Londoner Finanzmakler Compere neuer Kabel-Interessent
Telekom hält an Plänen zum Schuldenabbau fest

Es ist nur noch eine Sache von Tagen, bis der Vertrag zwischen der Deutschen Telekom und dem US-Konzern Liberty Media formal aufgehoben wird. "Erst dann können wir mit neuen Interessenten über den Verkauf des TV-Kabels verhandeln", hießt es am Dienstag bei dem Bonner Konzern. Zuvor hatte das Bundeskartellamt sein Veto gegen die Übernahme der Telekom-Kabelnetze durch Liberty eingelegt und damit das geplante Geschäft mit einem Volumen von 5,5 Mrd. Euro zum Scheitern gebracht.

slo BONN. Als neuer Kabel-Interessent steht der Londoner Finanzmakler Compere bereit. Auch der Finanzinvestor Gary Klesch sucht Branchenkreisen zufolge neue Käufer für das TV-Kabel. Klesch wollte vor etwa einem Jahr gemeinsam mit Liberty Media die restlichen Kabelregionalgesellschaften der Telekom kaufen. Die ehemaligen Partner sind heute zerstritten. In der Branche wird allerdings zur Zeit einer anderen Varianten mehr Aussichten auf Erfolg eingeräumt: Kleinere Kabelnetzbetreiber wie Bosch und Telecolumbus wollen expandieren und einen Teil des Telekom-Kabels offenbar mit der Unterstützung einer Großbank dazukaufen. Aus Branchenkreisen verlautete allerdings, dass die kleineren Kabelfirmen nicht bereit sind, den bisher gehandelten Preis von 5,5 Mrd. Euro zu zahlen. Die Kabel-Infrastruktur sei jetzt höchstens 2 bis 3 Mrd. Euro wert.

Die Telekom hält trotz des gescheiterten Geschäfts mit Liberty an dem Ziel fest: Bis zum Jahresende sollen die Schulden des Konzerns von 65 auf 50 Mrd. Euro sinken, bekräftigte das Unternehmen am Dienstag. Ursprünglich sollte das Geld zum Schuldenabbau aus dem Kabel-Verkauf und dem geplanten Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile kommen, der sich allerdings bei anhaltend schlechtem Börsenklima verschieben könnte.

Das Bundeskartellamt hat am Dienstag die Absage an Liberty Media begründet und blieb dabei seiner Linie treu: Der Einstieg des US-Konzerns würde die beherrschende Stellung von Liberty auf dem Kabelmarkt verstärken, sagte Kartellamtspräsident Ulf Böge. Da habe es nicht ausgereicht, dass der Deal mit der Deutschen Telekom den Wettbewerb bei Telefonie und Internet verschärft hätte.

Einige Medien, darunter der Fernsehsender RTL, begrüßten die Entscheidung des Kartellamtes. Kritik gab es dagegen von der Politik. "Das Fortbestehen der jetzigen Situation ist die schlechteste aller Lösungen", sagte der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Alfred Tacke, der Nachrichtenagentur Reuters. Ähnlich äußerte sich Bayerns Minister Erwin Huber: "Die Entscheidung schreckt potenzielle Investoren ab."

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