Lothar Bisky soll die PDS vor dem Aus retten
Analyse: „Jetzt mach’ ich das mal ...“

Der alte Parteichef der PDS, Lothar Bisky, will seine Partei beleben und in den Bundestag zurück führen.

Von der Wand im Potsdamer Landtagsbüro schaut ernst ein in düsteren Farben gemalter Che Guevara, doch der Mann vor dem Porträt gibt sich heiter-gelassen: Noch sieht man Lothar Bisky die große Last nicht an, die er sich am Wochenende aufbürden wird. Dabei will er nichts weniger, als die vom Aus bedrohte PDS beleben und 2006 in den Bundestag zurück führen.

Bis vor fünf Wochen wollte der 61-Jährige noch ganz anderes. Den Rückzug aus der Politik und zwei letzte schöne Jahre als Professor für Medienwissenschaft. Doch dann haben sie ihren Ex-Vorsitzenden, der sie von 1993 bis 2000 geführt hat, bekniet, ihm seine Bekanntheit und Glaubwürdigkeit "um die Ohren gehauen", bis er sich in die Pflicht nehmen ließ. Weniger kampfeslustig als der Partei ergeben lächelt er: "Nun häng ich mal an diesem PDS-Projekt, nun mach ich das mal."

In Umfragen dümpelt die PDS bei drei Prozent, in den Koalitionen in Schwerin und Berlin agiert sie unauffällig und bei den Wahlen 2004 in Sachsen, Thüringen und Brandenburg hält selbst Bisky eine Regierungsbeteiligung für wenig wahrscheinlich. In der Agenda 2010-Debatte spielte die PDS keine Rolle. Mit Blick auf den Bundestag jedoch setzt der Noch-Fraktionschef in Brandenburg auf die Enttäuschung der Ostdeutschen über Schröder und den Abbau des Sozialstaates. Die Stimmung sei umgeschlagen, jedenfalls in seinem Heimatort Hohen Neuendorf, nördlich von Berlin: Die, die letztes Jahr Schröder gewählt hätten, hielten ihm heute vor, die PDS könne "nicht so einfach abtauchen".

Gabi Zimmer, die den Parteivorsitz freiwillig aufgibt, sieht die Existenz der PDS bedroht, Bisky übt sich in schwindelerregendem Optimismus: Die Chancen, 2006 mit drei Direktmandaten wieder in den Bundestag einzuziehen stehen 50 zu 50, sagt er. Jedenfalls sei die Ausgangslage für die Sozialisten immer noch besser als 1993, als niemand eine Mark auf die Zukunft der SED-Nachfolger gewettet hätte. Ein Jahr später saßen sie im Parlament.

Voraussetzung ist jedoch die Befriedung der völlig zerstrittenen Partei. Dass er Reformer und Linkssektierer zusammenhalten kann, hat der Moderator Bisky bewiesen. Und da ist ja noch sein alter Freund, Politpensionär Gregor Gysi: Er will auch zum Parteitag kommen und hat eine Kandidatur für den Bundestag, wieder einmal, nicht ausgeschlossen. Allerdings müsse die Partei endlich ihre "inhaltliche Bequemlichkeit" überwinden, meckert der bunte Hund der Soziallisten. Bisky jedoch hat keine neuen Rezepte, er will lediglich die alten besser vermarkten. Doch selbst damit hat er sich viel vorgenommen, gerade so wie Guevara, der am Ende ganz Südamerika die Revolution bringen wollte. Damit hatte sich zumindest der Kubaner jedoch gewaltig übernommen.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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