Löhne und Gehälter sind gesichert
Holzmann-Verwalter will Zerschlagung verhindern

Der vorläufige Insolvenzverwalter Ottmar Hermann will auf alle Fälle eine Zerschlagung der Philipp verhindern. Jede Chance soll genutzt werden, um so viel wie möglich von dem Traditionsunternehmen zu retten, formulierte Hermann am Samstag seine Ziele für die kommenden Monate. Hauptgegner sind dabei nicht die Gläubiger oder eine demoralisierte Belegschaft, sondern die leeren Kassen und der Faktor Zeit.

dpa FRANKFURT/MAIN. Jeder, der seinen Arbeitsplatz erhalten wolle, müsse am Montag auf den rund 500 Baustellen antreten, appellierte der Frankfurter Rechtsanwalt an die Holzmänner. Zugleich macht Hermann Druck auf die Banken. Bereits in der kommenden Woche sei ein beträchtlicher Kredit notwendig, um die Zahlungen an Lieferanten und Subunternehmer wieder aufnehmen zu können. "Sonst besteht das Risiko einer unkontrollierten Zerschlagung", mahnte Hermann.

Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten in der Holzmann sind bis auf weiteres gesichert. Sie erhalten rückwirkend vom Tag der förmlichen Eröffnung des Insolvenzverfahrens ihre Einkünfte für drei Monate vom Arbeitsamt. Dies ist eine Besonderheit des deutschen Insolvenzrechts, um die Chancen für eine Fortführung eines Pleite gegangenen Unternehmens zu erhöhen. Faktisch bedeutet dies, dass die Belegschaft für mindestens drei Monate mit gesichertem Einkommen rechnen kann.

Im Zweifel will sich Hermann auch über juristische Spitzfindigkeiten hinwegsetzen und bereits im Stadium des vorläufigen Insolvenzverfahrens Unternehmensteile verkaufen. Falls interessante Kaufangebote unterbreitet würden, stehe dem nichts im Wege. "Sonst würde ich ja meinen Pflichten nicht gerecht werden." Bis zur formellen Eröffnung der Verfahrens könne es Monate dauern. Für die endgültige Abwicklung seien sogar mehrere Jahre zu veranschlagen.

Die Bemühungen der Deutschen Bank und des Holzmann-Vorstandes, den Konzern als Ganzes zu retten, wurden offensichtlich bis zur letzten vertretbaren Minute fortgesetzt. Als die drei Großbanken Dresdner, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank ihre Blockadehaltung trotz zahlreicher Nachbesserungen nicht aufgaben, war am Donnerstagabend der Weg zum Insolvenzrichter unausweichlich. Für Hermann hat dies aber zur Folge, dass er nun vor absolut leeren Kassen steht.

Deshalb sind auch die Töchter der Philipp von einer Insolvenz bedroht. Die größte Gefahr gehe von einer akuten Zahlungsunfähigkeit aus, sagte Hermann. Auf alle Fälle soll aber vermieden werden, dass die US-Tochter J.A. Jones in eine Pleite rutscht. "Sonst besteht die Gefahr, dass dieses Filetstück madig wird." Die amerikanischen Aktivitäten machen etwa 50 % des Holzmann-Konzerns aus.

Die ersten Verhandlungen mit den Banken sind nach seiner Darstellung "fruchtbar verlaufen". Hermann äußerte sich zuversichtlich, dass die vorgefundenen leeren Kassen mit einem Massekredit der Banken rasch gefüllt werden können. An den bisherigen Gesprächen hätten auch Vertreter der Kreditinstitute beteiligt, die bis zuletzt den Rettungsplan für den Baukonzern blockiert hatten.



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