Lösung für untersagte Elektrofusion in Sicht – Siemens und General Electric angeblich interessiert: Schneider sucht Investor für Legrand

Lösung für untersagte Elektrofusion in Sicht – Siemens und General Electric angeblich interessiert
Schneider sucht Investor für Legrand

Mit Hochdruck arbeitet der französische Elektrokonzern Schneider daran, seinen Fusionspartner Legrand wieder los zu werden. Brüssel hatte eine Auflösung der Firmenehe verfügt. Schneider sucht vorrangig nach Finanzinvestoren. Interesse haben aber angeblich auch Konkurrenten wie Siemens bekundet.

abo PARIS. Der französische Elektrokonzern Schneider Electric S.A. will offenbar verhindern, dass das Verbot seiner Fusion mit der Legrand S.A. durch die EU-Kommission Wettbewerbern zu Gute kommt. Wie aus Pariser Industriekreisen verlautete, will Schneider-Chef Henri Lachmann den im vergangenen Jahr für 6,42 Mrd. Euro übernommenen Elektromaterialhersteller statt dessen in die Hände von Finanzinvestoren geben. Bis zu zehn Finanzinvestoren-Gruppen bereiten angeblich Gebote für Legrand vor.

Industrielle Kandidaten für die Übernahme von Legrand haben offiziell noch kein Interesse bekundet. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Branchenkreisen berichtete, bereiten der Münchener Siemens-Konzern und sein US-Konkurrent General Electric (GE) aber jeweils ein Gebot für Legrand vor. Siemens habe sich die Dienste der Investmentbank Lazard als Berater gesichert, GE habe Goldman Sachs mit der Vorbereitung eines Angebots beauftragt.

Schneider und Legrand hatten ihre weitgehend komplementäre Aktivitäten zu einem weltweit führenden Anbieter von Schaltanlagen, Industrieautomatisierung und Elektroausrüstung zusammenschließen wollen. Der Konzern sollte mit fast 15 Mrd. Euro Jahresumsatz und zweistelligen Kapitalrenditen starten - die Rentabilität reizte die Analysten, ließ aber bei Konkurrenten die Alarmglocken schrillen.

Brüssel betrachtete allerdings weder den Weltmarkt noch den EU-Binnenmarkt als Referenzmärkte für das Geschäft der Franzosen. Die Kartellwächter attestierten Schneider-Legrand vielmehr eine marktbeherrschende Stellung in Frankreich und Italien. Die Vorschläge für eine Portfoliobereinigung akzeptierten sie nicht. In Frankreichs Industrie wurde vermutet, dass der Siemens-Konzern zu der Untersagungsverfügung durch die EU-Kommission beigetragen hatte, um Legrand selbst zu übernehmen - was Siemens-Chef Heinrich von Pierer seinerzeit in einem Zeitungsinterview aber zurückwies. Nach Ansicht von Pariser Marktbeobachtern müsste sich Siemens jetzt bei einer Offerte aber wohl auf kartellrechtliche Querschüsse von Schneider-Chef Lachmann gefasst machen.

Für einen Verkauf hat die Kommission nach ihrer Untersagungsverfügung im Oktober Schneider neun Monate Zeit gegeben, wie man bei Dexia Securities erfahren haben will. Offiziell wurde die Frist nicht mitgeteilt. Ein erster von Schneider gesetzter Termin für Legrand-Gebote läuft heute ab.

Unter den Bietern für die von der Börse mit knapp 5 Mrd. Euro bewertete Legrand sind Presseberichten zufolge etliche Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Die größten Hoffnungen setzt Lachmann augenscheinlich auf die Beteiligungsgruppe CGIP, die zur Familienholding Marine Wendel S.A. gehört. Die CGIP will voraussichtlich mit dem britischen Übernahmespezialisten Candover und seiner französischen Speerspitze Chevrillon & Associes kooperieren. Unter Federführung der CGIP bliebe Legrand in die französischen Industriekreise eingebunden und würde sich wohl nicht offen gegen Schneider stellen.

In Frankreich haben sich zudem CVC Capital Partners mit dem Private-Equitiy-Arm der französischen Bank BNP-Paribas, PAI, zusammengetan, wie aus den beiden Investmentbanken Merrill Lynch und Rothschild&Cie. verlautete, die Schneider mit der Suche nach einem Käufer beauftragt hat. Auch die angelsächsischen Fonds BC Partners und Cinven planen, Legrand gemeinsam zu übernehmen. Die US-Beteiligungsgruppe Carlyle hat sich mit dem Beteiliger Permira verbündet. Und die US-Unternehmensjäger Kohlberg Roberts sind angeblich auf Suche nach Partnern für ein Investment in Legrand.

Die Berichte über die möglichen Bieter für Legrand haben an der Böse wieder Interesse für Schneider geweckt. Die Aktie stieg gestern zwischenzeitlich um mehr als 6 %. Allerdings warnen Pariser Analysten vor unrealistischen Erwartungen. Beim Brokerhaus Fideuram Wargny wird auf die rückläufige Entwicklung in Schneiders Hauptmärkten verwiesen. Der Schwebezustand beim Verkauf von Legrand sei eine zusätzliche Belastung, sagte der Branchenanalyst des Hauses und rät eher zum Verkauf der Aktie.

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