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Lohnt sich schneller lesen?

Der amerikanische E-Book-Verlag "Rosetta Books" verkauft erstmals ein digitales Buch mit begrenzter Lesezeit. Zehn Stunden hat der Nutzer für den Krimi "And then we were none" von Agatha Christi und zahlt dafür einen Dollar. Der Vertrieb elektronischer Bücher soll damit offenbar flexibler werden, aber was ist mit dem Lesespaß für den Kunden?

DÜSSELDORF. "Kauft den Thriller von Agatha Christi inklusive eines Seitenumblätterers und schlagt die Uhr", fordert der virtuelle Buchladen auf seiner Homepage die Lesergemeinde auf. Der Krimi lässt sich zwar beliebig häufig öffnen, sind die zehn Stunden für die immerhin 275 Seiten jedoch abgelaufen, bleibt das Buch geschlossen. Ausdrucken lässt sich der Klassiker nicht, also bleibt nur, für einen weiteren Dollar erneut zehn Stunden zu erwerben oder direkt die zeitlich unlimitierte Version für fünf Dollar zu kaufen. Die Technologie für das elektronische Buch auf Zeit stammt von dem Unternehmen "Reciprocal".

Das Zeitlimit und der Preis sind aber nicht die einzigen Hürden, die der Leser zu überspringen hat, um in den "Genuss" zu kommen, ein Buch am Bildschirm zu lesen. Vorher muss er nämlich erst noch den "E-Book-Reader" installieren (der immerhin 16 MB auf der Festplatte einnimmt), was nur erfolgen kann, wenn sich der Nutzer zuvor ein Microsoft-Passwort für das erforderliche Passwort-Konto gesichert hat...

Mal ehrlich: Wo bleibt da der Spaß für den Leser? Wem es Gaudi bereitet, Bücher am Bildschirm zu lesen, soll es ruhig tun. Auch wenn der Monitor den Lesespaß zu einem "stationären Vergnügen macht" - viel Spaß in der Badewanne ;-). Es sei denn, der Nutzer verfügt über ein sogenanntes E-Book, das unhandliche, digitale Surrogat eines jeden Buches aus Fleisch und Blut respektive Karton und Papier. Aber diese sollen doch in den Online-Regalen vergammeln.

So musste Stephen King seine Online-Publikation "The Plant" einstellen, weil die Leser nicht zahlen wollten. Ob das an der Qualität des Romans lag, sei dahingestellt. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass die Kunden einfach keine Lust auf diese Art des Vertriebs bzw. Bücherlesens hatten - umständlicher und unspontaner kann Lesen doch wohl kaum sein. Zumindest hier in Deutschland hat sich das E-Book auch als viel zu "nischig" erwiesen, um sich als Erfolgsschlager zu entpuppen.

Ob es Rosetta Books ähnlich ergeht, bleibt abzuwarten. Die Zeit für das Lesen eines Buches im Internet zu begrenzen, mag für Verlage möglicherweise eine weitere Spielart sein Umsätze zu generieren. Für den Nutzer ist es neben der Tatsache online gehen zu müssen, sich zu registrieren, per Kreditkarte zu zahlen und erst noch den "E-Book-Reader" herunter zu laden lediglich eine weitere lästige (Lese)Beschränkung.

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