskommissar Lamy der "Süddeutschen Zeitung". "Bisher haben sie (die Boykottforderungen) sich nicht ausgewirkt." Vielmehr habe er in den Vereinigten Staaten feststellen können, dass auch die US-Partner alles täten, um den politischen Streit nicht auf Handelsfragen überschwappen zu lassen. Mit Blick auf seine US-Reise in der vergangen Woche merkte Lamy an: "Es gab kein EU-Bashing".

Für den Fall eines Irak-Krieges könnten sich aber schon Beeinträchtigungen ergeben. "Es könnte zu einer Verschlechterung der transatlantischen Handelsbeziehungen kommen", warnte er. Beide Seiten wollten das aber verhindern. "Auch unsere amerikanischen Partner sind daran interessiert, den möglichen Schaden zu begrenzen", sagte Lamy.

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