Londoner Börsenmakler bauen Stellen ab
Die Londoner City bangt um ihre Jobs

Kurseinbrüche von 80 und mehr Prozent innerhalb von wenigen Wochen oder Monaten haben auch in Großbritannien ihre Spuren hinterlassen. Viele Privatanleger haben mittlerweile die Nase gestrichen voll und wenden sich von der Londoner Aktienbörse enttäuscht ab. Nach Angaben von John Wallace, Presse-Chef der Londoner Börse, entfallen 80 % der Transaktionen auf Privatanleger und damit 20 % des Gesamtvolumens am Aktienhandel.

LONDON. Vor allem Wertpapiermakler sind auf die Privatanleger angewiesen. In der Londoner City beschäftigen sie rund 23 000 Mitarbeiter, von denen nicht wenige inzwischen um ihre Stellen bangen müssen. Noch vor einem Jahr, auf dem Höhepunkt der Aktieneuphorie, wurde von den Brokerfirmen viel Geld in Mannschaft, neue Produkte und elektronische Systeme investiert. Jetzt rächen sich bei einigen die hohen Ausgaben. Ein- bis zweitausend Jobs wackelten, heißt es in der City. Einige Broker wie der amerikanische Online-Riese Charles Schwab oder Barclays haben ihre Mitarbeiterzahl in den letzten Monaten bereits drastisch reduziert. Ob sich die Zahl der Stellenstreichungen noch deutlich erhöht, hängt vor allem von der Börsenkonjunktur ab. Und hier ist bislang noch kein Ende der Flaute abzusehen. Schon erwarten Banker in der britischen Hauptstadt, dass einige Broker in der jetzigen Schwächephase ihre geliebte Unabhängigkeit verlieren und Übernahmeziel von europäische Direktbanken werden könnten. Auch von Fusionen untereinander ist bereits die Rede. Offiziell sagt jedoch niemand etwas.

Die Lustlosigkeit der Privatanleger schlägt voll auf die Gewinne der britischen Stockbroker durch. Bereits nach zwei Monaten meldet David Rowe-Ham, Chairman von Brewin Dolphin, dass die Profite für das erste Halbjahr 2001 unter denen der ersten sechs Monate des vergangenen Jahres liegen werden. Brewin Dolphin hat in Großbritannien mit am meisten in den Internethandel investiert. Damit ist es erst einmal vorbei: "Verglichen mit dem letzten Jahr ist das Umfeld für den Aktienhandel schwach," räumt nun Rowe-Ham jetzt etwas kleinlaut ein. Zahlen nennt er nicht. Bereits Ende Januar hatte der Chairman Pläne für den Börsengang der Aktienhandelssparte aufgeben müssen. Er war einer der ersten, der Stellenstreichungen (rund 50) über das Gesamtjahr ankündigte. So hofft der Broker, sich für 2001 noch in die Gewinnzone zu retten. Neben den Mitarbeitern spüren seine Aktionäre die Flaute besonders schmerzhaft: seit dem Jahreshoch von 220 Pence fiel die Aktie um über 50% auf 107 Pence zurück. Ähnliche Kursverluste verzeichneten auch die Titel anderer Broker. Der Dachverband der britischen Brokerfirmen, Apcims, der über 200 Firmen umfasst, weiß um die Probleme seiner Mitglieder.

"Die Privatanleger halten ihre Aktien, kaufen oder verkaufen aber wenig. Das ist schlecht fürs Kommissionsgeschäft", erklärt Brian Mairs. Die einzelnen Gesellschaften seien aber unterschiedlich schwer davon betroffen. "Firmen, die vor allem in neue Produkte für ihre Kunden investiert haben, machen immer noch gute Geschäfte." Andere, die hauptsächlich in neue Leute und elektronische Systeme investierten, seien härter dran. Mairs von Apcims gibt sich aber hoffnungsvoll: "Die Privatanleger brauchen stets Beratung für ihre Investments. Wir haben noch immer viele Anfragen." Von existenzbedrohlichen Entwicklungen bei einigen Brokern habe er bislang noch nichts gehört. Für Michael Savory von den zur HSBC-Gruppe gehörenden Midland Stockbrokers, hat sich das Börsengeschäft nach der Euphorie vor einem Jahr wieder der Normalität angenähert. "Natürlich sind wir im ersten Quartal von den Zahlen enttäuscht, vergleichen wir sie mit den ersten drei Monaten 2000". Aber gemessen an 1999 sei das Niveau gut. Abgesehen von den Day-Tradern handelten die langfristig orientierten britischen Anleger wie eh und je. Dennoch muss er eingestehen, dass Midland Stockbrokers im Retail-Handel 20% weniger Leute beschäftigt als noch vor zwölf Monaten.

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