Lohnbegrenzungen lösen Problem nicht: IWF: Deregulierung brächte zehn Prozent Wachstum

Lohnbegrenzungen lösen Problem nicht
IWF: Deregulierung brächte zehn Prozent Wachstum

Wenn in der Euro-Zone die Arbeitsmärkte so dereguliert und die Konkurrenz so scharf wären wie in den USA, würde die Wirtschaft nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) langfristig um zehn Prozent wachsen.

HB/dpa WASHINGTON. In dem jüngsten IWF-Weltwirtschaftsausblick rechnen die Experten vor, allein die Liberalisierung strikter Arbeitsmarktgesetze würde die Arbeitslosigkeit um rund 3,5 Prozentpunkte senken.

Der IWF-Weltwirtschaftsausblick mit Wachstumsprognosen erscheint am Mittwoch kommender Woche, drei Tage vor dem Frühjahrstreffen von IWF und Weltbank. Die analytischen Kapitel des Berichtes wurden am Donnerstag veröffentlicht. Neben der Arbeitslosigkeit beschäftigte sich der IWF darin auch mit der jüngsten weltweiten Konjunkturflaute.

"Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in manchen Industrieländern - besonders in Europa - ist der wohl markanteste Misserfolg der Politik der vergangenen zwei Jahrzehnte", schrieb der IWF. In den meisten Ländern sei die hohe Arbeitslosigkeit strukturell bedingt. Großzügige Arbeitslosenversicherungen, starke Gewerkschaftsorganisation und gesetzliche Entlassungsbremsen erhöhten die Arbeitslosigkeit.

Allein mit Lohnbegrenzungen könne das Problem langfristig nicht gelöst werden, schrieb der IWF. Er verweist auf Studien, wonach eine Reduzierung der Sozialabgaben auf Arbeitgeberseite vor allem ungelernten Arbeitern neue Chancen gibt. Auch die Senkung der Grenzsteuersätze sei Anreiz für Arbeitssuchende.

Nach der Modellrechnung des IWF brächte die Lockerung der Beschäftigungsbestimmungen nach US-Muster die Arbeitslosenquote in der Euro-Zone langfristig um 1,7 Prozent herunter, die Reduzierung des Arbeitslosengeldes auf US-Niveau um 1,3 Prozent und eine Steuersenkung 0,4 Prozent. Arbeitslose erhalten in den USA nur sechs Monate etwa die Hälfte ihres Bruttolohns bis zu bestimmten Höchstsätzen. Im Bundesstaat Maryland sind das 310 Dollar pro Woche.

Die Konjunkturflaute, die mit dem Platzen der Technologieblase vor zwei Jahren weltweit hereinbrach, ist weniger schwer als die Anfang der 90er Jahre, schrieb der IWF, und nennt drei Gründe: Die Aktienpreise seien zwar eingebrochen, aber immer noch höher als vor dem Boom, die Notenbanken hätten die Zinsen erheblich gesenkt und die Unternehmen im Boomsektor, der Telekomindustrie, hätten sich überwiegend über Aktienkapital und nicht Schulden finanziert.

Dennoch sei der Verschuldungsgrad vor allem europäischer Unternehmen hoch. Diese behindere Investitionen, weil auf Gläubigerseite wenig Bereitschaft zur Finanzierung hochverschuldeter Unternehmen bestehe. Diese Folgen der hohen Fremdkapitalaufnahme radierten positive Effekte von Zinssenkungen aus, schrieb der IWF.

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