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Logistikriese statt Schneckenpost

Strategisch ist die Post auf dem richtigen Weg. Doch bis sich die Pläne von Konzernchef Klaus Zumwinkel auszahlen, wird es noch dauern. Eine wichtige Rolle spielt die Liberalisierung.

DÜSSELDORF. Post-Chef Klaus Zumwinkel kennt sein Geschäft aus dem Effeff. Sogar als Postbote hat er seinem Konzern bereits gedient. "Sie werden lachen, das habe ich gemacht - Briefe von Haustür zu Haustür", verriet Zumwinkel jetzt der Zeitschrift "Bunte". Doch nicht nur als Briefträger hat Zumwinkel die Post voran gebracht: Durch rund 40 Übernahmen im Wert von etwa sechs Milliarden Euro hat er den Bonner Konzern zum weltgrößten Logistikanbieter mit einem Umsatz von hochgerechnet rund 30 Milliarden Euro gemacht. Damit verweist die Post den US-Paketriesen UPS, den Expressspezialisten FedEx und die niederländische TNT Post Groep (TPG) auf die hinteren Ränge.

Freundlicher Börsenstart erwartet

Pünktlich zum Börsengang am 20. November will Zumwinkel den einst trägen Staatskonzern als agilen Komplettdienstleister präsentieren. Die Börsenreife spricht der Post kaum ein Analyst ab. Die Mehrheit rechnet angesichts der millionenschweren Werbekampagne und der Aussicht auf einen schnellen Aufstieg in den Deutschen Aktienindex mit einem freundlichen Börsenstart der "Aktie Gelb". Auf längere Sicht teilen allerdings viele Fachleute die Bedenken von Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz. Kurz sieht die Gefahr, dass "der Kurs vor sich hindümpelt", falls die Post die Herausforderungen im hart umkämpften Logistikmarkt und die Risiken im Briefgeschäft nicht bewältigen kann.

An der Strategie Zumwinkels haben die Analysten wenig auszusetzen. Der gelbe Riese agiert in allen vier Geschäftsfeldern Brief, Express, Logistik und Finanzdienstleistungen auf Wachstumsmärkten. Sicher scheint, dass die Post vom Internetboom, Stichwort E-Commerce, profitieren wird. Schließlich muss jemand die im Netz bestellten Waren ausliefern. Susan Donofrio von der Investmentbank Deutsche Banc Alex Brown geht davon aus, dass in drei Jahren siebenmal so viel über das Internet umgesetzt wird wie noch 1999, als der elektronische Handel mit Endkunden einen Umsatz von 20 Milliarden Dollar brachte. Von diesem Kuchen will sich die Post ein großes Stück abschneiden.

Gewinne hauptsächlich im Monopolbereich

Entscheidender ist aber das Thema Liberalisierung der internationalen Postmärkte. Das heißt: Vom Tempo der Öffnung der Postmärkte in Europa hängt die Entwicklung des Konzerngewinns ab. Im ersten Halbjahr 2000 erzielte die Post im monopolgeschützten Briefbereich 35 Prozent des Gesamtumsatzes, aber 77 Prozent ihres Gewinns. In der starken Abhängigkeit vom Briefverkehr sehen unabhängige Analysten wie Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler denn auch eine der großen Gefahren. Aber auch die Konsortialbanken räumen Risiken ein. Sie gehen davon aus, dass der Bonner Konzern nach Auslaufen des Monopols Ende 2002 fünf Prozent seines Marktanteils verliert und mit einem Preisrückgang von drei Prozent rechnen muss. Zumwinkel hat das Problem erkannt. Er will mittelfristig die Hälfte des Konzerngewinns außerhalb des Briefbereichs erwirtschaften. Dann müsste die Post allerdings in den Sektoren Express, Logistik und Finanzdienstleistungen deutlich bessere Renditen als heute erzielen. Insgesamt sagen die Analysten der Konsortialführer UBS Warburg und Deutsche Bank der Post in den kommenden Jahren nur ein verhaltenes Gewinnwachstum voraus. Beide prognostizieren für 2000 zwar einen Anstieg des Nettoergebnisses von 1,1 auf 1,5 Milliarden Euro. Doch bis 2002 rechnen die Analysten nur mit stagnierenden Gewinnen.

Geldmaschine Briefverkehr

Zumindest in den nächsten zwei Jahren wird der Briefverkehr noch die Geldmaschine der Post bleiben. Die UBS-Analysten prognostizieren hier bis 2002 eine Umsatzrendite vor Steuern von mehr als 17 Prozent jährlich. Für die Sparten Express und Logistik sagen die Experten zwar ein starkes Wachstum voraus, doch absolut gesehen werden die Margen mit 2,6 Prozent im Expressgeschäft und 2 Prozent in der Logistik voraussichtlich mager bleiben. "Mit Express und Logistik verdient die Post kaum Geld", klagt denn auch Analyst Pieper. "Hier hinken die Bonner den Marktführern wie UPS weit hinterher."

Kurs-Gewinn-Verhältnis zwischen 12 und 15 erwartet

Diesem Nachholbedarf haben die Konsortialführer mit ihrer Post-Bewertung Rechnung getragen. UBS Warburg geht von einem Wert je Aktie von 18,50 bis 22,40 Euro aus. Mit 19,80 Euro bis 25,20 Euro liegt die Schätzung der Deutschen Bank nicht weit entfernt. Damit bewerten die Institute die Post im Vergleich zur Konkurrenz konservativ. UBS sagt der Post für 2001 einen Gewinn je Aktie von 1,50 Euro voraus. Auf Basis dieser Schätzung käme die "Aktie Gelb" auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 12 bis 15. Zum Vergleich: Die UPS-Aktien werden derzeit mit einem KGV von 22 gehandelt. Die niederländische TPG kommt auf ein KGV von 20,5. Lediglich FedEx bewegt sich mit einem KGV von 16 auf dem Post-Niveau. Logistik gilt den Analysten zwar noch immer als aussichtsreiche Wachstumsbranche, doch an der Börse schnitten die Post-Konkurrenten unterschiedlich ab. Während die Fedex-Papiere in den vergangenen zwölf Monaten knapp 30 Prozent zulegten, kamen die UPS-Aktien in dieser Zeit quasi nicht voran.

FAHRPLAN:

28. Oktober: Die Post veröffentlich die Preisspanne für ihren Börsengang und nennt Details zum Bonusprogramm.

30. Oktober: Die Zeichnungsfrist für die "Aktie Gelb" beginnt. Start der Werbetour bei den Großinvestoren.

10. November: Die Frühzeichnerphase mit Treueaktien und Rabatten für Privatanleger endet.

16. November: Ende der Zeichnungsfrist. Am 20. November soll die Post erstmals an der Börse notiert werden.

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