Logistische Lösungen für Warenbestellungen im Internet
E-Commerce: Bestellt und nicht zugestellt?

Schnelligkeit, Transparenz, grenzenloser Zugriff: Die Vorzüge des E-Commerce kommen nur dann richtig zum Tragen, wenn die bestellten Waren auch problemlos zugestellt werden können. Doch bei der Auslieferung gibt es häufig ein Problem. Zugestellt wird nämlich nach wie vor tagsüber und nicht nach Dienstschluss. Eine Schwierigkeit, die zu Kosten treibenden Zweit-, Dritt- und Viertversuchen führt, falls man die Kunden nicht - wie etwa die Deutsche Post - in eine Filiale bitten kann, um die Sendungen abzuholen.

An einer Lösung des Problems hat der Dortmunder Diplom-Ingenieur Jörg Faßbender, Gründer der Start-Up Firma Condelsys, getüftelt. Seine Boxen zum Preis von 200 bis 300 Mark will er in Kürze auf den Markt bringen. Das Konzept: Zusteller können ihre Pakete in einer Kiste hinterlegen, die wie ein Briefkasten an der Haustür des Empfängers installiert wird. Das besondere daran ist das Schloss. Durch einen öffentlichen und einen privaten Code sind die Boxen nicht an einen bestimmten Zusteller gebunden, sondern können von jedem beliebigen Lieferanten bedient werden. Der öffentliche Code zum Öffnen einer leeren Box ist Bestandteil der Lieferadresse. Ist die Box einmal gefüllt und geschlossen, ist der öffentliche Code gesperrt. Erst wenn der Besitzer der Box diese mit seinem privaten Code öffnet, die Ware entnimmt und die Türe schließt, ist der öffentliche Code wieder aktiviert. So muss der private Code nicht an andere weitergegeben werden und birgt deshalb kein Sicherheitsrisisko. Der Nachteil: Ist die Box einmal voll, kann kein zweiter Lieferant seine Ware hinterlegen.

"Der große Vorteil des Systems ist, dass der Kunde keine zusätzlichen Wege zurücklegen muss. Die Waren werden bis an die Haustüre geliefert", erklärt Jörg Faßbender, der ein halbes Jahr lang an seiner Erfindung gearbeitet hat. Er ist überzeugt davon, dass sich seine Boxen am Markt durchsetzen. Mut macht ihm eine gemeinsame Umfrage mit dem Fachbereich Logistik der Universität Dortmund unter 1260 Internetnutzern. Die Mehrheit der Befragten (64 Prozent) sprach sich für die Heimzustellung aus.

Zbox.com, eine amerikanische Firma mit Sitz in San Francisco, setzt ebenfalls auf Paketboxen für die Haustüre. Die "Zboxen" haben jedoch den Nachteil, dass der Schlüsselcode sowohl Zulieferern als auch Empfängern bekannt sein muss. Der Box-Besitzer muss seine persönliche Zahlenkombination also einer weiteren Person mitteilen - das birgt ein Sicherheitsrisiko.

Auch das System der US-Supermarktkette Streamline funktioniert nur in begrenztem Rahmen. Da die Boxen dem Unternehmen gehören und lediglich vermietet werden, haben fremde Zulieferer keinen Zugang zu ihnen.

Ein Nachteil sämtlicher Heimzustellungssysteme ist, dass keine Empfangsbestätigungen ausgestellt werden. Lieferungen, für die ein Nachweis erforderlich ist, können also nicht einfach in den Boxen hinterlegt werden.

Alternative zur Heimzustellung

An eine Alternative zur Heimlieferung glaubt die Pick Point AG aus Darmstadt. Seit September 2000 können sich Online-Shopper Waren an einen sogenannten "Pick Point" liefern lassen. Zu diesem Zweck hat das Unternehmen verschiedene Tankstellenketten als Partner gewinnen können. Bislang gibt es rund 1 200 "Pick Points" in ganz Deutschland - im Vergleich zur Deutschen Post mit bundesweit 13 500 Filialen nicht gerade viel. Ist die Ware eingetroffen, werden die Kunden per SMS oder E-Mail informiert. Seit Ende Februar ist es möglich, das System von jedem Webshop aus zu nutzen. Ausgeliefert werden die Pakete von UPS, TNT und dem deutschen Paketdienst.



"Unser System hat den Vorteil, dass die Auslieferer Zeit und Geld sparen können, weil sie nur einen Punkt anfahren müssen, um mehrere Sendungen auszustellen", erläutert Pressesprecherin Susanne Mickan. "Das bedeutet deutliche Einsparungen für die Logistiker." Der Nachteil: Die Kunden müssen zusätzliche Wege zurück legen. Außerdem kostet der Service extra: 3 bis 6 DM muss der Empfänger je nach Größe der Sendung berappen.

Auch Shopping Box-Kunden müssen Umwege in Kauf nehmen, um ihre Bestellungen abzuholen. Deponiert wird die Waren in Schließ-Fächern, je nach Erfordernis ungekühlt, gekühlt oder tiefgekühlt. Der Kunde identifiziert sich mit EC-Karte und persönlicher Kundennummer und öffnet das angezeigte Fach. Abgerechnet wird bargeldlos. Bislang gibt es das Modell allerdings nur in Frankfurt.

Stolperstein Kosten

Prof. Uwe Clausen, Institutsleiter des Dortmunder Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik, glaubt, dass sich Abholsysteme langfristig durchsetzen werden. Trotz aller Bequemlichkeits-Vorteile bei der Heimlieferung seien die Anschaffungskosten für die Boxen für die breite Masse zu hoch.

"Dass Kunden für die Auslieferung bezahlen müssen, ist ein Nachteil von Systemen wie Pick Point. Ein System rechnet sich idealerweise allein durch die logistischen Vorteile. Wir halten das für möglich", meint der ehemalige Amazon Logistik-Leiter. Sein Kollege Prof. Micheal ten Hompel im Fraunhofer Institut entwickelt derzeit selbst ein Warenübergabesystem, den sogenannten "Tower 24". Im Herbst 2001 soll diese vollautomatische Pick-up-Station im Technologiepark Dortmund den Probebetrieb aufnehmen.

Clausen ist davon überzeugt, dass der Markt für alternative Zustellsysteme in nächster Zeit noch deutlich zunehmen wird. "Die Nachfrage ist offenkundig. Man kann heute einfach nicht mehr automatisch erwarten, dass jemand tagsüber Zuhause ist."

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