Ludwig Görtz ist Inhaber des gleichnamigen Schuhfilialisten: Hanseat auf leisen Sohlen

Ludwig Görtz ist Inhaber des gleichnamigen Schuhfilialisten
Hanseat auf leisen Sohlen

Von "Unterlassern" hält Schuhhändler Ludwig Görtz überhaupt nichts. Trotz Konsumflaute expandiert er weiter und bekennt sich zu Wachstum und Wettbewerb.

Der Schuhhandel ist sein Geschäft, sein Lebensinhalt. Dennoch spricht Ludwig Görtz statt über Rahmen, Nähte und Leder momentan viel lieber über Politik. Den Inhaber von Deutschlands drittgrößtem Schuhhändler regt die "festgefahrene Situation" im Land und die mangelnde Reformbereitschaft der Bundesregierung maßlos auf.

"Die Regierung sollte drei Sabbatjahre einlegen und den Landesregierungen das Ruder überlassen. Vielleicht kriegen die das noch eher hin", schimpft der 68-Jährige. Obwohl er sich ärgert, hebt er nicht seine Stimme, spricht leise, ruhig, fast bedächtig. Statt seinem Unmut lautstark und gestenreich Luft zu machen, verwendet er gerne Ironie. Seine Hände bleiben ruhig vor ihm auf dem Tisch gefaltet.

Görtz ist ein Unternehmer alter Schule, was auch auf sein äußeres Erscheinungsbild zutrifft: Mit Dreiteiler, Einstecktuch und feinem Schuhwerk wirkt er vorbildlich gekleidet. Als Urenkel von Johann Ludwig Görtz, dem Gründer der Hamburger Görtz-Gruppe, bekennt sich der gelernte Industriekaufmann nicht nur im volkswirtschaftlichen Sinne zu Wachstum und Wettbewerb. Sein Bekenntnis nimmt er auch ernst, wenn es um das einzelne Unternehmen geht. So fordert er eindringlich, dass Händler und Hersteller endlich wieder zu Unternehmern werden und ihre Rolle als "Unterlasser" ablegen sollten.

Als "Unterlasser" kann den Schuhhändler selbst wohl niemand bezeichnen. Branchenbeobachter bescheinigen ihm, dass er sich alles andere als abwartend verhält. "Görtz hat es als einer der wenigen in seiner Branche geschafft, eine Schuhmarke zu etablieren, obwohl er ein Händler ist und kein Hersteller", äußert sich Peter Littmann, Geschäftsführer der Markenberatung Brandinsider und ehemaliger Vorstandschef der Hugo Boss AG, anerkennend.

Zahlen belegen den Erfolg: Etwa alle zehn Jahre gelang es Görtz in der Vergangenheit, den Umsatz seines Unternehmens zu verdoppeln. Wie die meisten Anbieter der Branche musste er allerdings 2002 Einbußen hinnehmen. Während der Fachhandel zehn Prozent Umsatz verlor, waren es bei Görtz nur drei Prozent. Nach 296 Millionen in 2001 setzte der Schuhhändler vergangenes Jahr etwa 287 Millionen Euro um.

"Die Verbraucher sparen ihr Geld lieber, weil sie kein Vertrauen mehr in die Politik haben", sagt Görtz. Für die Zukunft sieht er sein Unternehmen dennoch gewappnet. Nach einem umfangreichen Kostensenkungsprogramm sei man "mit leichtem Gepäck" ins Jahr 2003 gereist. Er rechnet mit einem Umsatz auf Vorjahreshöhe.

Görtz wählt gerne deutliche Worte. Wohlwollende Wegbegleiter bezeichnen den Vater von drei Kindern dennoch als zurückhaltenden Beobachter, als guten Zuhörer, der niemals sofort seine Meinung herausposaunt. Andere wiederum sehen in ihm einen Querkopf, einen sturen Patriarchen. Wird Görtz auf seinen Ausstieg aus der Firma und seinen Ruhestand angesprochen, reagiert er fast ein bisschen beleidigt: "Das ist kein Thema, was mich umtreibt." Es gebe Wichtigeres zu tun, als darüber nachzudenken.

Der Schuhhändler kümmert sich weiterhin um das operative Geschäft. Doch den Vorsitz der Geschäftsführung hat er bereits im Jahr 2000 an Hans-Peter Labin - den ersten familienfremden Manager auf dem Chefsessel - abgegeben. Damit wollte er die Weichen für seinen Ausstieg stellen. Nun wechselte Labin Anfang dieses Monats nach seinem 65. Geburtstag in den Verwaltungsrat, und ein zweiter "Externer", Christoph von Guionneau, übernahm die Leitung.

"Meine Aufgabe ist es, für Kontinuität zu sorgen. Dabei möchte ich die Verantwortung auf so viele Schultern wie möglich verteilen", sagt Görtz. Auch sein jüngerer Bruder Friedrich gehört der Geschäftsführung an. Seine Tochter Katharina ist als Innenarchitektin für die Schuhkette tätig; seine Söhne Philipp und Robert arbeiten als Einkäufer im Unternehmen.

Selten haben seine 3 000 Mitarbeiter ihren Chef lauthals lachen gesehen, nur von Zeit zu Zeit huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Dann zum Beispiel, wenn er erzählt, dass er eine "gewisse Vielfalt" im Schrank habe: etwa 20 Paar Schuhe. Benötigt ein Paar eine neue Sohle, wirft er es weg. Zum Schuster bringt er keines. Kein Wunder, dass der Schuhhändler nicht nur bei sich selbst, sondern auch bei seinen Mitmenschen auf gepflegtes Schuhwerk achtet - zumal "der Schuh Ausdruck der Persönlichkeit ist".

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