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Londoner Informations-"Vielfalt"

London ist multikulturell. Doch in Sachen Information ist und bleibt es angelsächsisch zentriert. Neulich ist mir das wieder stark aufgefallen. Da wurde mir ein Interview mit einem der wichtigsten Vertreter eines der wichtigsten Finanzinstitute Europas zugesagt.

London ist multikulturell. Doch in Sachen Information ist und bleibt es angelsächsisch zentriert.
Neulich ist mir das wieder stark aufgefallen. Da wurde mir ein Interview mit einem der wichtigsten Vertreter eines der wichtigsten Finanzinstitute Europas zugesagt. Von der ersten Anfrage bis zu jener Zusage hatte es beinahe zwei Jahre gedauert, und entsprechend gespannt wartete ich auf das Ereignis. Sogar ein Kollege aus Frankfurt wollte dafür - der Wichtigkeit des Gesprächspartners angemessen - herüberfliegen. Doch das Institut nahm uns den Spaß. Am Vorabend (!) des Gesprächs schickte der Pressesprecher eine Mail (!), der Interviewpartner sei leider verhindert. Mein Anruf fiel höflich, in der Sache aber direkt aus: Warum fällt Ihnen das erst jetzt ein? Nun, war die Antwort, es sei wie es sei. Der Mann sei nun einmal wichtig und begehrt, daran könne man nichts ändern. Mit Zähneknirschen nahm ich die Absage zur Kenntnis und die anschließende Zusage, das Interview zu einem späteren Zeitpunkt (wenn auch nicht erst in zwei Jahren) zu bekommen.

Zwei Tage später schlug ich den Finanzteil einer großen englischsprachigen Zeitung auf - und siehe da: Mein potenzieller Interviewpartner hatte dieser doch recht markante wörtliche Aussagen gegeben. Der nächste Anruf bei dem Institut war nach wie vor höflich, aber in der Sache direkter als der erste: Wie denn das nun wieder möglich sei? Das läge nicht an ihm, entgegnete der Pressesprecher. Das Interview sei aus einem privaten Sonntagabend-Termin des Mannes mit einem Journalisten hervorgegangen. Es sei ein rein privates Gespräch gewesen, es war nicht autorisiert und der Mann würde diesen Journalisten auch bestimmt nie wieder Sonntags Abends zum Gespräch einladen. Warum aber hatte der Pressesprecher mir bei der Absage zwei Tage zuvor von einer Veröffentlichung nichts erzählt? Nun ja, sagte der gute Mann. Er habe es nicht gewusst. Am Ende habe man sich so stark zerstritten, dass der Journalist nicht einmal sagen wollte, ob und wann ein Artikel erschein t.

Was sagen wir dazu?
Dies diem docet. (Jeder Tag gibt neue Lehren.)

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