„Löwen"-Chef mit höhnischem Gelächter von Fans verabschiedet
Der „Ober-Löwe" brüllt nicht mehr

Karl-Heinz Wildmoser ist als Konsequenz aus dem Schmiergeldskandal beim Bau der Allianz-Arena nach zwölf Jahren als "Ober-Löwe" als Präsident des Fußball-Bundesligisten 1860 München zurückgetreten. Indes hat der FC Bayern eine Zivilklage gegen Wildmoser junior angekündigt. Auch dem Senior droht eine Zivilklage, wenn sich die Vorwürfe gegen ihn bestätigen.

HB MÜNCHEN. Beim TSV 1860 München ist die "Ära" Wildmoser vorbei. Der Aufsichtsrat bestätigte nach seiner dreieinhalbstündigen Sondersitzung am Montag den Rückzug des 64-Jährigen und bestellte den bisherigen Aufsichtsrat Karl Auer zum Präsidenten. Wildmoser habe sein Amt auf eigenen Wunsch zur Verfügung gestellt, betonte das Gremium.

"Ich wollte Ruhe im Verein, dass die Spieler kein Alibi haben, wenn sie am Sonntag gegen Freiburg verlieren", sagte Wildmoser im Bayerischen Fernsehen, "1860 ist mir ans Herz gewachsen, aber wenn man zwölf Jahre lang permanent beschimpft und dumm angemacht wird, dann geht einem das irgendwann auf den Geist. In sechs Wochen kriege ich die Rente, die will ich genießen." Auer sagte in einer ersten Reaktion: "Es geht jetzt darum, weiteren Schaden vom Verein abzuwenden". Der 56-Jährige leitet eine Vertriebsfirma im oberbayerischen Holzkirchen und ist seit 1996 im Aufsichtsrat.

Die bisherigen Vize-Präsidenten Kurt Sieber und Paul Wonhas traten ebenfalls zurück. Der frühere bayerische Kultus- und Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU) ist neuer "Vize", der zweite Vertreter von Auer soll in einer Woche berufen werden. Neu besetzt werden auch die Posten des 1860-Geschäftsführers und des Geschäftsführers der Stadion-GmbH. Beide Ämter wurden von Karl-Heinz Wildmoser junior bekleidet. Als Technischer Direktor ist der ehemalige Manager des VfB Stuttgart, Rolf Rüssmann, im Gesprach. Rüssmann bestätigte im BR Kontakte zu den Sechzigern.

Mit höhnischen Gesängen verabschiedeten die Mehrheit der rund hundert Fans den alten "Löwen"-Chef, der kommentarlos das Vereinsgelände mit dem Auto verließ und sich zu einem geplanten TV-Auftritt begab. "Es war eine einvernehmlich Sitzung, mit deren Ergebnis alle zufrieden sind", sagte der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), der vor dem Treffen als Aufsichtsrats-Mitglied wegen des "erschütternden Schmiergeld-Skandals" seine Forderung nach dem Rücktritt von Wildmoser erneuert hatte. Der Großgastronom war am vorigen Freitag nach dreitätiger Haft gegen eine Kaution von 200 000 ? unter Auflagen freigelassen worden war. Gegen ihn besteht aber weiterhin Tatverdacht.

Seite 1:

Der „Ober-Löwe" brüllt nicht mehr

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%