Lothar Stöckbauer leitet jetzt die Versicherung
Ein Mannheimer für die Mannheimer

Lothar Stöckbauer übernimmt eine undankbare Aufgabe. Er beerbt als "Vorstandssprecher" bei der Mannheimer Versicherungsgruppe den bisherigen "Vorstandsvorsitzenden" Hans Schreiber, der nach langem Gezerre doch noch zurücktrat, um die Chancen für einen Neustart des angeschlagenen Konzerns zu erhöhen.

DÜSSELDORF. Wie lange Stöckbauer diesen Job behält, ist fraglich - nicht nur, weil er fast 60 Jahre alt ist. Denn die Zukunft des Mannheimer Konzerns ist ungewiss - die Branche und das Aufsichtsamt ringen um eine Rettung, das Überleben ist keinesfalls sicher.

Schon die geänderte Amtsbezeichnung verrät, dass Lothar Stöckbauer sein Amt etwas bescheidener auffasst als sein Vorgänger. Wie alle anderen Mannheimer-Vorstände hat er bisher im Schatten Schreibers gestanden, der den Konzern in der Außendarstellung bis zur bitteren Neige weitgehend als One-Man-Show präsentiert hatte. Entsprechend wenig ist Stöckbauer in der Öffentlichkeit bekannt.

Im Gegensatz zu Schreiber, der als gelernter Psychologe über das Personalmanagement in die Branche kam, ist Stöckbauer ganz konventionelle Wege gegangen. Er wurde am 1. September 1943 in Mannheim geboren. In Köln hat er Volkswirtschaftslehre studiert und wurde 1976 zum Dr. rer. pol. promoviert. Zeitweise studierte er auch bei dem mittlerweile legendären Kölner Professor Dieter Farny, der über Jahrzehnte hinweg einer der bekanntesten Hochschulexperten für Versicherungsfragen war - aus diesem Lehrstuhl sind viele Versicherungsmanager hervorgegangen.

Im Jahr 1979 fing Stöckbauer in seiner Heimatstadt bei der Mannheimer Versicherungs AG an und wurde schon 1982 in den Vorstand berufen. Seit Anfang 1998 ist er Vorstandsvorsitzender der Mannheimer Versicherungs AG, die innerhalb des Konzerns für das Sachgeschäft zuständig ist.

Stöckbauer ist verheiratet und hat eine Tochter. Sportlich folgt er dem großen Trend: Er spielt Golf. Ansonsten ist er vor allem künstlerisch und musisch interessiert und lässt diese Neigung auch in seinen Beruf einfließen. Er ist Initiator und Chef der "Sinfonima-Stiftung", die im Namen des Konzerns wertvolle Instrumente an begabte Nachwuchsmusiker - vor allem Streicher - ausleiht. Die Mannheimer Versicherung hat im Rahmen ihrer Nischenstrategie, die auf einzelne Berufsgruppen zugeschnitten sind, auch die Musiker als eigene Zielgruppe entdeckt.

Dass die Wahl auf Stöckbauer fiel, dürfte sehr pragmatische Gründe haben. Die Probleme des Konzerns sind vor allem in der Kapitalanlage der Lebensversicherung entstanden. Die Vorstände, die diesem Bereich näher standen, kamen also nicht in Frage.

Die Sachversicherung hingegen gilt als der gesündere Teil des Konzerns. Außerdem ist Stöckbauer auf Grund seines Alters gut geeignet, die Rolle eines Übergangskandidaten zu spielen.

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