London übernimmt die Regierung
Nordirland verliert Autonomie

Nordirland steht wieder unter britischer Direktherrschaft. Die katholisch-protestantische Regionalregierung und das Regionalparlament Nordirlands wurden heute von Großbritannien auf unbestimmte Zeit suspendiert.

HB/dpa BELFAST/LONDON. Wie der britische Nordirland-Minister John Reid mitteilte, gilt die Regelung von Dienstag 1 Uhr MESZ an. Es ist die vierte Aussetzung der Autonomie in drei Jahren.

Minister Reid und Premierminister Tony Blair kamen damit dem Auseinanderbrechen der Regionalregierung zuvor. Regierungschef David Trimble wäre sonst an diesem Dienstag zurückgetreten. Der Führer der protestantischen Ulster Unionisten wollte nicht mehr zusammen mit der IRA-nahen Partei Sinn Fein in einer Regierung sitzen. Der Grund dafür ist, dass mehrere Sinn-Fein-Mitglieder verdächtigt werden, das britische Nordirland-Ministerium für die Terror-Organisation IRA ausspioniert zu haben.

Die britischen Medien spekulierten am Montag darüber, dass es ein Jahr oder noch länger dauern könne, bis Nordirland seine Autonomie zurückgewinnt. Im Moment deutet sich kein Kompromiss zwischen der Ulster Unionist Party (UUP) und Sinn Fein an. UUP-Chef und Friedensnobelpreisträger David Trimble machte am Montag noch einmal deutlich, dass er erst dann wieder zur Zusammenarbeit mit Sinn Fein bereit ist, wenn sich die IRA aufgelöst hat. Sinn-Fein-Präsident Gerry Adams warf Trimble vor, ihm gehe es nur darum, eine Regierungsbeteiligung von Sinn Féin zu boykottieren.

Der britische Premierminister Tony Blair und der irische Ministerpräsident Bertie Ahern äußerten sich in einer gemeinsamen Erklärung "tief traurig" über die Rückkehr zur Direktherrschaft. "Wir bleiben der vollen Umsetzung des Friedensabkommens weiter hundertprozentig verpflichtet", beteuerten sie. Die Autonomie müsse so schnell wie möglich wiederhergestellt werden. Es gehe jetzt darum, den Sprung zu einer wirklich friedlichen Gesellschaft ohne paramilitärische Terrorgruppen zu schaffen.

Nordirland war Ende 1999 autonom geworden. Erstmals in der Geschichte der Krisenprovinz wurde eine katholisch-protestantische Regionalregierung gebildet, an der auch radikale Parteien wie Sinn Fein und die protestantische DUP von Pfarrer Ian Paisley beteiligt waren. Diese Regierung geriet jedoch immer wieder unter Druck, weil die Protestanten die Entwaffnung und zuletzt sogar die Auflösung der IRA verlangten. Bisher hat die IRA nur Waffendepots unter Aufsicht versiegeln lassen, aber keine Waffen abgegeben.

Sinn Fein verweist darauf, dass protestantische Terrorgruppen ebenfalls noch aktiv sind. Außerdem halte die IRA ihre Waffenruhe ein. Sinn Fein und die IRA kämpfen für eine Vereinigung Nordirlands mit der Republik Irland im Süden. Die protestantischen Unionisten wollen dagegen, dass die Union Nordirlands mit Großbritannien bestehen bleibt.

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