London vermutet El Kaida im Besitz von B- und C-Waffen
Keine weiteren Milzbranderreger in Florida gefunden

Amerikanische Ermittler haben im Bürogebäude der Boulevardzeitung "Sun" in Florida keine weiteren Milzbranderreger gefunden. Nach zwei Infektionen, von denen eine tödlich verlief, untersuchten die Gesundheitsbehörden über 740 Menschen auf Erreger der Krankheit. Die britische Regierung schließt indessen nicht aus, dass das Terrornetzwerk um Osama bin Laden über chemische und biologische Kampfstoffe verfügt. Es fehle jedoch der Beweis dafür, schränkte Innenminister David Blunkett am Mittwoch ein.

ap BOCA RATON/LONDON. Die Behörden des Bezirks Palm Beach kündigten an, die Untersuchungen auf etwaige Milzbrandinfektionen noch auszuweiten. Die Bundeskriminalpolizei FBI riegelte das Bürogebäude ab, in dem beide Opfer gearbeitet hatten. Ein Sprecher der Gesundheitsbehörde, Tim O'Connor, sagte am Dienstag, ein infizierter 73-Jähriger, der im Postraum des Gebäudes arbeitete, sei in stabilem Zustand. Ärzte stellten in seiner Nase Anthrax-Spuren sicher. Der Erkrankte hatte mit dem am vergangenen Freitag an Milzbrand gestorbenen Fotoredakteur Bob Stevens von der "Sun" zusammengearbeitet.

Spuren des tödlichen Krankheitserregers, der bisher noch nicht von Mensch zu Mensch übertragen wurde, fand man auch an einer Computer-Tastatur in der Redaktion. Die Ermittler gingen von einem kriminellen oder einem terroristischen Hintergrund der Fälle aus. Eine natürliche Verbreitung der Anthrax-Bakterien wurde zunächst ausgeschlossen. Später hieß es jedoch, die Untersuchungen zur Klärung dieser Frage seien noch nicht abgeschlossen. Wie der gefährliche Erreger in das Gebäude kam, war ebenfalls noch nicht geklärt.

Justizminister John Ashcroft sagte, es deute einiges auf einen kriminellen Hintergrund. Stevens' Tod war der erste Todesfall durch Inhalation von Milzbranderregern in den USA seit 1976. Im gesamten 20. Jahrhundert trat diese Form in den USA nur 18 Mal auf. Milzbrandbakterien wurden von einigen Staaten als biologischer Kampfstoff entwickelt.

Seit den Terroranschlägen vom 11. September ist die Angst vor Attacken mit den Erregern gewachsen. Nachbarn des Toten äußerten die Befürchtung, Teile ihres Wohnviertels könnten verseucht sein. Einige der mutmaßlichen Terroristen, die an den Anschlägen vom 11. September beteiligt waren, hatten sich vorübergehend nur wenige Kilometer von der Ortschaft entfernt aufgehalten.

Der Staatssekretär im britischen Außenministerium, Ben Bradshaw, sagte am Dienstag im australischen Fernsehen, die Regierung halte es für möglich, dass Bin Ladens Organisation El Kaida über B- und-Waffen verfüge. "Wir wissen, dass El Kaida in den letzten zehn Jahren versucht hat, in den Besitz biologischer und chemischer Waffen zu gelangen. Wir nehmen an, dass ihnen das auch gelungen ist." Innenminister Blunkett sagte in einem Interview des Rundfunksenders BBC jedoch, die Regierung habe keine Beweise, dass Bin Laden in der Lage sei, Anschläge mit biologischen oder chemischen Kampfstoffen auszuführen.

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