Lösung in greifbarer Nähe
France Télécom steigt bei Mobilcom aus

Ex-Thyssen-Manager Dieter Vogel hat sich mit France Télécom auf eine Lösung für Mobilcom verständigt. Nun sind die Franzosen offenbar bereit, den Büdelsdorfern eine Kapitalspritze zu gewähren und deren Schulden zu übernehmen. Ihre 28,5 Prozent an Mobilcom will France Télécom an die Kredit gewährenden Banken verkaufen.

HB/lip HAMBURG. Der Telefonriese France Télécom S.A., Paris, will sich komplett aus der Büdelsdorfer Mobilcom AG zurückziehen. Das Pariser Unternehmen erwägt, seine Beteiligung von 28,5 % an dem norddeutschen Unternehmen an die kreditgebenden Banken zu veräußern. Damit will France Télécom einen Teil der heute fällig werdenden Mobilcom-Schulden von 4,7 Mrd. Euro erlassen bekommen. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen von Mobilcom. Falls die Banken die Mobilcom-Aktien übernehmen, wollen sie die Anteile zu einem späteren Zeitpunkt in einer Zweitplatzierung an die Börse zu bringen, heißt es in den Kreisen von Mobilcom.

Durch die Verträge mit den kreditgebenden Banken sind die hoch verschuldeten Franzosen verpflichtet, für die Mobilcom-Schulden aufzukommen und zusätzlich Liquidität für den Aufbau des neuen Mobilfunkstandards UMTS in das Unternehmen zu stecken. Finanzkreisen zufolge ist hier ein Euro-Betrag in dreistelliger Millionenhöhe im Gespräch. Er soll weitere Kapitalhilfen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und des Landes Schleswig-Holstein überflüssig machen. Die KfW hatte Mobilcom bislang 50 Mill. Euro gewährt. Insgesamt hat die Bundesregierung den Büdelsdorfern rund 400 Mill. Euro in Aussicht gestellt.

Die Darlehen über 4,7 Mrd. Euro wollen die Banken bis zu einer endgültigen Vereinbarung mit France Télécom stunden. Die Verträge hierüber seien noch nicht paraphiert worden, erfuhr das Handelsblatt aus dem Umfeld des Ex-Thyssen-Managers Dieter Vogel, der die Verhandlungen zwischen Mobilcom und dem Pariser Großaktionär France Télécom führt.

Unklar ist, ob der Plan umgesetzt werden kann. Denn nach Informationen des Handelsblatts muss eine neue Hauptversammlung dem Verkauf zustimmen. Dafür ist vor allem das Plazet des ehemaligen Mobilcom-Vorstandschefs, Gerhard Schmid, notwendig. Er war aber von den Franzosen aus dem von ihm gegründeten Unternehmen gedrängt worden. nicht über die Weiterführung des UMTS-Geschäfts einigen konnte. Ursprünglich wollte France Télécom bei Mobilcom bis zu 10 Mrd. Euro in den Aufbau des UMTS-Netzes investieren. Doch Anfang September hatte der Pariser Großaktionär den Büdelsdorfern nach einem Streit mit Schmid die weitere finanzielle Unterstützung versagt und damit die am Neuen Markt notierte Gesellschaft an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht.

Dass Dieter Vogel nach wochenlangen Verhandlungen mit den Franzosen eine tragfähige Lösung erreicht hat, wird in Branchenkreisen vor allem dem neuen France-Télécom-Chef, Thierry Breton, zugeschrieben. Er soll beispielsweise das Risiko möglicher Schadenersatzklagen aus den USA deutlich höher einschätzen als der geschasste Vorstandschef Michel Bon. Der Grund: Die in den USA börsennotierte France Télécom hatte am 8. November 2001 in einem Prospekt ihren Anlegern und der US-Börsenaufsicht SEC mitgeteilt, dass sie für jeglichen finanziellen Engpass bei der norddeutschen Mobilfunkfirma geradesteht. Bei einer Insolvenz von Mobilcom könnten deshalb Aktionäre von France Télécom vor einem US-Gericht auf Erfüllung des Prospekts klagen und deutlich höhere Entschädigungen als in Deutschland erhalten. Schließlich hatten sie bei Kauf der Aktien darauf gesetzt, dass France Télécom mit der Beteiligung an Mobilcom künftig starke Erträge aus dem UMTS-Geschäft generieren würde.

Quelle: Handelsblatt

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