Londoner Informationsdienst AQ bewertet Treffsicherheit der Analysen zu den Gewinnen deutscher Unternehmen
UBS Warburg liefert die besten Prognosen

Die Analysten von UBS Warburg liefern die zuverlässigsten Ergebnisprognosen für deutsche Unternehmen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Londoner Informationsdienstes AQ, die dem Handelsblatt vorliegt.

FRANKFURT/M. Auf Platz zwei und drei folgen die Bayerische Landesbank sowie die BW Bank. Bezeichnend: auch die besten drei Analysten stehen auf den Gehaltslisten dieser drei Banken.

AQ untersucht, wie die Analystenprognosen für den Gewinn pro Aktie (Earnings per Share, kurz EPS) mit dem tatsächlichen Gewinn der Unternehmen übereinstimmen. Häufige Prognoseänderungen der Analysten fallen negativ ins Gewicht. Erstmals hat AQ nun ausschließlich die Prognosen der Banken zu deutschen Unternehmen genauer betrachtet. Nicht nur die Treffsicherheit der Analysten zu den Dax-30-Werten, sondern auch zu 27 ausgewählten MDax-Werten sowie zu den Nemax-50-Titeln nahm AQ unter die Lupe.

UBS Warburg haben vor allem die genauen Schätzungen zu MDax- (Platz 1) und Nemax-50-Unternehmen (Platz 2) zum Spitzenplatz in der Rangliste der deutschen Werte insgesamt verholfen. Ein Großteil des UBS-Researchs zu den Dax 30-Werten wird von London aus gesteuert. "In Frankfurt konzentrieren wir uns vor allem auf die Analyse der mittleren und kleinen deutschen Unternehmen. Hier hilft uns die Nähe zu den Firmen", sagt Stefan Winter, Vorstandsmitglied der UBS Warburg AG. Aus dem MDax empfiehlt Stefan Hofacker, Koordinator des MDax-Teams bei UBS, übrigens die Deutsche Börse und Bilfinger Berger zum Kauf. Beide Unternehmen seien gut positioniert und böten bei den gegenwärtigen Aussichten eine günstige Bewertung.

Der Auswertung von AQ zufolge stellen die Analysten der Hypo-Vereinbank die treffsichersten Prognosen zu den Dax-30-Unternehmen. Die Münchener raten nur bei drei Dax-Titeln zum Kauf: bei der Deutschen Post, Lufthansa und Tui. Analyst Christian Obst lobt bei der Deutschen Post die gute Positionierung; so verfüge sie etwa nach der Übernahme von DHL über ein weltweites Expressnetzwerk. Darüber hinaus gefällt ihm die solide Bilanz. Der Briefbereich sei nach wie vor eine Cash Cow mit hohen Renditen, wenngleich auch ohne Aussichten auf Wachstum in Deutschland. Auf Basis der Konsensus-Ergebnisschätzung für 2003 liege das KGV bei 8,4 - der Titel sei also niedrig bewertet. Obst setzt sein 12-Monats-Kursziel auf 15,30 Euro an.

Bei Tui sieht er Potenzial, weil der Konzern weiterhin die Strategie verfolge, sich auf seine Kern-Geschäftsfelder zu konzentrieren. Zwar lägen die Buchungen in Deutschland im zweistelligen Verlustbereich, doch von den niedrigen Ständen erhole man sich bereits langsam. In den nächsten sechs Monaten erwartet der Analyst eine Normalisierung des Buchungsverhaltens. Ein weiterer Pluspunkt für Tui sei die drastische Kostenreduktion.

Sein Kollege Uwe Weinreich erklärt die Lufthansa-Aktie zum dritten Favoriten der Münchener. Das Papier sei der "attraktivste Value-Play" aller europäischer Airlines. Falls das Unternehmen alle seine Randbereiche verkaufen würde, könnte die Nettoverschuldung auf Null sinken. Zudem sei der Titel niedrig bewertet. Die Gesellschaft habe gezeigt, dass sie die Kosteneinsparpotenziale ausschöpfen und Kapazitäten flexibel anpassen könne.

In der Einzelbewertung der insgesamt gut 200 bewerteten Analysten schneidet Annette Blumenthal von der Bayerischen Landesbank als Beste ab. Ihr Aufgabenbereich sind europäische Pharma-, Chemie- und Biologietitel. Ihren ersten Platz verdankt sie ihren Prognosen zu Rhein Biotech, Degussa und Schering - wobei sie die letzten beiden Werte mit "neutral" einstuft und Rhein Biotech nach der vermutlich bald abgeschlossenen Übernahme durch Berna Biotech nicht mehr im Visier haben wird. Biotechnologietitel sind ihrer Meinung nach im Allgemeinen zu hoch bewertet. Die Chemiebranche hat sie übergewichtet, weil sich dort Kostenreduzierungen deutlich niederschlagen sollten. DSM, Akzo Nobel und BASF hält sie wegen der niedrigen Bewertung für attraktiv. Dagegen sind ihr die europäischen Pharmatitel zu teuer.

Die AQ-Methode stößt allerdings nicht nur auf ungeteilte Zustimmung. "Die EPS-Schätzung macht ungefähr ein Drittel der Arbeit eines Analysten aus", sagt Stefan Rausch, Leiter der Unternehmensanalyse bei Helaba Trust (Platz 5 Deutschland insgesamt). Wichtig für die fundamentale Analyse eines Unternehmens sei es, die Gesellschaft auf der gesamten Breite zu untersuchen. Dem stimmt auch Winter zu: "Das EPS ist zwar wichtig, aber nur eine Kennzahl von vielen."

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