Lohnstückkosten sinken
Stärkster Anstieg der US-Produktivität seit 19 Jahren

Die Produktivität der US-Wirtschaft ist im ersten Quartal 2002 so stark gestiegen wie seit rund 19 Jahren nicht mehr. Zugleich sanken die als wichtiger Indikator für die Inflationsentwicklung in den USA geltenden Lohnstückkosten überraschend deutlich.

Reuters WASHINGTON. Die am Dienstag vom Arbeitsministerium vorgelegten Daten zeigen nach Einschätzung von Analysten, dass auf der US-Notenbank (Fed) kein Druck für eine rasche Leitzinserhöhung lastet. Die Fed beriet am Dienstag turnusmäßig über die Zinspolitik. Der Produktivitätszuwachs von 8,6 %, der die Erwartungen der Analysten von 6,9 % deutlich übertraf, war der stärkste seit dem zweiten Quartal 1983.

Die stündliche Produktion je Arbeitskraft (Produktivität) außerhalb des Agrarsektors war im letzten Vierteljahr 2001 nach den revidierten Daten des Ministeriums auf das Jahr hochgerechnet bereits mit 5,5 % gestiegen. Analysten führten das unerwartet starke Plus im ersten Quartal unter anderem darauf zurück, dass die Unternehmen im Zuge der nur schleppenden Konjunkturerholung weitere Kosten gestrichen und Arbeitsplätze abgebaut haben. Zugleich sei aber auch die Produktion deutlich gestiegen.

Die Lohnkosten je produzierter Einheit (Lohnstückkosten) sanken den Angaben zufolge um 5,4 % nach einem revidierten Minus von 3,1 % im Vorquartal. Gestiegene Produktivität bei rückläufigen Lohnstückkosten wird von Analysten grundsätzlich als positives Signal für die weitere Entwicklung der Unternehmensgewinne gewertet. Denn dieses Zusammenspiel ermöglicht den Firmen technologiegetriebene Produktionszuwächse ohne gleichzeitige Kostensteigerungen. Zudem erhöhen die rückläufigen Lohnstückkosten nach Einschätzung der Analysten der DGZ DekaBank die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Unternehmen wieder neue Arbeitsplätze schaffen.

Inflationsgefahren kaum vorhanden

Die Daten zeigen Analysten zufolge zudem einmal mehr die kaum vorhandenen Inflationsgefahren für die weltgrößte Volkswirtschaft. "Das sind die Art Nachrichten, die die Fed gerne sieht: Die Inflation wird in nächster Zeit nicht zu einem Problem werden und ermöglicht daher eine Zeit lang unveränderte Leitzinsen", sagte Gary Thayer, Chefvolkswirt von A.G. Edwards & Sons.

Die meisten Analysten erwarten frühestens in der zweiten Jahreshälfte erste Zinserhöhungen der Fed, da die Konjunkturerholung bislang eher schleppend verlaufen ist. "Mindestens bis August werden wir keine Anhebung sehen", sagte John Lonski, Chefvolkswirt von Moody's Investors Service in New York. Die Produktivität ist in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu einem Schlüsselindikator für die Geldpolitik der US-Notenbank geworden. Eine Änderung des Schlüsselzinses von derzeit 1,75 % wurde auch von der Sitzung am Dienstag nicht erwartet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%