Löhne und Gehälter für die 3600 Mitarbeiter sollen in Etappen ausbezahlt werden
Refugium in Not

Die Lage bei der am Neuen Markt notierten Refugium AG spitzt sich weiter zu. Der finanziell angeschlagene Betreiber von Senioren- wohnheimen hat Probleme, die Gehälter für seine 3 600 Mitarbeiter pünktlich zu bezahlen. Denn eine geplante Finanzspritze in Form einer Kapitalerhöhung wird durch Kleinaktionärsklagen blockiert.

HB HAMBURG. Die am Neuen Markt notierte Refugium Holding AG, Königswinter, ist massiv unter Druck. Der Betreiber von Seniorenwohnheimen kann die Löhne und Gehälter für seine 3 600 Mitarbeiter nicht mehr pünktlich en bloc überweisen. Sie werden nach Angaben des Betriebsratsmitglieds Klaus Müller nur noch "zeitnah" ausgezahlt.

Die Arbeitnehmer-Vertreter haben deshalb gestern mit dem Vorstandsvorsitzenden Klaus Küthe einen Plan ausgehandelt, wann die Löhne und Gehälter von insgesamt rund 10 Mill. DM jeweils "in Tranchen" innerhalb eines Monats an die Belegschaft ausbezahlt werden sollen. "Wir haben einige Zahlungsstörungen. Die Gehälter werden derzeit ausschließlich aus den laufenden Einnahmen gedeckt", erklärt Küthe. Der Aktienkurs von Refugium sank gestern weiter auf knapp 2,60 Euro. Im Frühjahr 1999 kostete sie das 15-fache.

Küthe weist Gerüchte energisch zurück, wonach das Unternehmen kurz vor dem finanziellen Aus stehe. "Das Unternehmen ist nicht zahlungsunfähig und überschuldet", betont der Vorstandsvorsitzende. Die Refugium Holding AG verfüge über Barmittel von 15 Mill. DM. Allerdings können diese Gelder nach Angaben des Vorstands für die Zahlung der Gehälter nicht verwendet werden. Grund: Dieses Kapital sei unter anderem bei den Banken für Miet- und Pachtbürgschaften hinterlegt worden.

Refugium war 1999 durch falsche Bilanzierungen in die Schieflage geraten und musste eine Fehlbetrag von 73 Mill. DM ausweisen. Die ehemaligen Vorstände wurden auf Druck des Aufsichtsrats durch Küthe ersetzt. Der ehemalige Finanzvorstand der Alcatel SEL bemüht sich seither um die Sanierung des angeschlagenen Konzerns.

Dass die Refugium AG möglicherweise in die Klemme gerät, liegt vor allem daran, dass ein dringender Kapitalzufluss ausbleibt. Denn das Unternehmen wartet bereits seit Monaten auf die Eintragung einer bereits verabschiedeten kombinierten Sach- und Barkapitalerhöhung. Danach will sich der Saarbrücker Seniorenheimbetreiber Pro Seniore AG über eine Sacheinlage mit 52 % und die Gold Zack AG, Mettmann, in Form einer Bareinlage mit 20 % an der Refugium-Gruppe beteiligen.

Doch zwei Kleinaktionäre verhindern durch Klagen bei den zuständigen Bonner Gerichten die Eintragung der Kapitalmaßnahme. Sie wehren sich dagegen, dass durch die geplante Kapitalerhöhung der Einfluss der freien Aktionäre zurückgedrängt wird, da das Bezugsrecht dieser Anlegergruppe weitestgehend ausgeschlossen werden soll. "Einer der Kleinaktionäre lässt überhaupt nicht mit sich reden. Er ist an keinem Vergleich interessiert", kritisiert Dietrich Walther, Vorstandsvorsitzender börsennotierten Gold Zack AG. "Unsere Gesellschaft wird nur bei Refugium einsteigen, wenn die rechtlichen Voraussetzungen für die geplante Kapitalerhöhung vorliegen", sagte Walther dem Handelsblatt.

Da mit den Aktionären ein Vergleich nicht erreicht werden könne, müsse jetzt der zuständige Amtsrichter über das weitere Vorgehen bestimmen. Wann dies erfolgt, ist aber derzeit völlig offen.

Damit ist Refugium vorerst daran gehindert, sich ein Finanzpolster zu verschaffen. Der Grund: "Die Banken sind nicht bereit, uns Kreditlinien einzuräumen", erklärt Küthe. Unklar ist allerdings, ob möglicherweise der künftige Refugium-Großaktionär, Pro Seniore, dem Unternehmen finanziell unter die Arme greift. Der Betreiber von Seniorenwohnheimen, der im Besitz der Familie Ostermann ist, hatte dem Neuen-Markt-Wert im November 2000 bereits eine Finanzspritze von rund 10 Mill. DM gewährt.

Die Refugium-Gruppe wird im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Fehlbetrag "in zweistelliger Millionenhöhe" ausweisen. Durch den Verkauf von Immobilien konnte die Gesellschaft 1999 noch ein positives Ergebnis von 10 Mill. DM erwirtschaften. Das Unternehmen hatte aber einen Fehlbetrag im Betriebsergebnis von rund 40 Mill. DM zu verkraften.

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