Logistiker sind gefragt
Der Nachschub rollt nicht

Die Gottschalk-Brüder sausen mit einem Mercedes-Van über eine kurvige Landstraße und werden dabei in ihrem Deutsche-Post-World-Net-Spot pädagogisch: Sie machen klar, wie wichtig jedes einzelne Autoteil ist, um sicher ans Ziel zu kommen. Im Falle des Mercedes seien es 1 650 Bestandteile von mehr als 300 Lieferanten aus ganz Europa.

Damit jährlich 50 000 Kleinbusse dieser Baureihe reibungslos vom Daimler Chrysler-Werk in Berlin-Ludwigsfelde vom Band rollen, sind Logistiker gefragt. Und sie werden als Fachmänner für Beschaffung, Materialfluss, Kontrolle, Qualität und Kostensenkung nicht nur in der Autoindustrie immer wichtiger.

"Top-Logistiker zählen seit einigen Jahren zu den am meisten gesuchten Fachkräften auf dem nationalen und internationalen Arbeitsmarkt", beobachtet Helmut Baumgarten, Leiter des Bereichs Logistik der TU Berlin. Der Bereich Logistik werde in einer globalisierten Wirtschaft immer bedeutender: Warenströme werden komplexer und Anforderungen an problemlose Abläufe größer.

Logistiker als Schlüsselfiguren

Baumgarten sieht Logistiker als kommende Schlüsselfiguren im Management, weil sie bei immer austauschbareren Produkten dafür sorgen, dass Neuheiten schneller auf den Markt kommen und dann rascher und bequemer den Kunden erreichen - und Geschwindigkeit ist ein Wettbewerbsvorteil. "Kurzlebige Märkte, verkürzte Produktlebens- und Innovationszyklen sowie die weltweite informationstechnische Vernetzung erfordern immer schnellere und bessere Logistiksysteme", sagt der Wissenschaftler voraus.

Das heißt auch: Das letzte Stündlein für den sich emsig hocharbeitenden Lageristen und Speditionskaufmann hat geschlagen: "Das ist ein Feld für hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte geworden, die über eine solide Ausbildung, etwa als Wirtschaftsingenieur mit der Spezialisierung auf Logistik, verfügen", sagt Kurt Redeker, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Fördertechnik Materialfluss Logistik (VDI-FML). Ein Trend, der führungserfahrene Manager zur Mangelware macht. Wenn Markus Biercher von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) für einen Logistik-Manager ein Stellengesuch schaltet, erreichen ihn in der Regel 15 bis 20 Anfragen. Zwar hätten die Terroranschläge vom 11. September zu einem leichten Knick in der hohen Nachfrage geführt - "an den hervorragenden Chancen für Führungskräfte auf dem Arbeitsmarkt hat das aber nichts geändert".

Besonders bei kundennahen Dienstleistungen mit Schwerpunkt Beschaffung, Produktion, Materialwirtschaft sowie Lager- und Distributionslogistik sei eine deutliche Nachfragesteigerung quer durch alle Branchen zu verzeichnen. "Da macht sich bemerkbar, dass viele Unternehmen diese Bereiche auslagern und sich auf die Produktion konzentrieren, weil darin große Sparpotenziale gesehen werden", erklärt Biercher. Nach einer Studie des Bundesverbands Spedition und Logistik (BSL) übernimmt jeder fünfte Speditionsbetrieb für seinen Auftraggeber die Beschaffungslogistik - von der Lagerung, über den Versand, die Lieferung mit Inkassoabwicklung bis zur Entsorgung und Logistikberatung.

Das Marktvolumen von Logistikdienstleistungen liegt derzeit bei 124 Milliarden Euro. Die Gesellschaft für Verkehrsbetriebswirtschaft und Logistik (GVB) rechnet in den kommenden fünf Jahren mit einer Steigerung von mehr als 9 Milliarden Euro. Für den Arbeitsmarkt dürfte vor diesem Hintergrund kaum Entspannung zu erwarten sein. Schon jetzt klagen Industrieunternehmen, dass sie mangels Nachfrage einige führende Positionen nicht besetzen konnten.

Der Logistikdienstleister P&O Trans European beispielsweise besetzt in diesem Jahr 15 bis 20 neue Stellen mit Hochschulabsolventen. Weitere 5 bis 7 erfahrene Kräfte sollen an Bord kommen - ein Zuwachs wie schon im vergangenen Jahr, wie Führungskräfteentwickler Frank Spiekermann sagt. . P&O sucht besonders Kräfte mit Kompetenzen im Warehousemanagement, der Prozessplanung, Ablauforganisation und im länderübergreifenden Projektmanagement.

Bei Daimler Chrysler dagegen werden Prozessmanager gebraucht, die die Fähigkeit haben, globale Netzwerke zu bilden, die firm im E-Commerce sind und sich im Supply Chain Management auskennen. Durchweg alle Unternehmen fordern fundierte IT-, BWL- und Prozessorganisationskenntnisse sowie ein gutes technisches Verständnis. Verhandlungssicheres Englisch ist selbstverständlich, zwei weitere Fremdsprachen sollten beherrscht werden. Standards bei Siemens sind Kompetenzen in der elektronischen Auftragsabwicklung, im Kosten- oder Asset-Management, im Prozesskosten- und Bestandskosten-Controlling.

Auch die Kaufhof Warenhaus AG verlangt von ihren Logistikern Controlling- und Kostenrechnungskenntnisse. Daran zeigt sich der Trend, dass es eine wesentliche Aufgabe von Logistikern ist, Kosten zu senken. Allein an Logistikern sparen Unternehmen nicht: Einstiegsgehälter liegen bei 40 000 Euro. Nach erfahrenen Kräften macht sich Headhunter Michael Pfister von der Reinecke & Associates Managementberatung in Hamburg auf die Suche.

Ein zuweilen schwieriges Geschäft: "Der Sektor boomt, und es ist kein Ende abzusehen." Einen Wechsel lassen sich Top-Kräfte in Ausnahmefällen mit bis zu 250 000 Euro Jahresgehalt honorieren. Der übliche Gehaltsrahmen bewege sich zwischen 50 000 und 150 000 Euro. Pfister sieht künftig noch stärkeren Bedarf in der IT-Branche, die das Feld Logistik noch spärlich bestellt habe. Schließlich entscheidet "die letzte Meile" über den Erfolg im E-Business. Denn was nutzt ein schneller Bestellklick, wenn die Ware Tage später kommt oder nach gescheiterten Zustellversuchen persönlich in der Post-Filiale abgeholt werden muss?

Weitere Informationen über die Branche, den Stellenmarkt und Karrieretipps finden Sie unter www.logistic-net.com

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