Londoner Bank kritisiert ineffiziente Energiepolitik
Osteuropa widersteht der Konjunkturflaute

Dank ihrer Reformen zeigt sich Mittel- und Osteuropa gegen die globale Wirtschaftsflaute relativ resistent. Um Exportrückgänge abzufedern, müsse die Modernisierung aber vorangetrieben werden, warnt die Osteuropabank. Russland tue zu wenig, um seine Öleinkünfte in langfristiges Wachstum umzusetzen.

fmd LONDON. Die Volkswirtschaften in Zentral- und Osteuropa sowie in den GUS-Staaten zeigen sich angesichts der weltwirtschaftlichen Flaute erstaunlich robust. Osteuropa bleibe "einer der wenigen Lichtpunkte in der sonst stark eingetrübten weltweiten Wirtschaftslandschaft", sagte William Buiter, Chefvolkswirt der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, der so genannten Osteuropabank, am Dienstag in London.

Nach einem Wachstum von zuletzt 5,5 % rechnet die Osteuropabank in diesem Jahr mit einem Zuwachs von 4,4 % in der gesamten Region. Für das kommende Jahr werden rund 3 % prognostiziert. Damit entwickele sich besser als andere so genannte Emerging Markets, sagte Buiter bei Vorlage des "Transition Reports 2001". Die Osteuropabank ist in 27 Ländern aktiv und fördert den Transformationsprozess der einst zentral geleiteten Volkswirtschaften in offene Marktwirtschaften.

Für die Länder Mittel- und Osteuropas sowie die baltischen Staaten wird 2001 mit einer leichten Abschwächung des Wachstums gerechnet (siehe Grafik). Südosteuropa (Albanien, Föderale Republik Jugoslawien, Rumänien, Bulgarien, Bosnien Herzegowina) und die GUS-Staaten könnten daher erstmals die Dynamik der zentraleuropäischen Länder übertreffen.

Die Unsicherheiten bei diesen Prognosen ist jedoch groß. So wies Buiter darauf hin, dass ein Rückgang des Ölpreises von seinem Höchstand von 28 $ je Barrel auf 20 $ in Russland zu einem Einnahmeverlust von 15 Mrd. $ führen würde, was 6% des Bruttoinlandsprodukts entspräche.

Auf dem Weg, ihre Volkswirtschaften in offene Marktwirtschaften umzuwandeln, sind die meisten Länder der Region nach dem Urteil der Osteuropabank weiter vorangekommen. Rückschritte werden lediglich in Turkmenistan vermerkt. Die stärksten marktwirtschaftlichen Fortschritte hätten die EU-Beitrittskandidaten gemacht. Diese Länder seien ein Beispiel dafür, wie demokratische politische Reformen den marktwirtschaftlichen Prozess unterstützen können. Buiter betont, dass diese Reformvorreiter besser auf einen Abschwung vorbereitet seien als beispielsweise 1998.

Insbesondere den großen GUS-Volkswirtschaften, die in absehbarer Zeit die internationale Integration nicht durch einen EU-Beitritt forcieren können, empfiehlt die Osteuropabank, sich um eine Aufnahme bei der Welthandelsorganisation WTO zu bemühen. Auf Grund der veränderten weltpolitischen Lage ist Buiter optimistisch, dass der Beitritt Russlands nicht in weiter Ferne liegt: "Es wird nicht 15 Jahre wie bei China dauern."

Die anhaltende wirtschaftliche Belebung der Region ist für die Osteuropabank ein Beleg dafür, dass sich die Öffnung der Volkswirtschaften auszahlt. Doch um von der Globalisierung zu profitieren, genüge es nicht, die Handels- und Investitionsbarrieren abzubauen. Flankiert werden müsse dieser Prozess durch den Aufbau starker Institutionen, die die Märkte unterstützen und denen soziale Hilfe biete, die bei sich dem Wandlungsprozess auf der Verliererstraße wieder fänden. Ein Schwerpunkt des diesjährigen Transition-Berichts ist der Energiebereich.

Russland und andere öl- und gasfördernde Länder der Region hätten das Potenzial, sich zu wichtigen internationalen Energielieferanten zu entwickeln. Doch bislang hätten es diese Länder versäumt, aus ihrem Ressourcenreichtum angemessen Nutzen zu ziehen. Sowohl bei der Produktion, der Förderung als auch des Konsums habe die Region riesigen Nachholbedarf. Um das Potenzial auszuschöpfen, seien beträchtliche Investitionen nötig, die nur mit Hilfe ausländischer Investoren aufgebracht werden könnten. Die Region müsste daher für ein stabiles Investitionsklima und attraktive steuerliche Bedingungen sorgen. Einheimische Ölförderer müssten die Unternehmensführung verbessern, um für ausländische Investoren attraktiver zu werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%