Lucent will im Servicegeschäft Marktanteile gewinnen
Netzausrüster werden zu Dienstleistern

Die Arbeitsteilung in der Telekombranche beginnt sich zu ändern: Techniklieferanten wollen nicht nur Netze bauen, sondern auch betreiben und weitere Dienste anbieten, damit ihr Umsatz steigt.

HB HANNOVER. Die Idee ist aus der Not geboren: Beim US Lucent Technology Inc. -Telekomnetzausrüster soll die Dienstleistungssparte neben dem Aufbau von Fest- und Mobilfunknetzen zu einem dritten Standbein ausgebaut werden. "Es fängt mit Instandhaltungsarbeiten am Netz und Überwachung der Netzsicherheit an, geht weiter über Netzplanung und endet beim Netzbetrieb, den wir ebenfalls übernehmen können", sagte Lucent-Chefin Patricia Russo dem Handelsblatt auf der Technologiemesse Cebit. Das Servicegeschäft sei ein wachsender Markt, und diesen Bereich "wollen wir vorantreiben".

Dies haben auch andere Telekomausrüster wie Ericsson, Nortel und Cisco im Visier: Sie wollen nicht nur Schalter, Leitungen und Mobilfunkantennen verkaufen, sondern verstärkt auch Dienstleistungen an den Mann bringen. Da die Nachfrage nach Technikkomponenten in diesem Jahr nach Schätzungen von Analysten um etwa 10 % sinken wird, müssen sich die gebeutelten Konzerne neue Wachstumsquellen erschließen. Hinzu kommt: Wenn die Netzausrüster ihren Kunden, den Telekom-Netzbetreibern, Aufgaben abnehmen, können diese ihre Kosten senken und das gesparte Kapital in neue Technik investieren. Das ist zumindest das Kalkül der Netzausrüster. Russo: "Wir sind Partner und helfen dem anderen - in der Hoffnung, dass dies auch uns hilft." In den vergangenen zwei Jahren versuchten Lucent & Co., ihre Kosten in erster Linie über Personalabbau an die stark gesunkene Nachfrage anzupassen.

Eine recht delikate Angelegenheit

Es sind bisher nur einzelne Netzbetreiber, die sich auf die extreme Form der Hilfe durch Netzausrüster eingelassen haben: Der britische Mobilfunker MMO2 hat den Betrieb des Netzes seiner niederländischen Tochter bereits Ericsson überlassen. In Asien und Südamerika gebe es viele weitere Beispiele dafür, dass Netzausrüster den Netzbetrieb übernommen haben, sagt Russo. Firmennamen will sie nicht nennen, denn das Thema sei eine recht delikate Angelegenheit: "Es geht schließlich darum, wie der Netzbetreiber sich definiert und was er als seine Kernkompetenz ansieht." Und bisher sei der Netzbetrieb eine solche Kompetenz. Das gilt vor allem für große Telekomgesellschaften wie Deutsche Telekom und Vodafone.

Den Netzbetrieb anderen zu überlassen, darin sehen Marktforscher eine gute Einsparmöglichkeit für Telekomkonzerne. Diese könnten sich dann stärker auf die Abrechnung von Diensten, die Kundenbeziehung sowie das Marketing konzentrieren.

Um das Servicegeschäft auszubauen, sieht Russo wenig zusätzlichen Investitionsbedarf bei Lucent: "Wir fangen ja nicht bei Null an, viel von unser bereits existierenden Technik und den Instrumenten kann dafür eingesetzt werden." Von dem bisherigen Konzernumsatz von mehr als 12 Mrd. $ entfallen 2,6 Mrd. $ auf Dienstleistungen.

Neue Dienstleistungen

In der Regel ist es eine Kombination aus Dienstleistungen und dem Verkauf von Hard- und Software, mit der die Techniklieferanten attraktiver für ihre Kunden werden wollen. So versucht der US-Konzern Cisco beispielsweise Technik für die so genannten Virtual Private Networks zu verkaufen. Das sind nicht physikalisch, sondern per Software abgetrennte Bereiche eines Datennetzes, innerhalb dessen Grenzen ein flexibles Kommunikationsnetz entsteht. Dieses kann dann unter anderem für Internettelefonie genutzt werden. Die Vorteil für den Cisco-Kunden: Er kann damit seine Kosten senken, und "es eröffnet ihm wieder neue Möglichkeiten, seinen Kunden neue Dienstleistungen zu verkaufen", sagt Robert Lloyd, Europa-Chef von Cisco, dem Handelsblatt. Im Gegenzug muss der Netzbetreiber zunächst aber in die entsprechende Technik investieren und für den dazugehörigen Service bei Cisco zahlen. Der Konzern wird daher nach Ansicht von Experten einiges Entgegenkommen zeigen müssen und einen Teil seiner gewaltigen Barreserven von 21 Mrd. $ nutzen, um entsprechende Investitionen vorzufinanzieren. Denn bisher stecken die Telekomnetzbetreiber ihr Geld lieber in den Schuldenabbau als in neue Technik.

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