Lockerung angedeutet
Fed lässt Leitzins unverändert

Die US-Notenbank (Fed) hat am Dienstag die Leitzinsen für die USA unverändert gelassen, deutete aber einen möglichen Wechsel in ihrer Geldpolitik an. Der Satz für Tagesgeld bleibt bei 6,5 Prozent, der Diskontzins bei 6,0 Prozent. Dies teilte die Fed im Anschluss an die letzte Sitzung des Offenmarktausschusses in diesem Jahr in Washington mit.

dpa/rtr/mvv/bue DÜSSELDORF. In ihrer Erklärung wiesen die Währungshüter darauf hin, dass die angeschlagene US-Konjunktur sich in naher Zukunft weiter abkühlen könnte. Darauf deuteten rückläufige Unternehmensgewinne, das abnehmende Vertrauen der Verbraucher sowie die jüngste Schwäche an Teilen der Finanzmärkte hin.

Risiken für die Inflation bestünden zwar weiter. Der Aufwärtsdruck auf die Verbraucherpreise sei aber nicht mehr so stark wie vor kurzem angenommen. Der Ausschuss betonte, er werde die wirtschaftliche Entwicklung "genauestens beobachten".

"Die Entscheidung zeigt, dass sie (die US-Währungshüter) eine etwas lockerere Geldpolitik einleiten", sagte Roger Kubarych vom Council on Foreign Relations in New York. Auch nach Einschätzung von David Sloan von 4Cast Ltd deutet die Stellungnahme der Fed auf eine baldige Zinssenkung in den USA hin: "Die Inflationsrisiken haben sie heruntergespielt." In den letzten elf Monaten hatten die US-Währungshüter dagegen immer gesagt, Inflation sei die größte Gefahr für das US-Wirtschaftswachstum. Damit hätten die Währungshüter eine neutrale geldpolitische Haltung übersprungen und seien direkt auf eine Lockerung der Zinspolitik eingeschwenkt.

Nach Fed-Ankündigung: Analysten uneins über Marktsignale

Mit einer Abkühlung der amerikanischen Konjunktur hatten Wirtschaftsexperten schon länger gerechnet. Überraschend aber war die Schnelligkeit. Die Vielzahl der Gewinnwarnungen im letzten Monat hatte der Markt nicht erwartet. Insbesondere die großen Technologieunternehmen wie Cisco und Microsoft und die Mediengrößen wie AOL und Timer Warner ihre Prognosen korrigierten, wurde der Markt vollends verunsichert. Ob die von der Federal Reserve Bank angedeutete Wechsel in der Geldpoltik oder Zinssenkungen den Technologiebörsen tatsächlich Auftrieb bringt, darüber sind sich die Analysten uneins. Optimistisch ist der Strategist Christian Stocker von der Hypo-Vereinsbank. "Der Neue Markt wird spürbar von den Nachrichten über eine amerikanische Zinssenkung profitieren." Er glaubt, dass die EZB nachziehen wird und auch die Zinsen in Euroland senken wird. Mit mehr Liquidität sei eine Trendwende am Neuen Markt möglich. Nicht ganz so optmistisch ist der Analyst Michael Ballmann, Warburg Bank. Er glaubt, dass die Zinssenkung schon in den meisten Kursen eingepreist sei.

Trotzdem beobachten gerade die Technologiemarktteilnehmer die Zinsen mit besonderer Sorgfalt. Das hat mehrere Gründe. Die Firmen dieser Branchen sind besonders kapitalintensiv und daher zinsempfindlich. Die meisten Telekommunikationsunterenehmen sind hoch verschuldet. Dazu kommt: Viele Neue-Markt-Unternehmen schreiben erst in Zukunft Gewinne. Der Diskontierungsfaktor ist daher besonders wichtig. Die alleinige Lösung bietet die Zinssenkung noch nicht. Der Markt leidet auch unter den hohen Ölpreisen, der Inflation im Euro-Land und unerfahrenen, jungen Unternehmen, die ihre Kostensituation nicht im Griff haben. Natürlich: Wenn alle Einflußfaktoren positiv sind, die Zinsen sinken, der Konsum steigt, der Ölpreis fällt, dann geht es der Wirtschaft wieder gut. Das funktioniert aber nur in der volkwirtschaftlichere Theorie und nicht im realen Leben.

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