LSE holt Ex-Neue-Markt-Firma an den AIM
Orad setzt auf Londoner Börse

Die Londoner Börse (LSE) kann mit der Entscheidung von Orad Hi Systems-Tec für ein Listing in der britischen Hauptstadt einen ersten Erfolg im Werben um ehemals am Neuen Markt der Deutschen Börse notierte Unternehmen verbuchen.

Reuters FRANKFURT. "Unsere Aktionäre beklagen den geringen Kurs unserer Aktie, was vor allem an der geringen Visibilität liegt. Wir wollen dies durch das Listing in London verbessern", sagte der Chef des auf TV-Studio-Software spezialisierten Unternehmens, Avi Sharir, Reuters am Mittwoch. Die 1999 zu 18 Euro ausgegebene Orad-Aktie notierte am Mittwoch elf Prozent höher bei 1,00 Euro. Nach dem Handelsstart in London am 16. Juli soll die Notierung in Frankfurt beibehalten werden. "Wir können so von beiden Seiten profitieren", sagte Sharir. Orad hatte ihr Börsendebüt Ende 1999 am Frankfurter Neuen Markt gegeben, den die Börse zuletzt nach einer Reihe von Skandalen geschlossen hatte.

Die LSE wirbt seit längerem mit der Größe des Londoner Kapitalmarktes und dem Zugang zu internationalen Investoren um deutsche Firmen für den AIM. Zuletzt wurde dazu ein beschleunigtes Zulassungsverfahren eingeführt. Kritiker halten das Kleinwertesegment allerdings für recht illiquide. Trotzdem rechnen mit der LSE zusammenarbeitende Unternehmensberater bis Weihnachten mit weiteren deutschen Unternehmen am AIM.

Die Deutsche Börse zeigte sich indes gelassen. "Doppelnotierungen sind üblich und es obliegt einem Unternehmen selbt zu entscheiden, ob sich diese zusätzlichen Kosten lohnen", sagte ein Sprecherin. Orad-Chef Sharir hält die Zusatzkosten für überschaubar. "Wir sind regelmäßig in London und haben ein Büro dort, daher sind die zusätzlichen Aufwendungen für Roadshows nicht so groß", sagte er. Die jährlichen Listinggebühren am AIM belaufen sich je nach Größe der Firma auf 5 100 bis 20 000 Pfund im Jahr. Zusätzlich fallen Kosten für einen juristischen Berater (nominated Advisor) an, den jedes AIM-Unternehmen engagieren muss. Orad hatte im ersten Quartal 2003 einen Verlust von 0,98 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 4,2 Millionen Dollar verbucht.

Der seit acht Jahren bestehende AIM mit seinen 703 Unternehmen profitiert vor allem von der Größe des Londoner Kapitalmarktes und von steuerlichen Anreizen für Anleger und Unternehmen. Anders als beim Neuen Markt gibt es keine Verpflichtung zur Quartalsberichterstattung. Bislang sind dort 51 nicht-britische Firmen vertreten, darunter aber kein deutsches. In diesem Jahr gab es 42 Zugänge und 48 Delistings.

Kritiker beklagen indes, dass die Liquidität am AIM recht dünn sei. "Während es immer noch möglich ist, Kapital durch Platzierungen und Bezugsrechte zu beschaffen, verharrt der Aktienhandel auf einem relativ niedrigen Niveau", hieß es jüngst in einer Studie des britischen Unternehmensberaters PKF zum AIM. Demnach wurden im Februar 2003 lediglich Aktien im Wert von 202 Millionen Pfund gehandelt, was im krassen Gegensatz zu Marktkapitalisierung von 9,8 Milliarden Pfund steht. Ein Blick in die März-Statistik zeigt, dass ein großer Teil der Aktien im gesamten Monat gar nicht gehandelt wurden.

"Ich könnte mir vorstellen, dass wir bis Weihnachten rund ein halbes Dutzend deutscher Unternehmen haben", sagte Ray Zimmerman vom Beraterhaus Teather & Greenwood am Dienstagabend auf einer von der LSE unterstützen Präsentation vor deutschen Firmen in München. Man dürfe derzeit aber angesichts der schwierigen Börsenlage nicht zu viel erwarten. Derzeit gebe es sechs konkrete Interessenten, drei davon seien bereits gelistet.

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