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Löw weist Bremer Kritik energisch zurück

Einen Tag vor der Abreise nach Teheran gaben Jürgen Klinsmann und Joachim Löw nicht nur im Training richtig Gas, sondern auch in Richtung SV Werder Bremen.

dpa MÜNCHEN. Einen Tag vor der Abreise nach Teheran gaben Jürgen Klinsmann und Joachim Löw nicht nur im Training richtig Gas, sondern auch in Richtung SV Werder Bremen.

Die erneute Kritik der Meistermacher Thomas Schaaf und Klaus Allofs an einer angeblichen Geringschätzung der Bremer Spieler im DFB-Trikot konterte die neue Nationalmannschaftsführung scharf und überzeugend. "Das ist absolut überzogen", sagte Klinsmanns Assistent Löw bei der Pressekonferenz im Münchner Mannschaftshotel und stellte kategorisch für die gesamte Bundesliga fest: "Es kann nicht sein, dass jemand dem Bundestrainer die Aufstellung aufdiktieren möchte."

Obwohl es nach dem Brasilien-Spiel ein klärendes Gespräch gegeben hatte, beklagten sich die Verantwortlichen an der Weser weiter darüber, dass bei dieser Partie in Berlin von fünf Werder-Akteuren nur Frank Fahrenhorst zum Einsatz gekommen war. Und weil Kapitän Frank Baumann nicht für das Iran-Spiel nominiert wurde, drohte Allofs in der "Sport-Bild": "Dann muss Frank daraus vielleicht auch seine Konsequenzen ziehen."

"Es ist nicht richtig, wenn man mit Konsequenzen droht", meinte Löw, der Schaaf und Allofs außerdem entgegen hielt: "Wir haben die Bremer Spieler stark gemacht. Bei der EM waren zwei Bremer dabei, jetzt waren es fünf in den ersten beiden Spielen." Fahrenhorst debütierte im ersten Länderspiel unter Klinsmann, Tim Borowski kehrte gegen Österreich nach zwei Jahren in die DFB-Auswahl zurück. "Und Miroslav Klose hat Jürgen Klinsmann Rückendeckung gegeben, als er zu Beginn in Bremen eine kleine Krise hatte", so Löw. Im Kader für das Iran-Spiel stehen lediglich drei Werder-Profis, aber nur, weil Fahrenhorst (Nasenbeinbruch) verletzt absagen musste und Baumann noch nicht wieder topfit ist. "Er hätte wahrscheinlich gegen den Iran gespielt, wenn er nicht verletzt gewesen wäre", sagte Löw.

Nach dem Ausfall von Bayern-Spieler Torsten Frings (Knie) hat Fabian Ernst nun die besten Karten, gegen den Iran im defensiven Mittelfeld als zweiter Bremer neben Klose zur Anfangsformation zu gehören. Von den beiden Neulingen im Aufgebot darf vor allem der im Training "frech und aggressiv" (Löw) auftretende Thomas Hitzlsperger (Aston Villa) auf sein Debüt hoffen. Nachdem auch Christian Wörns (Borussia Dortmund) wieder voll belastbar ist, dürfte Per Mertesacker (Hannover) dagegen wohl nur von der Ersatzbank aus zuschauen, wie der Routinier aus Dortmund gemeinsam mit Youngster Robert Huth verteidigt.

Länderspiel-Reisen seien auch dann wertvoll, wenn ein Spieler wenig oder gar nicht zum Einsatz komme, betonte Löw außerdem in Richtung Bremen: "Die Spieler sind hier nicht im Urlaub." Das bekamen Michael Ballack und Co. bei Temperaturen um 25 Grad, wie sie auch im fünf Flugstunden entfernten Iran herrschen, gleich zwei Mal im Training zu spüren. Denn das Testspiel ist nicht als lockerer Betriebsausflug geplant.

Noch "schneller, überzeugender und aggressiver" will Klinsmann seine Mannschaft im Azadi-Stadion auftreten sehen. "Hauptaufgabe ist, die positiven Akzente weiter zu verfolgen", ergänzte Team-Manager Oliver Bierhoff: "Natürlich war gegen Brasilien die Motivation einfacher, aber wir müssen auch gegen nicht so attraktive Gegner die Spielkultur weiter entwickeln." Es sei "hochspannend, gegen so eine unbekannte Mannschaft zu spielen", meinte Löw: "Und es ist wichtig, sich in einem solchen Spiel zu behaupten."

Die Spieler werden von Klinsmann nicht nur auf dem Platz mehr gefordert als während der Ära Rudi Völler. Auf einer DVD ließ das neue Trainerteam gute und schlechte Szenen eines jeden Akteurs zusammenschneiden, quasi ein erstes "Zwischenzeugnis" nach zwei Partien. "Wenn man den Spielern etwas aufzeigt, nehmen sie es eher an, als wenn man es nur sagt", erläuterte Löw.

Auch die Erkenntnisse aus dem ungewöhnlichen Fitness-Test mit US-Spezialisten während der Vorbereitung auf das Brasilien-Spiel liegen inzwischen vor und sollen konsequent umgesetzt werden. Zwei Mal 45 Minuten pro Woche sollen die Nationalspieler zukünftig neben dem Vereinstraining an Defiziten bei Schnellkraft, Schnelligkeit, Ausdauer oder Koordination arbeiten. "Den Spielern werden Ziele mitgegeben und wir wollen sehen, dass die Hausaufgaben gemacht werden", bemerkte Löw.

Mit einem schriftlichen Knigge werden die Spieler auf ihren Auftritt in Teheran vorbereitet. "Wir kommen in eine unbekannte Welt. Da herrschen andere Sitten, andere Bräuche, andere Verhaltensweisen - darauf muss man sich vorbereiten", erläuterte Löw.

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