Luft- und Raumfahrtkonzerne hoffen auf Wachstum im militärischen Bereich
Zivile Flugzeuge sind wenig gefragt

Eine schwache Konjunktur und die Terroranschläge in den USA treffen sowohl Fluggesellschaften als auch Flugzeugbauer schwer. Nur wenige europäische Airlines beendeten das Jahr 2001 mit einem Gewinn. Die Luft- und Raumfahrtkonzerne hoffen jetzt auf Wachstum im militärischen Bereich.

Sie war die wohl am meisten gebeutelte Branche des vergangenen Jahres: die Luft- und Raumfahrtindustrie. Schon im Sommer hatten Fluggesellschaften und Flugzeugbauer unter der schlechten Konjunktur und der damit einhergehenden Reisezurückhaltung zu leiden. Das Desaster kam dann am 11. September 2001: Die Bilder von in fliegende Bomben verwandelten Passagiermaschinen gingen um die Welt - und schürten die Angst vor Terror. Tagelang war der Flugverkehr in den USA lahm gelegt. Und auch als die Maschinen wieder flogen, blieben viele Geschäfts- und Freizeitreisende lieber zu Hause.

Die europäischen Airlines waren längst nicht so traumatisiert von den Ereignissen wie die US-Gesellschaften. Aber die Auswirkungen spürten auch sie. Die Swissair und die belgische Sabena - beide bereits in prekärer finanzieller Situation - trieb der dramatische Abfall der Passagierzahlen nach dem 11. September in die Pleite. Selbst gesündere Gesellschaften wie British Airways, Lufthansa und KLM Royal Dutch Airlines erwirtschafteten hohe Verluste - verursacht durch die doppelte Belastung von Konjunkturkrise und Krise in der Luftfahrt.

Nur wenige europäische Airlines konnten sich dem Trend widersetzen. Die Billigflieger Ryanair und Easyjet warben auf den innereuropäischen Linien die preisbewussten Flugreisenden den etablierten Gesellschaften ab. Innereuropäisch ging die Zahl der Fluggäste längst nicht so stark zurück wie auf den Routen in den USA und über den Atlantik.

Aber auch Air France und die spanische Iberia schafften es, das Jahr 2001 mit Gewinnen abzuschließen. Iberia profitierte vom geringen Marktanteil im US-Markt und der Stärke auf den Lateinamerika-Strecken, die vom Rückgang weniger betroffen waren. Air France konnte Kapazitäten von den Nordamerika-Routen unter anderem nach Afrika verlegen.

Die schlechte Lage der meisten Fluggesellschaften bekommen inzwischen auch die Zulieferer zu spüren: Der Flugzeugbauer Airbus hat seine Expansionspläne zunächst zurückgestellt - nur das Projekt des Großflugzeugs A380 mit 555 Sitzplätzen läuft ungebremst weiter. Angesichts der getrübten Aussichten wird der Luft- und Raumfahrtkonzern European Aeronautic Space & Defense Co., der 80 % an Airbus hält und als dessen Wachstumsmotor der Flugzeugbauer galt, künftig nun doch nicht wie geplant als "Airbus" firmieren. Stattdessen setzt der Konzern wieder stärker auf seine Rüstungssparte, seit Terrorangst und höhere Verteidigungsbudgets der Branche zu neuer Blüte verhelfen.

In der besten Ausgangsposition für den bevorstehenden Aufschwung im militärischen Sektor in Europa scheint der britische Rüstungskonzern BAE Systems Plc., der die restlichen 20 % an Airbus hält. Er ist sowohl in den USA als auch in Europa gut vertreten, und seine High-Tech- Produkte sind wie geschaffen für die automatisierten Kriege der Zukunft.

Dass sich dieses Potenzial nicht im Aktienkurs widerspiegelt, führen Analysten teilweise auf den überraschenden Weggang des Konzernchefs John Weston Ende März zurück. Der neue Vorstandsvorsitzende Mike Turner muss nun daran arbeiten, sowohl die Marktkapitalisierung des Konzerns als auch die Präsenz bei den potenziellen Kunden zu erhöhen, um das Versprechen einzulösen, einen europäischen Rüstungskonzern aufzubauen, der mit den Großen der Branche aus den USA mithalten kann.

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