Lockheed Martin und Raytheon steigern Gewinne deutlich
Kriegsangst beflügelt Rüstungskonzerne

Während die Gefahr eines Krieges im Mittleren Osten steigt, ziehen die Aktienkurse der Rüstungskonzerne kräftig an. Dabei lehrt die Erfahrung, dass Unternehmen von kriegerischen Konflikten zumeist nicht unmittelbar profitieren. Meist wachsen die Umsätze erst, wenn die Schlacht längst geschlagen ist.

HB DÜSSELDORF. Beim Blick auf die Börsenkurse ist es eine einfache Rechnung: Die Gewinner politischer Krisen sind immer die Rüstungskonzerne. Das bestätigten zuletzt wieder die beiden US-Riesen Lockheed Martin und Raytheon, die beide Ende vergangener Woche Zahlen vorlegten.

Lockheed Martin, der größte reine amerikanische Wehrtechnikkonzern, setzte seinen Wachstumskurs aus dem 2. Quartal fort und steigerte seinen Gewinn unter anderem auch dank der Rüstungsprogramme wie für den Kampfjet Joint Strike Fighter um mehr als ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr auf 290 Mill. Dollar. Der Umsatz zog ebenfalls an: Von 6,2 Mrd. Dollar in 2001 auf heute 6,5 Mrd. Dollar. Lockheed bestätigte zudem das Umsatzziel für 2002, man werde wohl mit 26 Mrd. Dollar abschließen, erklärte das Unternehmen.

Auch bei Raytheon, die jetzt gemeinsam mit der deutschen Rheinmetall und dem größten europäischen Rüstungskonzern BAE Systems lenkbare Artilleriegeschosse entwickelt, hat die Rüstungssparte wieder angezogen. Zum ersten Mal seit knapp zwei Jahren legte der Konzern im 3. Quartal wieder einen Gewinn vor. Der 228 Mill. Dollar Profit übertraf sogar die Erwartungen der Marktbeobachter leicht.

Die Gleichung "Krieg und Krise bringt Gewinn" gilt zunächst einmal beim Blick auf die Börsen. Die Spekulationen der vergangenen Wochen über einen Krieg gegen den Irak haben die Phantasien vieler Anleger angeheizt. Dabei ging es munter rauf und runter: Die Tagesschlagzeilen bestimmten den Trend. Wann immer US-Präsident George W. Bush den Finger am Abzug ein wenig spannte, zogen die Kurse an. Bei der nächsten vorsichtigeren Äußerung gaben sie nach. Ein Krieg in der Wüste bedeutet für die Rüstungsindustrie jedoch nicht sofort steigende Umsätze. "Zwischen den Börsenkursen in Krisenzeiten und den tatsächlichen Profiten der Unternehmen aus einem Krieg besteht ein grobes Missverhältnis", sagt Georgina Salmon, Rüstungsanalystin bei Dresdner Kleinwort Wasserstein.

Denn lange Kriege gehören offensichtlich der Vergangenheit an, auch im Falle Irak rechnen die Experten wenn überhaupt mit einem vergleichsweise kurzen Waffengang. Käme es gegen Saddam zum Krieg, dann werde der Kampf ähnlich wie der gegen die Taliban in Afghanistan hauptsächlich aus der Luft geführt werden. Der Verlust "großer Geräte" werde daher vergleichsweise gering sein, prophezeit Salmon. Der Kosovo-Krieg zeigt, dass die Militärtechnik der Nato-Staaten besonders in der Luft weit überlegen ist. So verlor die US-Luftwaffe gegen die gut ausgerüstete jugoslawische Armee nach Angaben des Center for Strategic and Budgetary Assesments (CSBA) ganze drei bemannte Jets: einen Tarnkappenbomber F-117 im Wert von 70 Mill. Dollar, eine F-16 für rund 25 Mill. Dollar und einen taktischen Bomber vom Typ Harrier, Kostenpunkt 35 Mill Dollar. Hinzu kamen noch unbemannte Aufklärer für insgesamt 20 Mill. Dollar.

So sind es vor allem die Hersteller von Lenkwaffen und computergesteuerten Bomben, bei denen die Kassen klingeln dürften. Dafür stehen auch die Namen Boeing oder Raytheon. Im Kosovo-Krieg verfeuerten die Amerikaner rund 150 Cruise Missiles, Stückpreis 1,5 Mill. Dollar. Die Lagerbestände waren damit fast komplett aufgebraucht. Sind die Lager einmal leer, heißt das aber nicht immer, dass sie automatisch mit den gleichen Produkten wieder aufgefüllt werden. "Die US-Armee hat die in Kosovo verschossenen Raketen-Bestände nicht vollständig wieder aufgefüllt", weiß ein Branchenkenner. Kriege seien nun einmal auch die Gelegenheit, veraltetes Material los zu werden.

So ist es weniger der Krieg selbst, der die Unternehmensgewinn treibte, sondern das Bedrohungsszenario davor sowie die Orders nach dem Vorführeffekt, ist die Schlacht einmal erfolgreich geschlagen. Das zeigen die Bestellungen der arabischen Staaten nach dem Golfkrieg. Im ersten Krieg gegen Saddam kamen vor allem F-16 Jets zum Einsatz und nach wie vor ist das Modell ein Exportschlager für Lockheed. Für die Arabischen Emirate entwickelt das Unternehmen zur Zeit für 4 Mrd. Dollar einen F-16-Nachfolger.

Allerdings gibt es einen Faktor, der die Ergebnisse der US-Konzerne zur Zeit maßgeblicher bestimmt als Krieg und Frieden: Die Belastungen aus den Pensionsfonds. So musste Raytheon seine Erwartungen für 2003 deutlich nach unten revidieren, weil die Kosten für Pensionen kräftig steigen.

Quelle: Handelsblatt

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