Lothar Späth: So seh ich es
Reserven aktivieren

Das brachliegende Immobilienvermögen deutscher Firmen muss für in- und ausländische Investoren attraktiver gemacht werden.

Nachdem der Bundeskanzler deutsche Unternehmen dazu aufforderte, wieder verstärkt in der Heimat zu investieren, hat er nun speziell die Immobilienbranche ermuntert, wieder im Inland aktiver zu werden. Am Rande eines Forums der IG Bau und Agrar/Umwelt in Berlin wies Gerhard Schröder auf die große Bedeutung der Immobilienbranche hin. Sie sei für Arbeitsplätze nicht nur in der Bauwirtschaft, sondern auch im Dienstleistungsbereich wichtig. Doch hier wie dort würden die gewünschten Investitionen ausbleiben. Es müsse daher dringend etwas unternommen werden.

So weit, so gut. Doch ein paar gute Worte werden wohl kaum ausreichen, die Investitionszurückhaltung zu beseitigen. Soll vielleicht wieder eine Immobilienkommission einen Katalog von Reformvorschlägen ausarbeiten? Überflüssig! Die Projekte liegen doch förmlich auf der Straße. Die Regierung muss sie nur aufgreifen, statt erneut eine Diskussionsrunde mit unbestimmtem Ausgang einzuläuten.

In den meisten modernen Industrieländern gibt es beispielsweise das Instrument der so genannten "Reits". "Reit" steht für Real Estate Investment Trust. Diese sind im Grunde börsennotierte Immobilienaktiengesellschaften, die Objekte sowohl von privaten als auch von öffentlichen Eigentümern aufnehmen und Anlegern zur Kapitalanlage anbieten. Nach Schätzungen von Sachverständigen gibt es gegenwärtig in der Bundesrepublik Immobilien, die dem Investmentmarkt prinzipiell zugänglich sind, im Wert von rund zwei Billionen Euro. Davon könnten allein in den nächsten Jahren etwa sieben bis acht Prozent über solche "Reits" mobilisiert werden. Denkbar sind jährlich etwa 30 Milliarden Euro in Deutschland investiertes Kapital.

Gleichzeitig suchen immer mehr Investoren sichere Geldanlagen, die ihnen mehr Ertragszuwächse versprechen als ein Sparbuch und andere risikoarme Produkte. Dies gilt vor allem für viele kleinere Sparer, die der Aufforderung der Regierung, für einen Teil ihrer Altersversorgung selbst zu sorgen, folgen wollen. Die Dividenden, die aus dem Kapitaleinsatz in solche Immobilienaktiengesellschaften fließen, sind sogar äußerst ertragreich. Wie Beispiele aus anderen Ländern zeigen, können sie mit denen aus langfristig angelegten Aktien durchaus konkurrieren, obwohl sie für den Kleinanleger nur geringe Risiken bergen.

Unternehmen wiederum haben häufig ein großes Interesse daran, ihre Immobilien an Kapitalanleger abzugeben. Denn sie benötigen das von den Aktionären bereitgestellte Eigenkapital für ihre eigentlichen unternehmerischen Investitionen, die im Normalfall einen höheren Kapitalertrag abwerfen. Über den Kapitalbedarf der öffentlichen Haushalte besteht überdies kein Zweifel. Bund, Länder und Gemeinden besitzen nach wie vor Immobilienvermögen in Milliardenhöhe. Mit einer problemlosen Verwertung über "Reits" könnte man Schulden senken und neue Investitionen vornehmen.

Seite 1:

Reserven aktivieren

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%