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London wird zum «Moskau an der Themse»

London (dpa) - Wenn Roman Abramowitsch in seiner Privatloge beim Fußball-Club FC Chelsea zum Büfett bittet, gibt es nur vom Feinsten: Die jungen Männer in den englischen Maßanzügen und Blondinen im Designer-Look stärken sich an Räucherlachs, Kaviar und Champagner.

London (dpa) - Wenn Roman Abramowitsch in seiner Privatloge beim Fußball-Club FC Chelsea zum Büfett bittet, gibt es nur vom Feinsten: Die jungen Männer in den englischen Maßanzügen und Blondinen im Designer-Look stärken sich an Räucherlachs, Kaviar und Champagner.

Die Fans auf den Zuschauerrängen feuern ihren Club währenddessen bei Dosenbier und Sandwich an. Der Russe Abramowitsch, Besitzer des englischen Vizemeisters Chelsea, ist mit einem Vermögen von 11 Milliarden Euro der reichste Mann Großbritanniens. Der 37 Jahre alte Oligarch hatte im Russland der 90er Jahre mit Öl das schnelle Geld gemacht. Inzwischen ist der Waisenknabe aus der Ukraine, der seine Bürowände laut «Guardian» mit falschen Buchrücken dekoriert, zum Symbol eines Trends geworden, der London den Beinamen «Moskau an der Themse» verliehen hat.

«Wir sind bald an dem Punkt, wo in jeder feinen Straße Londons ein Russe wohnt», sagt Stephen Mallen vom Immobilienmakler Knight Frank. Russisches Geld steckte hinter einem Drittel der Immobilienkäufe, die Ausländer im Jahr 2003 in London tätigten. Auf der Liste der Villen und Luxusextagen, die mehr als 750 000 Euro kosten, stehen die Russen obenan.

Hintergrund der Wanderbewegung ist laut Mallen das zunehmend «raue Klima» zu Hause, wo Russlands Superreiche unter der Herrschaft von Wladimir Putin immer weniger gelitten sind. Mit einem Umzug in die teure Trendmetropole London haben die Millionäre die Garantie, dass ihnen «Qualität, Privatsphäre und guter Geschmack» geboten wird», meint Mallen. «Die Russen suchen immer in den besten Stadtvierteln. Sie legen großen Wert auf Sicherheit, und wollen die Tür ohne Furcht hinter sich abschließen können.»

Luxuswohnungen in den Topvierteln Belgravia und Mayfair werden in den einschlägigen Gazetten für Preise zwischen einer und fünf Millionen Pfund (1,5 und 7,5 Millionen Euro) angeboten. Die megareichen Russen, so die Immobilienmaklerin Camilla Mabbott, verlangen erstklassige Ausstattung. «Sie haben hohe Ansprüche und geraten beim Anblick von Furnier außer sich.» Und, so berichtet Mabbott, die Zufriedenheit des Kunden zahlt sich aus. «Als nächstes kommt dann der Auftrag, den Privatjet, die Yacht oder die Wohnung in Moskau neu zu gestalten.»

Nach Angaben der russischen Botschaft haben mehr als 40 000 Bürger der früheren Sowjetunion eine ständige Aufenthaltsgenehmigung in Großbritannien. Im Jahr 2002 erhielten 806 Russen die britische Staatsbürgerschaft. Die Gesamtzahl der Russen in Großbritannien wird auf mehr als 100 000 geschätzt. Aber längst nicht alle sind - wie Abramowitsch - Besitzer von Yachten, Jets und Landhäusern oder schicken ihre Kinder auf englische Eliteschulen.

Der Musiker Juri Stepanow, der 1980 als Sowjet-Emigrant nach London kam, sieht mit den «neuen Russen» nur wenig Gemeinsamkeiten: «Den meisten von ihnen ging es schon in der Heimat gut. Sie sind kosmopolitisch und fühlen sich überall in der Welt wohl.»

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