Löwenanteil des Umsatzes entfällt nach wie vor auf Executive Search
Pech für die Jäger: Bedarf an Headhuntern sinkt

In Zeiten allgemeinen Personalabbaus sinkt auch der Bedarf an Headhuntern. Viele Personalberatungen, denen der Umsatz weggebrochen ist, reduzieren jetzt die Zahl ihrer Mitarbeiter.

Es will schon etwas heißen, wenn selbst Andrew J. McKelvey ein Klagelied anstimmt. Vor kurzem musste der bislang stets erfolgsgewohnte Chef des New Yorker Marketing- und Personalberatungskonzerns TMP Worldwide seine Ergebnisprognosen für das dritte Quartal 2001 senken. Der Konjunkturknick infolge der Terroristenattacken vom 11. September zwinge ihn zu dieser Maßnahme, so McKelvey. Als dann auch noch der Finanzchef des Konzerns, Bart Catalane, Anfang November seinen Job quittieren musste, sackte der Aktienkurs von TMP um fast fünf Prozent ab.

Gespannt warteten Analysten und Investoren am Montag dieser Woche auf die Bekanntgabe der aktuellen TMP-Zahlen. Nicht nur wegen des Ausscheidens von Catalane waren sie auf das Schlimmste gefasst. So berichtete das US-Arbeitsministerium am 2. November über den steilsten Anstieg der Arbeitslosenquote in 21 Jahren. Sie liegt jetzt bei 5,4 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung. Und zwei Wochen zuvor hatte das Marktforschungsunternehmen Hunt-Scanlon Advisors eine Prognose veröffentlicht, wonach die amerikanischen Headhunter in diesem Jahr knapp ein Drittel weniger Geschäft machen dürften als im Jahr 2000.

Die laufenden Kosten fressen die liquiden Mittel auf

Umso größer war die Erleichterung, als McKelvey endlich seine Zahlen präsentierte. Demnach kletterte das Nettoergebnis von 21 Millionen $ (3. Quartal 2000) auf 25,6 Millionen $ (3. Quartal 2001). Das ist immerhin ein Plus von 22 Prozent. Dennoch zeigte sich der Manager unzufrieden: Der Gewinn falle niedriger aus als gewünscht, so McKelvey.

Der Grund für das bescheidene Ergebnis ist jedoch nicht so sehr in den konjunkturellen Folgen der Terroranschläge zu suchen. Das jetzt vorgelegte Zahlenwerk zeigt vielmehr den Effekt von McKelveys atemberaubender Expansionspolitik. Der Manager hat in den vergangenen Jahren nicht nur die weltgrößte Internet-Stellenbörse Monster.com aufgebaut, sondern auch - gestützt auf den einst stolzen Aktienkurs von TMP - reihenweise und rund um den Globus Personalberatungs- und Headhuntingfirmen, etwa Tasa International, zusammengekauft. Heute beschäftigt der 1967 gegründete Konzern über 10 500 Mitarbeiter in 33 Ländern.

Jetzt fressen die laufenden Kosten, welche die Neuerwerbungen nach sich ziehen, die liquiden Mittel auf. Ende Juni saß McKelvey noch auf einer mit 540,8 Millionen $ prall gefüllten Kriegskasse. Ende September waren davon noch 317,6 Millionen $ übrig. Allein im dritten Quartal 2001 hat TMP also über 223 Millionen $ verbraten. Würde man die akquisitionsbedingten Kosten weg rechnen, stünde der Konzern weitaus besser da. Das Ergebnis des dritten Quartals betrüge dann knapp 40 Millionen $, ein Zuwachs von fast 10 Millionen $ oder gut einem Drittel im Vergleich zum entsprechenden Quartal des Vorjahres.

Doch McKelvey weiß, wie man Investoren bei Laune hält. Mitte Oktober kündigte er einen tiefgreifenden Umbau der Organisation an, der vor allem eine straffere Führung ermöglichen soll. Statt wie bisher nach Dienstleistungen richtet sich der Konzern jetzt primär nach Regionen aus. Dem Revirement fielen bereits einige hochrangige Manager zum Opfer. Neben Finanzchef Catalane musste auch Steven B. Potter, Chef der weltweiten Executive Search Division von TMP, seinen Hut nehmen.

