Luftalarm in Bagdad
Waffeninspektionen haben begonnen

Internationale Waffeninspekteure haben am ersten Tag ihre Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak am Mittwoch zwei Militäranlagen und eine Fabrik in der Umgebung von Bagdad durchsucht.

HB/dpa BAGDAD/KAIRO. UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärte, die Kontrollen seien ohne Schwierigkeiten angelaufen. Begleitet wurde die Arbeit der 17 Inspekteure am Morgen von Sirenengeheul. Die irakische Zivilschutzbehörde erklärte, sie habe Luftalarm ausgelöst, weil "feindliche Flugzeuge" in den Luftraum über Bagdad eingedrungen seien.

Damit werden im offiziellen irakischen Sprachgebrauch in der Regel amerikanische und britische Militärflugzeuge bezeichnet. Ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums dementierte die Angaben aus Bagdad. Kein britisches oder amerikanisches Flugzeug habe am Mittwoch die irakische Hauptstadt überflogen, erklärte er. Es war der erste Luftalarm in Bagdad seit der Bombardierung der Hauptstadt 1998 nach dem Abzug des damaligen UN-Inspektionsteams. Bagdad liegt nicht in einer der beiden so genannten Flugverbotszonen im Norden und Süden des Landes, in denen Washington und London regelmäßige Aufklärungsflüge durchführen.

Wie Augenzeugen berichteten, beendeten die Experten der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) ihre Durchsuchung des Al- Tahhadi-Militärgeländes am Mittag nach rund drei Stunden. Anschließend fuhren sie zu einer zweiten Inspektion in einer knapp 100 Kilometer von Bagdad entfernten chemischen Fabrik.

Ein Team der UN-Waffenkontrollkommission (UNMOVIC) habe unterdessen eine zweite militärische Anlage besucht, die etwa 20 Kilometer von Bagdad entfernt liege, hieß es. Die irakische Seite hatte am Morgen erklärt, die UN-Inspekteure hätten ihre Kontrollen in einem Gelände begonnen, auf dem sich eine Klinik für psychisch Kranke und eine Fabrik für Milchprodukte befänden.

Generalsekretär Annan sagte am Mittwoch im französischen Rundfunk, die Kontrollen seien "ganz gut angelaufen". Zugleich forderte er die irakische Führung erneut zu einer "rückhaltlosen Zusammenarbeit" mit den Waffeninspekteuren auf. Nur so könne ein militärischer Konflikt verhindert werden.

Russland begrüßte die Wiederaufnahme der Inspektionen nach vierjähriger Pause. "Moskau geht davon, dass der Irak seiner erklärten Absicht einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen Taten folgen lässt", erklärte das Außenministerium in Moskau. Die Inspektionen seien "eine wichtige Wegmarke bei einer umfassenden Lösung des Irak-Problems", sagte Ministeriumssprecher Alexander Jakowenko nach Angaben der Agentur Interfax.

Die syrische Zeitung "Syria Times" warf der US-Regierung am Mittwoch vor, sie sei nicht wirklich daran interessiert herauszufinden, ob der Irak atomare, biologische und chemische Waffen besitze, sondern suche nur einen Vorwand für eine militärische Offensive.

Die UN-Inspekteure können sich bei ihrer Arbeit auf die kürzlich verabschiedete und von Bagdad akzeptierte UN-Resolution 1141 berufen, die unangemeldete Kontrollen an jedem Ort im Irak vorsieht. Laut UNMOCIV-Chef Hans Blix wird die Zahl der Kontrolleure bis Weihnachten auf 100 steigen. Insgesamt sollen der UNMOVIC später 300 Mitarbeiter aus 48 Nationen zur Verfügung stehen.

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