Lotto als Anlagealternative
Jagd nach dem Hauptgewinn

Mit Optionsscheinen können Anleger schnell viel Geld verdienen - aber auch verlieren. Wer erfolgreich sein, will muss sich über seine Wetten gut informieren und auf Kennzahlen achten.

nac DÜSSELDORF. Seit dieser Woche können Lotto-Freunde ihre Scheine auch im Internet ausfüllen. Unter www.lotto.de ist das digitale Kreuzchenmachen sogar bis kurz vor Ziehung der Zahlen möglich. Haben internetverliebte Optionsscheinfreunde jetzt eine Anlagealternative? Wohl kaum, denn wer Optionsscheine mit Verstand einsetzt, wird nicht mit einem Lottospieler tauschen wollen.

Gemeinsam ist dem Lottospiel und dem Optionsscheingeschäft der Wettcharakter: Tipper setzen darauf, dass ihre Zahlen am Samstag gezogen werden. Optionsscheinbesitzer hoffen, dass die von ihnen prognostizierte Entwicklung am Aktien-, Zins- oder Devisenmarkt tatsächlich eintritt. Bei der richtigen Prognose winkt in beiden Fällen eine Vervielfachung des Kapitals. Geht der Tipp daneben, ist der Einsatz verloren. Und noch eine Parallele gibt es: Letztlich gewinnt immer der Veranstalter des Wettspiels. Bei Optionsscheinen verdienen die Herausgeber vor allem am Handel mit den Scheinen: Sie verkaufen sie zu einem etwas höheren Kurs teuer und nehmen sie mit einem Abschlag zurück.

Das Geschäft ist offenbar so lukrativ, dass immer mehr Banken immer mehr Scheine auf den Markt bringen: Die Citibank erwartet, dass Anleger Ende des Jahres unter 30 000 verschiedenen Papieren wählen können. Deutschland gilt als der weltweit wichtigste Optionsscheinmarkt. Nach Angaben des International Warrant Institute (IWI) wuchs das Umsatzvolumen von 44 Mrd. Euro im Jahr 1999 auf 83 Milliarden Euro im Jahr 2000. Neue Anbieter wie J.P. Morgan oder Nomura Securities stehen in den Startlöchern und wollen sich sein Stück vom Kuchen abschneiden.

Hebelwirkung als Anreiz

Was Privatanleger an den heißen Scheinen reizt, ist ihre Hebelwirkung: Wenn die zugrunde liegende Aktie (Basiswert) um 10 Prozent steigt, kann ein richtig ausgewählter Kauf-Optionsschein (Call) locker um 25 Prozent an Wert gewinnen. Mit bestimmten Scheinen können Anleger sogar von fallenden und seitwärts laufenden Kursen profitieren: Wer mit Verkaufsoptionsscheinen (Puts) im Jahr 2000 auf bröckelnde Kurse gesetzt hat, verbuchte satte Wertzuwächse. Mittlerweile ist die Börsenstimmung aber wieder besser. Anleger greifen jetzt wieder zu Calls. Besonders beliebt sind nach wie vor Wetten auf Indizes, die momentan rund 60 Prozent der verkauften Scheine ausmachen. Bei Scheinen auf Einzeltitel sind bekannte Unternehmen wie SAP, Nokia, Siemens und Daimler-Chrysler gefragt.

Experten bemängeln allerdings, dass einige Anleger sich nicht genug mit Optionsscheinen beschäftigt haben, bevor sie sich die heißen Papiere ins Depot legen. "Die Macht des Hebels ist manchmal größer als das Verständnis für das Produkt", sagt Optionsscheinspezialist Markus Koch von UBS Warburg. Häufig herrscht zum Beispiel Unkenntnis darüber, dass die Preisentwicklung des Optionsscheins nicht nur vom Kurs des zugrunde liegenden Basiswertes abhängt, sondern unter anderem auch von der Schwankungsbreite (Volatilität) am Aktienmarkt. Nimmt sie ab, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktie das Kursziel (Basispreis) des Optionsscheins auch erreicht. Kurz gesagt: Das Risiko, dass die Wette nicht aufgeht, wird größer. Der Optionsschein verliert daher an Wert. Wer in Zeiten niedriger Volatilitäten Optionsscheine kauft, fährt am besten: Wenn die Kurse wieder Achterbahn fahren, erhöht dies automatisch den Wert der Scheine, unter Umständen sogar, wenn der Kurs des Basiswertes in die falsche Richtung läuft.

Für Neueinsteiger trifft es sich gut, dass in einigen Märkten die Volatilität zurzeit niedrig ist. "Bei Dax-Werten ist der Einstieg günstig", bewertet UBS-Experte Koch die derzeitige Volatilitätslage. Der zugehörige Messindex VDax ist nach einem starken Anstieg wieder zurückgekommen. "Ein weiteres starkes Absinken ist derzeit nicht zu erwarten", sagt Dirk Heß von der Citibank.

Angebote im Internet können helfen

Anleger sollten sich jedoch dadurch nicht dazu verleiten lassen, wahllos Scheine auf Dax-Werte ins Depot zu legen. Bei der Auswahl des Basiswertes ist die gleiche Sorgfalt anzulegen wie bei einer Direktanlage in Aktien. Ist ein Spekulationsobjekt gefunden, sollten sich Investoren überlegen, welche Kursbewegung sie für den Basiswert in einem bestimmten Zeitraum erwarten. Wer in kurzer Zeit eine starke Reaktion erwartet, sollte einen Schein wählen, der eine kurze Restlaufzeit hat und bei dem die Aktie den Basispreis noch nicht erreicht hat, im Fachjargon heißt es, er notiert "aus dem Geld". Ist der Investor unsicher, was Zeitpunkt und Ausmaß der erwarteten Bewegung betrifft, ist ein Schein mit längerer Laufzeit empfehlenswert, der "im Geld" notiert - also den Basispreis bereits erreicht hat. Solche Papiere entwickeln zwar in der Regel nicht die gleiche Dynamik wie Scheine aus dem Geld, verglühen aber auch nicht so schnell.

Bei der Auswahl des Scheins helfen Angebote im Internet. So ziemlich jede Bank, die Optionsscheine herausgibt, informiert im Netz gründlich und aktuell über ihre Produkte. Das Problem ist, dass Scheine anderer Emittenten nicht in den Vergleich einbezogen werden können. Unabhängige Anbieter bieten Abhilfe - wie zum Beispiel Marktführer Onvista . Die Kölner wollen ab Juli noch aktuellere Kurse bieten. Nach Eingabe von Basiswert, Basispreis und Laufzeit können Internetbesucher auf der Homepage Scheine verschiedener Emittenten an Hand mehrerer Kennzahlen miteinander vergleichen.

Bei annähernd gleich ausgestatteten Scheinen sollten Anleger die Produkte bevorzugen, die über die niedrigste implizite Volatilität verfügen. Diese Kennzahl sagt aus, welche Schwankungsbreite die Emittenten für die nächste Zeit erwarten. Je niedriger dieser Wert ist, umso günstiger ist der Schein. Wichtig ist auch, auf den Spread zu achten. Je kleiner die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs ist, umso schneller kommt ein Papier in die Gewinnzone. Durch die Kennzahl "homogenisierter Spread" werden die Scheine vergleichbar gemacht.

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