Lorbeer verwelkt oft allzu schnell
And the winner is: Jürgen Strube

Hohe Auszeichnung für BASF-Chef Jürgen Strube: Wenige Monate bevor der Jurist den Stab an Jürgen Hambrecht weiterreicht, hat ihn das "Manager Magazin" für seine "Lebensleistung" zum "Manager des Jahres 2002" gekürt.

FRANKFURT/M. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 1990 hat Strube das Chemieunternehmen zu einem modernen Weltkonzern umgebaut, der besser durch die Krise zu kommen scheint als viele Konkurrenten.

Doch nicht immer waren solche Auszeichnungen in der Vergangenheit für die Geehrten ein gutes Vorzeichen. Zwar verleihen inzwischen eine ganze Reihe von Wirtschaftsmagazinen, Stiftungen, Wissenschaftsorganisationen und politischen Würdenträgern eine Vielzahl von Titeln wie den "Ökomanager des Jahres" oder den "Entrepreneur des Jahres". Doch der Lorbeer verwelkt oft allzu schnell.

Der Weg vom Manager zur Niete des Jahres ist mitunter kurz; so etwa bei Heinz Schimmelbusch, bis zu seinem Sturz im Jahr 1993 Chef der Metallgesellschaft. Der Österreicher vom heute nicht mehr existierenden Wirtschaftsmagazin "Top Business" zum Manager des Jahres gekürt, wurde zwei Jahre nach der Ehrung vom Aufsichtsrat gefeuert und auf Schadensersatz wegen grober Pflichtverletzung verklagt.

Auch Horst-Dieter Esch ging kurz nach seiner Manager-Kür als Pleitier in die Wirtschaftsgeschichte ein. Zwischen 1975 und 1983 hatte der Selfmademan aus pleiteverdächtigen Betrieben den drittgrößten Baumaschinenkonzern der Welt namens IBH zusammengestückelt. Zwei Jahre später wurde er wegen Betrugs zu sechs Jahren und sechs Monaten Freiheitsentzug verurteilt.

Auch Ex-Daimler-Chef Edzard Reuter weiß, wie schnell ein Manager in der Gunst fallen kann. 1987 hatte ihn das "Industriemagazin" dafür ausgezeichnet, dass er den Hersteller weltweit beliebter Luxusautos zu einem breit aufgestellten Technologiekonzern umwandelte. Doch wenige Jahre später war klar, dass Reuter Deutschlands Vorzeigeunternehmen in eine seiner größten Krisen geführt hatte.

Wesentlich schneller noch verwandelten sich die Lobeshymnen auf den Internet-Star Peter Kabel in Hohngesänge. Im Jahr 2000 zum "Entrepreneur des Jahres" hochgejubelt, war sein Unternehmen, die Multimedia-Agentur Kabel New Media, ein Jahr später pleite. Kabel kündigte unverdrossen einen Neuanfang als Gastwirt an.

David Marsh, Partner der Unternehmensberatung Droege, rät den Industriekapitänen deshalb, die Einsicht eines altehrwürdigen amerikanischen Vorstandes im Kopf zu behalten: "Man sieht sein eigenes Foto immer zweimal auf der Titelseite des Time Magazine. Einmal, wenn es mit einem nach oben geht, und einmal, wenn es wieder runtergeht."

Darüber muss sich der diesjährige Preisträger allerdings kaum noch Sorgen machen. Strube wird das Steuer des weltweit größten Chemiekonzerns am 6. Mai kommenden Jahres aus der Hand geben. Angesichts dessen können Anleger wohl eine Empfehlung von Hans-Olaf Henkel, ehemaliger Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und selbst mal "Öko-Manager des Jahres", in den Wind schlagen: "Nun, ich will niemandem hier zu nahe treten, aber ich gebe jedem den Rat: Wenn ein deutscher Vorstandsvorsitzender zum Manager des Jahres gewählt wird, verkaufen Sie sofort die Aktien seines Unternehmens."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%