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Breton ist neuer France Télécom-Chef

Der 47-jährige französische Manager und Ingenieur Thierry Breton ist neuer Chef des Telekommunikationskonzerns France Télécom (FT).

Reuters PARIS. France Telecom teilte am Mittwoch in Paris mit, der Verwaltungsrat habe Breton zum neuen Chairman des mit 70 Mrd. Euro verschuldeten Konzerns gewählt, der zu 55 % noch im Staatsbesitz ist.

Breton hatte in den 1990er Jahren den seinerzeit maroden Staatskonzern Thomson Multimedia (TMM) saniert und 1999 an die Börse gebracht. Seine manchmal unkonventionellen Methoden haben ihn bei dem Elektrokonzern, wo er sich zunächst als Verkäufer incognito einen Überblick verschafft hatte, berühmt gemacht. Der Aktienkurs von France Telecom reagierte positiv auf die seit Tagen erwartete Nachricht.

Der 47-jährige Breton folgt Michel Bon, der sich mit dem Verwaltungsrat über das Sanierungskonzept zerstritten und im September seinen Rücktritt angekündigt hatte. Bon stellte nun Breton den 21 Mitgliedern des Verwaltungsrates vor, von denen 14 für Breton stimmten, vier gegen ihn und drei sich der Stimme enthielten.

Breton will sich erst einen Überblick verschaffen

Nach Angaben eines Mitglieds des Verwaltungsrates erklärte Breton dem Gremium, er werde zwei Monate für eine interne Bestandsaufnahme brauchen, ehe er über einen Sanierungsplan entscheiden wolle. Alle Optionen stünden dabei noch offen, zitierte Jean-Michel Gaveau, der für die Gewerkschaft CGT im Verwaltungsrat sitzt, vor Journalisten den neuen Konzernchef. Die Regierung hatte dagegen mehrfach erklärt, noch bis Ende Oktober solle ein umfassender Refinanzierungsplan vorgelegt werden. Monique Biot, die ebenfalls für CGT im Verwaltungsrat ist, sagte, Breton wolle sich erst alles ansehen - auch die Tochtergesellschaften Orange und Wanadoo - ehe er Entscheidungen treffe.

Analysten verwiesen darauf, dass vor allem in Bretons Persönlichkeit die Chancen für France Telecom lägen. Breton hatte die Leitung von Thomson Multimedia (TMM) 1997 übernommen und den Konzern 1999 an die Börse geführt. Noch 1996 hatte die damalige französische Regierung den damals maroden Staatskonzern für einen symbolischen Franc verkaufen wollen. France Telecom sei für Breton genau das richtige, erklärte ein Analyst. Bei TMM wurde Breton legendär, als er sich in den ersten paar Wochen seiner Amtszeit incognito selbst ein Bild davon machte, was bei TMM schief ging. Inzwischen ist TMM, die 2001 einen Umsatz von 10,5 Mrd. Euro auswies, zum größter Fernsehgeräte-Verkäufer in den USA aufgestiegen.

Bon, der France Telecom seit dem ersten Börsengang 1997 führte, hatte Mitte September seinen Rücktritt angekündigt. Sein Expansionskurs gilt als eine der Gründe für den milliardenhohen Schuldenberg. Nach Schätzungen von Analysten hat France Telcom eine Finanzierungslücke von rund acht Mrd. Euro im Juni nächsten Jahres. Insgesamt steht der Konzern vor der Refinanzierung von 2003 fälligen rund 15 Mrd. Euro.

Börse begrüßt Ankunft von Breton bei France Telecom

Ein Problem für den Abtrag des Schuldenbergs ist zudem das schlechte Kredit-Rating der France Telecom, auf Grund dessen der Konzern vergleichsweise hohe Zinsen zahlen muss. Als einen Weg aus der Krise von France Telecom wird in Frankreich seit Wochen eine mögliche Kapitalerhöhung diskutiert, gegen die sich Bon aber vehement zur Wehr gesetzt hatte. Das französische Finanzministerium bekräftigte, dass es alles Nötige tun werde, um dem Konzern eventuell auftauchende Liquiditätsprobleme zu ersparen. Viele Investoren halten eine Zwischenfinanzierung durch den französischen Staates für möglich. Breton dementierte unterdessen einen Bericht, wonach er Kostensenkungen von sechs Mrd. Euro plane.

Der Aktienkurs von France Telecom stieg an der Pariser Börse zunächst um beinahe zehn Prozent auf ein Tageshoch von 8,39 Euro, bröckelte im Verlauf aber auf 8,10 Euro wieder ab. Die TMM-Aktien, die seit Beginn der Spekulationen um den Wechsel von Breton rund 20 % an Wert verloren hatten, erholten sich leicht um rund zwei Prozent auf 15,51 Euro.

France Telecom ist mit 28,5 % an der MobilCom AG beteiligt, der France Telecom aber Mitte September ihre finanzielle Unterstützung entzogen hat.

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