LSE-Übernahme: "Aprilscherz"
Deutsche Börse erwartet zweistelliges Wachstum

Die Deutsche Börse AG erwartet trotz eines schwierigeren Marktumfelds für das laufende Jahr ein Umsatzwachstum von zehn bis 15 Prozent. Neue Gerüchte, das Unternehmen wolle die London Stock Exchange übernehmen, bezeichnete Börsenchef Werner Seifert als "Aprilscherz. Der Konsolidierungsprozess unter den europäischen Börsen werde indes voranschreiten.

HB/rtr/dpa/vwd Frankfurt. Das geplante Umsatzplus 2002 werde im operativen Geschäft in ein noch stärkeres prozentuales Wachstum beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) münden, prognostizierte die Börse am Dienstag in Frankfurt anlässlich der Vorstellung der Jahresbilanz 2001. "Insgesamt haben wir uns so aufgestellt, dass wir die dem Markt gegenüber abgegebene Prognose über die weitere Unternehmensentwicklung durch organisches Wachstum erreichen können, auch wenn der relative Markt zeitweise stagniert", sagte Börsenchef Werner Seifert.

2001 erhöhte sich der Umsatz um 17 Prozent auf 760,3 Millionen Euro und der Jahresüberschuss um 42 Prozent auf 203,7 Millionen Euro. "Wir erwarten ein Wachstum in allen Segmenten und eine Wiederbelebung am Aktienmarkt", sagte Finanzvorstand Mathias Hlubek.

Einen Ausblick auf das erste Quartal 2002 legte der Finanzmarktbetreiber indes nicht vor. Die Börse kündigte in ihrem Geschäftsbericht 2001 an, auch künftig weiter in den Ausbau ihres Netzwerks zu investieren. Ziel sei es, das bestehende Angebot deutlich auszuweiten. Die Investitionen in Software und Systeme sollen dagegen auf ein Volumen von etwa 100 Millionen Euro pro Jahr zurückgehen. Mittelfristig rechne die Börse mit einem Umsatzwachstum von etwa zehn Prozent im Jahr, hieß es weiter. Dabei sollen die Erträge weiterhin stärker steigen als der Umsatz.

Zur geplanten Übernahme des Börsenabwicklers Clearstream sagte Seifert, der Abschluss der Transaktion verlaufe bislang planmäßig. Das Übernahmeangebot beläuft sich früheren Angaben zufolge auf rund 1,6 Milliarden Euro. Mit der vollständigen Übernahme des Wertpapierabwicklers werde die Börse künftig alle Dienstleistungen im Wertpapiergeschäft, vom Handel über die Abwicklung bis hin zur Abrechnung, in einer Hand anbieten. Damit werde die Börse ein zweites globales Geschäft neben der Eurex betreiben. Der Kapitalmarkt habe diese Transaktion bereits willkommen geheißen, betonte der Börsenchef.

London Stock Exchange: Übernahme-Gerücht ein "Aprilscherz"

Als Aprilscherz bezeichnete der Börsenchef hingegen die in der britischen Sonntagspresse erneut aufgeflammten Spekulationen um ein Übernahmeangebot an die London Stock Exchange (LSE). Die Deutschen würden den April immer mit einem Aprilscherz beginnen, sagte Seifert. "Dies ist wohl die englische Art, diesen Monat einzuleiten", merkte er an. Der "Sunday Telegraph" hatte unter Berufung auf Bankenkreise berichtet, die Börse erwäge zwei Jahre nach dem gescheiterten Fusionsversuch ein Übernahmeangebot für die LSE. Seifert habe einigen Großaktionären seines Hauses von den Plänen berichtet, an denen derzeit die Investmentbank Goldman Sachs arbeite, hatte es in dem Bericht geheißen.

Bedeckt hielt sich der Börsenchef aber auch hinsichtlich möglicher Gespräche mit den Börsen Madrid und Mailand. Dazu gebe er keinen Kommentar, sagte Seifert. "Wir werden, sobald es etwas zu konkretisieren gibt, dies auch tun", sagte der Deutsche-Börse-Chef. Mitte Februar hatte es aus mit dem Projekt vertrauten Kreisen geheißen, es gebe Verhandlungen mit Madrid und Mailand, die zu einer einheitlichen Handelsplattform führen könnten.

Seifert geht nach eigenen Angaben weiter davon aus, dass der Konsolidierungsprozess unter den europäischen Börsen vorangeht. Die Deutsche Börse sei in der Lage, diesen Konsolidierungsprozess auch weiter voranzutreiben, sagte Seifert. Durch Perfektionierung der Kernfunktionen und Übernahmen von Handels-, Clearing- und Abwicklungsvolumina anderer Börsen ließen sich zusätzliche Skalenvorteile gewinnen. Damit könnten niedrigere Stückkosten erwirtschaftet werden. Dies sei durch Übernahmen aber auch durch Angebote zum so genannten "Insourcing" möglich. Letztlich hänge es aber von der Fitness der Deutschen Börse ab, wie sie die Grenzen des Wachstums hinausschieben könne, sagte der Börsenchef.

Die im MDax notierte Aktie lag am Mittag in einem leichteren Gesamtmarkt mit 2,35 Prozent im Plus bei 48,26 Euro. Der Vorstand hatte vorgeschlagen, die Dividende für das Geschäftsjahr 2001 im Vorjahresvergleich um 20 Prozent auf 0.36 Euro pro Aktie anzuheben (Geschäftsjahr 2000: 0.30 Euro).

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