Kooperation mit Microsoft sorgt für Aufschwung

Aufgerückt sind dagegen vor allem jene Führungskräfte, die sich wie Jeff Taylor, Nummer eins bei Monster.com, beim Aufbau des internetgestützten Geschäfts bewährt haben. Taylor rückt in das oberste Entscheidungsgremium des Konzerns auf und darf sich jetzt "Global Director of Interactive" nennen. Das alles soll zeigen, dass McKelvey nicht nur kaufen, sondern auch führen und notfalls hart durchgreifen kann.

Damit aber nicht genug. Am Montagmorgen zauberte der TMP-Primus auch noch eine kleine Sensation aus dem Zylinder: Monster.com wird der bevorzugte Lieferant für Karriere-Inhalte für Microsofts Internet-Tochter MSN. Mit dieser Allianz kann McKelvey seinen Spitzenplatz unter den Online-Recruitern ausbauen und so eine der wenigen Erfolgsgeschichten der New Economy schreiben. Wie erwartet reagierte die Börse positiv. Der Aktienkurs von TMP schoss am Montag um rund zehn Prozent nach oben.

Am Montagabend musste auch Piers Marmion, Chef des Headhunting-Konzerns Heidrick & Struggles, Rechenschaft über den Lauf der Geschäfte ablegen. Keine leichte Aufgabe, denn anders als TMP schreibt Heidrick & Struggles zurzeit tiefrote Zahlen. Im dritten Quartal 2001 kühlte sich das Geschäft merklich ab. Die Umsätze des gesamten Konzerns, also nicht nur aus dem Geschäft mit der Suche nach Managern, sondern einschließlich der Einnahmen der Internet-Tochter Leaders Online, sanken von 148,1 Millionen $ (drittes Quartal 2000) auf 104,6 Millionen $. Das ist ein Minus von 29 Prozent.

Executive Search bringt nach wie vor das große Geld

Der Löwenanteil des Umsatzes entfällt nach wie vor auf den Bereich Executive Search. Hierzu zählt nicht nur das Geschäft mit der Suche nach Managern im Wege der Direktansprache, sondern auch damit zusammen hängende Dienstleistungen wie Management Audits, also Analysen des Managementpotentials von Unternehmen. Heidrick & Struggles kassierte im vergangenen Quartal in diesem Geschäftsbereich 99 Millionen $ an Honoraren. Das ist ein Minus von 30 Prozent im Vergleich zum Quartal des Vorjahres.

Am stärksten schrumpfte das Geschäft der Executive Search Division in Nordamerika. Hier fielen die Honorareinnahmen von 87,8 Millionen $ auf 54,6 Millionen $, ein Minus von 38 Prozent. In Europa erzielte der Bereich Executive Search immerhin noch Honorareinnahmen in Höhe von 33,9 Millionen $, 17 Prozent weniger als im Vergleichsquartal des Vorjahres, wo man noch 41,1 Millionen $ eingenommen hatte.

Marmion muss jetzt auf die Kostenbremse treten. Mitte des Jahres wurden bereits rund 300 Beschäftigte entlassen, jetzt müssen weitere 335 Mitarbeiter, immerhin rund 16 Prozent der Belegschaft, ihren Hut nehmen. Der Sparkurs macht sich bereits bemerkbar: Hatte Heidrick & Struggles im Vergleichsquartal des Vorjahres noch 98,5 Millionen $ an Gehältern für seine Angestellten ausgegeben, so sind es heute lediglich 77,5 Millionen $, ein Minus von über 20 Prozent. Und: Auch Heidrick & Struggles trennt sich von seinem Finanzchef, jedoch nicht so abrupt wie bei TMP geschehen. Donald M. Kilinski, so der Name des scheidenden Managers, darf noch bis Ende des Jahres bleiben.

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